Aktuelles Pressespektakel

Wenn man von einem Rosenkrieg mitbekommt, stellt sich immer die Frage: ignorieren und hoffen, dass er vorbei geht, oder Dinge richtigstellen und somit weitere Angriffsfläche bieten? Bei dem, was gerade in der Pressearbeit der Piratenpartei los ist, habe ich erstmal nur zugeguckt. Inzwischen muss ich vielen Leuten die Situation aus meiner Sicht erklären. Diese geben es zum Teil weiter und irgendwann haben wir Stille Post. Dann lieber drüber bloggen.

Pressearbeit in der Partei ist für viele ein rotes Tuch und mir scheint, dass nirgends mehr Gerüchte und Missgunst gestreut werden. Ich sage immer allen Leuten, dass sie sich bei mir melden sollen, wenn Fragen sind. Aber die meisten tun das nicht. Um ein Beispiel zu bringen: Im Pressesquad Berlin wurde ich angesprochen, weil meine intransparente Pressearbeit bei einer Crew thematisiert wurde, natürlich in meiner Abwesenheit. Das wunderte mich, da die Pads und die Maillisten, die ich nutze, öffentlich sind. Über meine Pressekontakte twittere ich jedes einzelne Mal (in Ermanglung eines besseren Systems). Das Problem lag darin, dass ich angeblich eigenmächtig Pressemitteilungen im Namen der Partei geschrieben und diese dann, ohne sie absegnen zu lassen, verschickt hätte. Dass ich noch nie eine Pressemitteilung für die Partei verfasst habe, geschweige denn Zugriff auf die Versandsysteme habe, spielte hierbei wohl keine Rolle. Auch welche Mitteilungen das gewesen sein sollen, konnte niemand sagen. Mit diesem Wissen im Kopf wundert es mich also nicht, wenn es noch viel größere Dramen auf Bundesebene gibt.

Während man beim Berliner Pressequad die Arbeit noch nachvollziehen kann, hat die SG Presse ein weiteres Problem: Die Arbeit findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Pads sind nur für sie SG (und manchmal für andere Beteiligte) zugänglich, die Maillist ist ganz geschlossen und mitmachen kann man auch nicht einfach. Dazu hat der (alte) Vorstand z.T. Pressemitteilungen in nur für sie zugänglichen Pads geschrieben und veröffentlicht, ohne dass man auch nur deren Entstehung nachvollziehen konnte. All dies sorgt regelmäßig für größere Kritik an der SG. Ich hatte mehrfach überlegt, deswegen nicht weiter mitzuarbeiten, aber dann würde ich gar nicht mehr wissen, wie die Bundespresse funktioniert. Sehr skurril, so etwas bei den Piraten zu haben.

In der SG Presse bin ich seit deren Gründung Ende letzten Jahres. Es war oft die Rede von der Umgestaltung der Pressearbeit. Neu und besser. Das ist immer gut, aber ich habe die Revolution bis heute verpasst. Von den rund 70 Leuten wurden an sich nur Pressemitteilungen geschrieben als Reaktion auf Dinge, die passierten. Wenig eigene Themen wurden gepuscht, und vor allem kaum andere Teile der Pressearbeit gemacht. Meine Auftritte auf Podien und die Interviews gab ich nie als Vertreter der Bundespresse; entweder war es die Presse Berlin oder ich wurde als Verleger angefragt oder der Vorstand reichte mir die Termine weiter. Auch das fand ich sehr schade. Ich bot mehrfach meine Arbeit an – angenommen wurde das Angebot nicht. Dafür hörte ich regelmäßig, wie überlastet die Pressesprecher seien und dass sie kaum noch die Flut an Anrufen und Mails bearbeiten könnten. Zugänge zu den Systemen, mit denen man arbeiten durfte, hatte ich im Oktober 2011 beim Bundespressetreffen beantragt – bisher ohne Erfolg.

Nun sind in kurzer Zeit der 2. Bundespressesprecher und der Stellvertretende Bundespressesprecher zurückgetreten. Das ganze taten sie nicht ruhig und wohlwollend, sondern sie hauten nochmal drauf. Nun folgt Gefions Blogpost zur Pressearbeit, bei dem sie den Eindruck erweckt, für andere in der SG Presse zu sprechen. Für mich nicht. Daher möchte ich auf ein paar Punkte eingehen.

Ich habe nach diesem Beschluss dem Vorstand erneut mitgeteilt, dass die Pressegruppe nicht so lange ohne feste Zuständigkeit, ohne verantwortlichen Ansprechpartner im Vorstand und ohne Koordination auskommt.

Wir sind keine kleinen Kinder, der Vorstand sind nicht Mama und Papa. Wir kommen auch durchaus alleine klar. Außerdem gibt es immer noch das piratische Mandat. Wenn man also einen Misstand sieht, kann man einfach einspringen. Was dann offensichtlich auch passierte.

In dem bestehenden Verantwortungsvakuum versuchte die Bundespressesprecherin für Ordnung zu sorgen, wiederholte dabei aber lediglich Arbeiten, die längst erledigt waren und erhöhte damit den Organisationsaufwand statt ihn zu reduzieren.

Wenn das so gut zu sehen war: Warum wurde nicht geholfen? Ich sehe bei einer angestellten Bundespressesprecherin mit einem fast 70-köpfigen Team kein Verantwortungsvakuum. Wir sind nicht die FDP, wir können auch ohne Vorstand leben. In Berlin hat der Vorstand auch nichts mit der Pressearbeit zu tun und es funktioniert sehr gut.
Außerdem hat Gefion die aktuelle Bundespressesprecherin mit ausgesucht und das Vorstellungsgespräch geführt.

Währenddessen griffen einige Vorstandsmitglieder aktiv destruktiv in das Presseteam ein. Das Team wurde auf der eigenen Mailingliste angepampt, wo Motivation benötigt worden wäre, es wurden Forderungen gestellt die mit dem Aufbau der Gruppe nicht kompatibel waren.

Da hab ich wohl gepennt. Bei mir kam das nicht an. Lassen wir den Leser entscheiden – ach nein, die Liste ist ja geschlossen.

Der fachliche Rat von Leistungsträgern und Profis wurde ignoriert, Expertise nicht anerkannt.

Das ist ja ungeheuerlich! Ich bin dann offenbar kein Profi. Ich mache erst seit gut 10 Jahren bundesweite Pressearbeit.

Ich habe den Vorstand wiederholt und nachdrücklich darauf hingewiesen, dass sie so nicht weitermachen können. Dass ihnen, wenn sie so weitermachen, das Presseteam auseinanderfällt.

Unterm Strich muss ich sagen: Wir sind Piraten! Wenn die SG Presse wirklich so ein Problem mit der Entscheidung des Vorstandes hätte, würde es Widerstand geben, und der Vorstand würde sich dem beugen müssen. Wir sind ja nicht Top-Down. Im Zweifel haben wir mehr SG Piraten als Vorstand; wenn wir sie kielholen wollen, dann tun wir das auch. Aber es will offensichtlich niemand. Stattdessen wird gerade diskutiert, die Liste zu öffen. Die meisten Landespressen handhaben das so und haben keine Probleme damit.

Und wenn Leute gehen wollen, weil sich Prozesse ändern, dann ist das ok. Aber dann bitte ohne Flurschaden zu hinterlassen und ohne Kampagnen gegen die aktuellen Akteure zu fahren. Aber genau darum scheint es gerade zu gehen.

Update:

Da es in dem Post nicht ganz raus kommt: In der SG-Presse gibt es viele gute und fröhliche Leute. Diese sind gerade dabei die Diskussion nach anderen Strukturen und natürlich mehr offenheit zu führen. Es gibt auch eine öffentliche Abstimmung darüber ob die Öffentlichkeit der SG-Presseliste neu abgestimmt werden soll. Ich denke, das entwickelt sich alles sehr gut, auch wenn es von Außen nicht immer so aussieht.