Anne Will: Drei Christen gegen die AfD

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Die Meldungen zur Anne Will Sendung vom 24.01.2016Vorbild Österreich – Braucht auch Deutschland eine nationale Obergrenze?“ überschlugen sich. Beatrix von Storch von der AfD ist mit ihrer rechten Hetze nach vorne geprescht und hat sich in übelster Form geäußert, hieß es da. Ich habe Sie ein paar mal gesprochen, bevor sie zur AfD ging. Dass ihre politische Einstellung weit weg von meiner liegt ist klar, aber als rechte Hetzerin hatte ich sie nicht im Kopf- eher so am Rande der CDU. Ich habe in der Vergangenheit auch mit Armin Laschet (CDU) und Hans-Peter Friedrich (CSU) über Flüchtlingspolitik gesprochen, hatte also ein grobes Bild von 75% der Gäste. Ich sah mir die Talkshow nochmal genauer an und versuche, auf diese Sendung reduziert, die Aussagen zur Flüchtlingspolitik zu vergleichen.

Armin Laschet (CDU) sagt, dass wir allen Flüchtlingen helfen müssen. Aber wir müssen die Zahl der Flüchtlinge, die bei uns ankommen, reduzieren. Wir sollen die Staaten beeinflussen, durch welche die Flüchtlinge früher laufen und dafür sorgen, dass mehr Flüchtlinge dort ordentlich untergebracht werden. Dies kann zum Beispiel die Türkei sein, die durch unser Geld ihre Flüchtlingsunterbringung auf europäische Standards bringt.

Hans-Peter Friedrich (CSU) ist der Meinung, dass wir durch die gleichzeitige Schließung aller EU-Grenzen den Flüchtlingsstrom schon vorher eindämmen müssen. Dadurch müssen wir auch zeigen, dass wir unsere EU-Außengrenze sichern können. Wer dann nicht rein kommt, muss z.B. i der Türkei bleiben und dort ordentlich versorgt werden.

Beatrix von Storch (AfD) sieht das eher so: Wer aus einem sicheren Drittstaat kommt, darf nicht zu uns. In Österreich sind die Flüchtlinge z.B. sicher und nicht mehr verfolgt. Wenn wir das umsetzen, benötigen wir auch keine Obergrenze. Sie möchte keine Integration – beziehungsweise gegebenenfalls doch, das war unklar – von Bürgerkriegsflüchtlingen, da diese eh wieder zurück in ihre Heimat müssen. Auf Facebook teilte sie das in ihrem Umfeld bestehende Gerücht Angela Merkel wollte bald aus „Sicherheitsgründen“ nach Chile oder Südamerika gehen. So machten es die deutschen Diktatoren und Erfüllungsgehilfen im 20. Jahrhundert und man schiebt Merkel damit in diese Ecke. Beatrix von Storch sagt aber auch: „Diese Menschen machen alles richtig, wenn sie zu uns kommen, denn sie leiden, zumindest zum größten Teil, sehr große Not.

Heinrich Bedford-Strohm (Evangelische Kirche) sieht in den Flüchtlingen kein Problem, sondern ein „Problem“. Für ihn steht der Mensch im Mittelpunkt: Wie stellt man sicher, dass diese ordentlich versorgt sind – egal wo. Was macht man also mit ihnen, wenn die Grenzen zu sind und sich niemand um sie kümmert? Für ihn ist aber eine sichere und gute Unterbringung in der Türkei ebenfalls denkbar. Aber sie muss wirklich gut funktionieren.

Wenn man all diese Positionen vergleicht, dann liegen sie dicht beisammen. Eine Gemeinsame Lösung aller vier könnte sein: Alle EU-Grenzen dicht machen, die EU-Außengrenze sichern und in der Türkei gute Flüchtlingslager finanzieren.

Seitens der AfD wurde in der Sendung nicht einfach gehetzt. Weder wurde das Klischee der kriminellen Ausländer bedient, noch wurden die Phrasen „und was ist mit unseren Rentnern“ oder „die Schulen haben auch kein Geld“ bedient. Sie hat nicht mit hochrotem Kopf rumgekeift, keine Deutschlandflagge gehisst oder ähnlichen Blödsinn gemacht. Man kann der AfD sonst viel rechtes Gedankengut, Hetze und bereitwilliges fischen im trüben rechten Becken und so weiter vorwerfen – all das passierte in der Sendung aber nicht. Wenn es nur ein schriftliches Protokoll der Talkshow gäbe, ohne dass man wüsste wer was gesagt hat, dann wäre die AfD Position zwischen den Redebeiträgen der CDU und CSU untergegangen. Und das ist das Problem dieser Sendung gewesen.

Als CDU und CSU ist man auch schlecht Beratern, die Forderungen der AfD zu kritisieren und inhaltlich das gleiche zu Fordern. Es fehlte eine klare Abgrenzung der einzelnen Parteien in Richrung rechts. Es fehlte auch das gemeinsame vorgehen der drei Christen auf der Bühne gegen die rechte Partei. Es erinnert ein bisschen an die Zeit vor 1933. Auch da waren alle Parteien damit beschäftigt sich gegenseitig schlecht zu machen und haben das gemeinsame Ziel gegen rechts zu sein aus den Augen verloren. CDU und CSU haben sich hier angezickt wie in einer Telenovella.

Die AfD würde ich also nicht als den Verlierer der Sendung sehen, sondern leider als den traurigen Gewinner. Die Poltik der AfD, die Hetzreden, der Schulterschluss zu Neonazis und all dies wurden nicht mal angesprochen. Stattdessen hat man ihre Forderungen inhaltlich übernommen und versucht zu erklären, warum man dennoch anders ist. Armes Deutschland. Da hoffe ich in Zukunft doch auf eine bessere Zusammenarbeit aller demokratischer Parteien auf der Bühne. Wer sich mit solchen Parteien auf die Bühne setzt, der muss vorbereitet sein und muss sie verbal zerlegen können, so wie es Christoph Schlingensief einst auf den Fernsehbühnen tat.

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  • Lothar W. Pawliczak

    Ehrlich gesagt, mir – und ich vermute sehr vielen „besorgten Bürgern“ ebenso – ist es völlig egal, ob sich die Parteien klar voneinander abgrenzen oder nicht. Ich erwarte eine Lösung der „Flüchtlingskrise“ und, da man sich insgesamt doch erfreulich einig war – Alle
    EU-Grenzen dicht machen, die EU-Außengrenze sichern und in der Türkei
    gute Flüchtlingslager finanzieren, erwarte ich: ENDLICH ANGEMESSEN HANDELN!

    Allerdings, mich erinnert auch Einiges ein bisschen an die Zeit vor 1933, die wir – Gnade der späten Geburt – alle nur aus den Geschichtsbüchern kennen. Auch da waren alle (?) Parteien damit beschäftigt, sich gegenseitig schlecht zu machen. Auch damals prügelten Linksextreme (die hießen damals Roter Frontkämpferbund) und rechte Gewalttäter (damals SA) aufeinander ein …

    Und richtig: Wer sich mit „solchen Parteien“ auf die Bühne setzt, der muss vorbereitet sein und muss sie verbal zerlegen können. Frau Storch war offensichtlich nicht ausreichend darauf vorbereitet, gegen Ende der Sendung – diesmal nicht „von solchen Parteien“, sondern von der Moeratorin – vorgeführt zu werden, obwohl das eine Woche zuvor in gleicher Weise mit Herrn Gauland gemacht worden war. Sie hätte einfach sagen müssen: Ja,
    das war dumm von mir, so ein verleumdnerisches Gerücht weiterzugeben
    (bzw. zuzulassen, daß dies einer meiner Mitarbeiter, für die ich die
    volle Verantwortung trage, in meinem Namen postet). Es tut mir leid und
    ich bitte Frau Merkel in aller Form hiermit um Entschuldigung. Das wär’s
    dann auch gewesen.