Autofahrer, Verleger, Piraten und die Kostenlos-Mentalität

Zwischen den Stühlen
Schon mehrmals schrieb ich darüber, dass ich als Verleger und Pirat oft zwischen den Stühlen sitze. Bei den Podien komme ich mir immer wieder vor wie der Zigarettenlobbyist aus „Thank you for smoking“. Man guckt in Gesichter, die einem teils gespannt und teils mit reiner Abneigung entgegen blicken. Egal, ob ich als Pirat oder als Verleger rede, nach den Auftritten hat es sich meist relativiert. Bis auf die Leute, die eh nur gegen meine jeweilige Position sind – egal, was ich sage.

Am Wochenende war ich wieder beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Weil die Frage immer wieder aufkommt: Ich habe kein Geld für den Auftritt bekommen, aber 0.6l Kaffee, 2 Muffins und 2 Physalis. Es ging um eine Veranstaltung für den Nachwuchs (Auszubildende, Volontäre, etc.), bei der viele durchaus praxisnahe Themen besprochen wurden. Meins war: „Gesellschaft ohne Urheberrecht?“. Die Frage kommt mir vor wie bei Radio Erivan. Daher wäre meine einfache Antwort: „Im Prinzip ja, wäre nur sehr schade um die Gesellschaft“. Denn ganz ohne Urheberrecht würde es nur mit sehr eigenverantwortlichen und wohl gesonnenen Menschen gehen. Und die sehe ich bisher nicht in der Überzahl.

Die Kostenlos-Mentalität
Ein Thema war natürlich wieder die „Kostenlos-Mentalität“ der Piratenpartei bzw. der Filesharer. Sei es nun der Öffentliche Personennahverkehr oder Werke im Internet: Alles soll ja bald kostenlos sein, wenn es nach den Piraten ginge. Dabei sollte doch jedem klar sein, dass nicht alles kostenlos verfügbar sein kann. Und auch die Piraten sind sich einig, dass es das auch gar nicht sein soll.

CC BY-SA JensFlorian

Stattdessen geht es um ein Umlageverfahren (Stichwort Kulturflatrate oder Kulturwertmarke etc.), wie es sie heute schon in vielen Bereichen gibt. Niemand käme z.B. darauf, den Autofahrern eine Kostenlos-Mentalität zu unterstellen, weil sie die Autobahnen umsonst nutzen wollen. „Ja, aber!“ höre ich dann sofort: „Das sind Steuern, Umlageverfahren, nichts Privates.“ Stimmt, so war es mal. Aber zum einen werden Steuern auch von allen Bürgern bezahlt, zum anderen werden Autobahnabschnitte immer wieder von privaten Unternehmen gebaut und bezahlt. Diese erhalten teile der LKW-Maut zurück. Also keinen Cent vom Autofahrer. Sollen die Nutzer für den Mehrwert zahlen, betiteln es Leute aus der SPD als „Abkassieren ohne Ende“.

Wer nicht Auto fährt, kann auch profitieren. In Berlin zahlte Wertheim in den 1920er Jahren fünf Millionen an die Betreiber der Berliner U-Bahn, damit die Station Moritzplatz vor seiner Tür gebaut wurde. Auch dafür hat keiner der Kunden je (direkt) gezahlt.

Was ist nicht-kommerziell?
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Piraten ist: Was ist nicht-kommerziell und was ist kommerziell? Schließlich setzen sich die Piraten ja für eine Entkriminalisierung des privaten, nicht-kommerziellen Filesharing ein. Ich finde, dass sich dort leicht eine Differenzierung vornehmen lässt: Wenn etwas Einnahmen generiert, die über unplanbare Spenden hinausgehen, dann ist es kommerziell. Dieser Blog nimmt per Flattr etwa 1€/Monat ein. Wenn die herrschende Meinung sich dahin ändern würde, dass Flattr kommerziell ist, könnte ich es also einfach runternehmen. Andere Leute meinen, kommerziell sei es erst, wenn Gewinne entstehen. Also mehrheitlich z.B. nicht, wenn man durch Werbebanner die Serverkosten bezahlt. Allerdings würde dann auch der Flughafen BBI/BER nicht-kommerziell sein, denn er generiert keinen Gewinn, und wird es auch auf absehbare Zeit nicht tun.

So einfach ist die Definition von kommerziell und nicht-kommerziell also nicht. Wenn man aber im Falle von Filesharing-Plattformen genau das unterscheiden muss, braucht man notwendigerweise eine klare Definition. Aktuelle Diskussionen drehen sich z.B. um die Plattformen Megaupload und Piratebay. Ich schließe mich da Christopher Lauers Meinung an, dass diese durch den PA149 nicht gedeckt sind.

Wie man sieht: Die Diskussionen innerhalb der Piratenpartei gehen weiter. Aber sie werden immer tiefgehender, was mich freut.