Berlin ist kein Berliner Thema

oder PiratenIn vielen Organisationen, in denen ich bin, ist es ein Dauerthema: Der Sonderstatus von Berlin. Oft ist Berlin ein aktiver Angelpunkt von Leuten. Und alle kommen gerne nach Berlin. Bei der Piratenpartei ist es nicht anders. In der Hauptstadt ist viel los, man hat gute Kontakte und es ist der Dreh- und Angelpunkt für vieles. Berlin ist das erste Bundesland, in dem die Piratenpartei im Landtag (bzw. hier: „Abgeordnetenhaus„) vertreten ist. Wir werden in allen Medien an dem gemessen, was 15 wagemutige hier gerade leisten. Ansonsten sieht man Marina Weisband oft im Fernsehen, sie ist aus Münster. Alles andere, was die Partei tut, wird leider weiterhin nur wenig wahrgenommen, wenn es nicht gerade ein Bundesparteitag ist. Das ist schade, da wir über 150 Mandatsträger im Bundesgebiet haben. Aber so ist es nun mal. Also muss man damit leben und sehen, dass wir bundesweit von dem profitieren, was hier geleistet wird. Und das ist eine ganze Menge. Wir haben sehr schnell gesehen, dass es mit der Politikverdrossenheit der Menschen nicht weit her ist. Man muss ihnen nur die Werkzeuge geben, die sie nutzen möchten. Statt zu Sitzungen zu arbeitnehmerunwürdigen Zeiten anwesend zu sein, kann man den Stream gucken. Statt Sitzungsprotokolle irgendwo einsehen zu können, kann man sie im Wiki als Volltext durchsuchen und mit anderen vergleichen. Die Kommentare zum Bundesparteitag gibt es nicht in der Parteizeitung, sondern live bei Twitter. Und die Leute lesen es gerne und viel.

Hier können wir zeigen, was wir leisten. Dafür müssen wir das, was wir leisten, auch wieder allen zeigen. Denn das beste zu leisten bringt nichts, wenn es nur wenige mitbekommen. In den Bezirksverordnetenversammlungen wird in Echtzeit mitgeschrieben was passiert, die Arbeit der Abgeordneten im Abgeordnetenhaus kann man als stiller Zuschauer oft auch vor Ort verfolgen. Auch hat man endlich den Politiker zum anfassen und knuddeln. Die Leute sind nicht abgehoben, nicht publikumsscheu, und man kann ganz normal mit ihnen reden, ihre Meinungen ungeschönt auf Twitter und den Blogs lesen. Kein PR Manager hängt dazwischen, keine Agentur optimiert die Sätze.

Zwar kenne ich auch Politiker anderer Parteien, mit denen ich gut direkt reden kann, aber diese bleiben bewusst auf Bezirksebene oder in bestimmten Gremien, um ihren Kontakt zur Basis nicht zu verlieren. Bei Politikern auf Landes- oder Bundesebene habe ich oft dass Gefühl, dass sie schon zu lange (Berufs-) Politiker sind und ihnen genau dieser Kontakt fehlt. Als Dr. Christian Hanke (SPD), Bürgermeister von Berlin Mitte, beim „Kandidatengrillen“ war, fragte er nachher, ob noch jemand in seine Richtung müsse. Er würde die Leute dann im Auto mitnehmen. Bei anderen Leuten habe ich solche Angebote noch nie erlebt.

Sobald wir in Schleswig-Holstein im Landtag sitzen, wird sich die Aufmerksamkeit sicher verteilen, aber bis dahin müssen wir hier die Fahne hoch halten.

Foto von: blog.rebellen.info