Flyer des Börsenvereins für Lehrer

Eine Mail, die ich an den Börsenverein des Deutschen Buchhandels schickte:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Felix von Leitner wies mich auf einen Flyer hin, der an Schulen verteilt wird und den ich über meine Mitgliedschaft im Börsenverein des deutschen Buchhandels mit finanziere. Auch der Rechtsanwalt Kompa sowie der Rechtsanwalt Petrings haben bereits dazu etwas geschrieben. Die grundsätzliche Idee, Lehrern, die mit der Thematik oft überfordert sind, eine Hilfe zu bieten, halte ich für gut. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Ersteller des Flyers selber mit der Thematik überfordert waren.

Außenstehenden Sachkundigen drängt sich so erneut der Eindruck auf, dass unsere Branche von Internet und Filesharing keine Ahnung habe. Ich war in den letzten Tagen mit viel Kritik konfrontiert worden, da kaum zwischen legalen und illegalen Filesharingbörsen unterschieden wird und ein sehr peinlicher Bogen zu Kinderpornographie gespannt wird. Ich bin seit siebzehn Jahren online und habe mir etwa genauso lange Filesharingsysteme und Verwertungsmöglichkeiten angesehen. Während der gesamten Zeit habe ich Hunderte dieser Portale gesehen, nie sind mir kinderpornographische Inhalte über den Weg gelaufen.

Ich habe mir die Mühe gemacht, Ihnen hier die Probleme die ich sah aufzulisten.

Wenn man bei Filesharing-Diensten urheberrechtlich geschützte
Werke (…) herunterlädt, verletzt man das Gesetz (…) und muss mit
zum Teil ernsthaften Strafen rechnen. Bei Minderjährigen gilt:
Eltern haften für ihre Kinder!

Was vergessen wird: Es ist nur verboten, wenn man das Werk unlizenziert herunter lädt. Natürlich darf man freie Musik runter laden oder welche, die man bezahlt hat. Und in Deutschland haften Eltern eigentlich nicht für ihre Kinder. Dies ist einer der gängigen Rechtsmythen, über den sich Anwälte regelmäßig amüsieren.

Filesharing-Dienste wie BitTorrent-Systeme setzen die Nutzer
dem Risiko aus, mit unerwünschten Inhalten wie Viren, Pornogra-
fie oder Gewaltdarstellungen in Berührung zu kommen.

Ja, das kann passieren. Gleiches gilt für Bücher und Zeitschriften. Vor diesen wird jedoch nicht gewarnt. Auch Viren können an einem Buch haften, wenn eine kranke Person es vorher angefasst hat.

Urheberrechtswidrige Inhalte werden im Internet zunehmend nicht
mehr von Einzelpersonen, sondern von organisierten Kriminellen
angeboten. Zu deren illegalem Repertoire gehören Abzockfallen,
der Missbrauch von Kreditkarten und Kontodaten (Phishing) sowie
schwere Straftaten bis hin zu Kinderpornografie.

Es ging doch um das unlizenzierte Herunterladen von Daten. Wieso man auf diesen Portalen Kreditkartendaten angeben muss, verstehe ich nicht. Kenne ich auch von den gängigen Portalen nicht. Das Ganze auf Kinderpornographie auszuweiten ist ziemlich grotesk.

Nur in wenigen Fällen werden digitale Inhalte legal über Blogs zur
Verfügung gestellt.

Ich betreibe etwa zehn Blogs. Mir wäre nicht bekannt, dass ich in einem davon digitale Inhalte unlizenziert zur Verfügung stelle.

Die IP-Adresse verweist damit auf einen bestimmten Internetnutzer bzw. auf das Gerät, das gegebenenfalls für das illegale Filesharing von urheberrechtlich geschützten Dateien genutzt wurde.

Nein. Die IP-Adresse wird einer Netzwerkkarte zugewiesen, welche die Verbindung zum Internet herstellt. Heute ist das in den seltensten Fällen das Gerät, welches die Daten am Ende speichert oder anzeigt. Normalerweise ist es, auch bei DSL Anschlüssen, ein Modem. Jedoch kann man damit immer noch nicht den Nutzer finden. Der Provider kann über die Zuordnung von Kunden und vergebener IP-Adresse sagen, welcher Kunde den Anschluss bezahlt. Die Geräte hinter dem Modem sind meist über einen NAT-Router mit dem Modem verbunden, wodurch man von außen nicht mehr sehen kann, welches Gerät welche Daten gesendet oder empfangen hat. Selbst wenn man das Gerät eindeutig identifizieren könnte, könnte man dadurch immer noch nicht sicher sagen, wer das Gerät benutzt hat.

Zudem können Kinder leicht in teure Abofallen tappen

In Deutschland nicht, da Kinder keine solchen Verträge abschließe können. Näheres regelt §110 BGB.

Stellen Sie sicher, dass die kabellose Internetverbindung über (…) eine Verschlüsselung (WPA) gesichert (…) ist.

Technische Sicherheitshinweise sollte man nur geben, wenn man sich auskennt. WPA konnte man unter bestimmten Voraussetzungen schon vor drei Jahren binnen Minuten mit einem Notebook knacken. Sinnvoller wäre der Tip WPA2 gewesen, welcher der aktuelle Standard ist.

Router: Ein Gerät, das dazu dient, einen Computer mit dem Internet zu verbinden.

Wo wir gerade bei Technik waren. Ein Router verbindet Netzwerke miteinander, dazu muss man aber bereits online sein. Nur ein Detail, aber es zeigt, dass die Leute, die das Glossar erstellt haben, nicht besonders technisch versiert sind.

SSID: Eine Bezeichnung, die einem bestimmten W-LAN-Router zugeordnet ist und anhand derer dieser identifiziert werden kann.

Die SSID ist der Name des WLAN- Netzwerkes, welchen man selber ausgewählt hat. Auf Messen oder in großen Büros haben oft mehrere WLAN-Accesspoints den gleichen Netzwerknamen. Zum Identifizieren von Netzwerkgeräten wird die MAC Adresse verwendet.

(…) anhand der IP-Adresse nachvollziehen, wer der Anschlussinhaber (…) ist

Man kann anhand der IP-Adresse nichts sehen. Die Zuordnung erfolgt über Logfiles des Providers.

Meine Fragen an Sie dazu:

– Haben Sie Erkenntnisse über die Zahl der Blogs, die urheberrechtlich geschützte digitale Werke unlizenziert anbieten? Dies wäre die Grundlage für die Behauptung, es gäbe nur “wenige Fälle”, in denen die digitalen Inhalte legal angeboten werden?

– Können Sie mir eine bekannte Filesharingbörse nennen, über die man versehentlich Zugriff auf kinderpornographische Inhalte bekommen kann?

Mit freundlichem Gruß,

Enno Lenze

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  • b1nary

    Wäre schon wenn wenigstens so etwas von Leuten erstellt würde die wenigstens Basis Wissen in Informatik mitbringen. Danke für die schöne zusammenfassung 😉

  • Norman

    Den Erstellern dieses Flyers wohlwollend nur mangelnde Sachkunde oder noch wohlwollender Überforderung mit der Thematik zu unterstellen, halte ich für zu kurz gegriffen. Es geht gezielt um einen Versuch, die Freiheit des Inetnets zu beschneiden.
    Nicht nur, um es „nebenbei“ dadurch in eine große Shoppingmall umzuwandeln (was ja schon seit 15 Jahren immer schlimmer wird), diese Motivation ist natürlich die offensichtlichste, auch angesichts des „Geld“-Arguments was in vielerlei Form von den Inhaltsverwertern (seltenst von den tatsächlichen Produzenten) angebracht wird. Sondern auch vor allem darum – und das erkennt man daran, wie dieser Flyer Blogs in die Ecke des „Bösen“ stellt – den freien Informationsaustausch der Menschen untereinander zu verringern bzw. zu verhindern. Wenn man sich diesen Flyer ansieht, und das was da an Meinungsmache in Bezug auf Blogs drin steht, dann kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass der Wunsch der Herausgeber des Flyers so aussieht, dass Menschen, die sich diesen zu Herzen nehmen, aus Angst davor, etwas illegales zu tun, nach Möglichkeit Blogs meiden sollen. Und das kann man wirklich nicht mehr mit mangelnder Sachkunde oder Überforderung durchgehen lassen, hier sollte man ganz direkt und klar heraus ansagen, wessen Geistes Kind solche Ambitionen sind.

  • Sebastian

    „Nur in wenigen Fällen werden digitale Inhalte legal über Blogs zur
    Verfügung gestellt.“

    ergibt umgestellt (beinahe):
    „Auf den wenigen Blogs auf denen digitale Inhalte zur Verfügung gestellt wurden waren diese in nahezu jedem Fall legal.“ 😉

    Quellenangaben zu Quellen die diese Tatsachenbehauptungen belegen wären natürlich nett gewesen – war denen aber wohl zuviel Aufwand.

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  • B.Reuß

    Lieber Herr Lenze,
    vielen Dank für Ihre Mühe! Zu Ihren Punkten:

    Was vergessen wird: Es ist nur verboten, wenn man das Werk unlizenziert herunter lädt. Natürlich darf man freie Musik runter laden oder welche, die man bezahlt hat. Und in Deutschland haften Eltern eigentlich nicht für ihre Kinder. Dies ist einer der gängigen Rechtsmythen, über den sich Anwälte regelmäßig amüsieren.

    Seit wann kann man in Tauschbörsen urheberechtlich geschützte Werke lizenziert herunterladen??? So genannte freie Werke sind entweder nicht mehr urheberechtlich geschützt (gemeinfrei) oder vom Urheber ausdrücklich zur kostenfreien Verbreitung und Vervielfältigung frei gegeben und damit gibt es deshalb auch kein Problem. Mir ist auch neu, dass in Tauschbörsen irgendetwas bezahlt wird. Lediglich bei den Sharehostern zahlt man für den Speicherplatz oder den schnelleren Downloadvorgang, niemals aber für das Werk selbst. Außerdem werden auf den Seiten 10-13 der Childnet-Broschüre die einzelnen Aussagen erläutert und es wird fein zwischen legalen und illegalen Tauschbörsen unterschieden. Was die Haftung von Eltern angeht, ist die Rechtsprechung hier uneinheitlich. Durchaus gehen einige Gerichte davon aus, dass Eltern als Anschlussinhaber haften, andere verlangen zumindest die Aufklärung der Kinder durch die Eltern, ansonsten haften die Eltern und wieder andere haben entschieden, dass jedenfalls für volljährige Kinder nicht gehaftet wird. Insgesamt also ein durchaus berechtigter Hinweis auf das Risiko, dass Eltern für ihre Kinder haften können.

    Ja, das kann passieren. Gleiches gilt für Bücher und Zeitschriften. Vor diesen wird jedoch nicht gewarnt. Auch Viren können an einem Buch haften, wenn eine kranke Person es vorher angefasst hat.

    In der Broschüre geht es darum, die Eltern und Lehrer für die Gesamtproblematik zu sensibilisieren und dazu gehören auch Dinge die eine Gefahr darstellen können. Ganz sicher gehört dazu, dass Filesharing Netzwerke immer wieder dazu genutzt werden, Trojaner, Viren, etc. auf die Computer der Benutzer zu laden, weil sich diese durch das Hoch-und Runterladen der vielen Tauschbörsennutzer so herrlich einfach verbreiten lassen. Ebenso ist es eine Tatsache, dass sich oft hinter Dateinamen ein anderer Inhalt verbirgt als es der Name Glauben macht und statt des erwarteten Kinderfilms Gewaltfilme oder Pornographie heruntergeladen werden.

    Ich betreibe etwa zehn Blogs. Mir wäre nicht bekannt, dass ich in einem davon digitale Inhalte unlizenziert zur Verfügung stelle.

    Das ist löblich. Hier ging es insbesondere um die Verlinkungsproblematik. Die Links in Blogs sind in der Regel nicht rechtmäßig, wenn sie auf urheberrechtlich geschützte Werke bei so genannten Cyberlockers verweisen, was ja in der Broschüre auch ausgeführt wird. Ich gebe aber zu, dass wir hier noch präziser werden formulieren müssen.

    Nein. Die IP-Adresse wird einer Netzwerkkarte zugewiesen, …

    Um den genauen technischen Ablauf geht es hier gar nicht, sondern darum, dass der Anschlussinhaber über die IP-Adresse identifizierbar ist. Sie haben allerdings Recht, wir hätten „über den Provider“ hinzufügen sollen.

    In Deutschland nicht, da Kinder keine solchen Verträge abschließe können. Näheres regelt §110 BGB.

    Ja, das stimmt rein rechtlich, die Realität ist aber eine andere. Das Abofallensytem lebt ja gerade davon, dass die Betroffenen die Gebühr bezahlen, weil der Aufwand viel zu groß ist beim Anbieter das Geld zurückzuholen, das zudem in der Regel automatisch vom Access Provider eingezogen wird. Die nachträgliche Auseinandersetzung mit Access- und Hostprovidern sollte man den Eltern doch ersparen wollen.

    Technische Sicherheitshinweise sollte man nur geben, wenn man sich auskennt.

    Danke für die Hinweise. Wir werden bei der nächsten Auflage den aktuellsten Stand berücksichtigen und ggf. auch das Glossar überarbeiten. Hier ist sicher die Präzision der Bemühung um Einfachheit etwas zum Opfer gefallen. Daraus zu schließen die Autoren hätten keine Ahnung halte ich allerdings für sehr gewagt.

    Haben Sie Erkenntnisse über die Zahl der Blogs, die urheberrechtlich geschützte digitale Werke unlizenziert anbieten? Dies wäre die Grundlage für die Behauptung, es gäbe nur “wenige Fälle”, in denen die digitalen Inhalte legal angeboten werden?

    Statistisches Material dazu haben wir nicht und wie oben erwähnt, sollte hier künftig genauer formuliert werden.

    Können Sie mir eine bekannte Filesharingbörse nennen, über die man versehentlich Zugriff auf kinderpornographische Inhalte bekommen kann?

    Wir suchen sicher nicht nach kinderpornographischem Material im Netz und Sie werden auch Verständnis dafür haben, dass ich hier nicht darauf hinweisen möchte, in welchen Tauschbörsen man Gefahr läuft auf diese zu stoßen. Unser Hinweis in der Broschüre stützt sich auf die Erfahrungen der deutschen Staatsanwaltschaften mit dem Thema.
    Ohne Frage ist ein Leitfaden zu einem so komplexen Thema immer verbesserungsfähig, deshalb danke für Ihre Kritik.

  • enno

    Vielen Dank für die umfangreiche Antwort!

  • Pingback: Wie die Content-Mafia Urheberrecht definiert « Andys Blog()

  • Seit wann kann man in Tauschbörsen urheberechtlich geschützte Werke lizenziert herunterladen??? So genannte freie Werke sind entweder nicht mehr urheberechtlich geschützt (gemeinfrei) oder vom Urheber ausdrücklich zur kostenfreien Verbreitung und Vervielfältigung frei gegeben und damit gibt es deshalb auch kein Problem.

    Es gibt ja noch die „some rights reserved“-Lizenzen, z.B. CC-Lizenzen, bei denen man auf einige, aber eben nicht auf alle Rechte verzichtet. Die verbleibenen Rechte fallen selbstverständlich unter die Urheberrechtsgesetzgebung.

    Wenn ich beispielsweise möchte, dass ein von mir aufgenommenes Album frei verteilt werden darf, ist durch nichts ausgeschlossen, dass ich es selbst in die Tauschbörsen „hineinwerfe“. Wenn ich aber nicht will, dass jemand dasselbe Album auf eine CD presst und für viel Geld verkauft, kann ich es unter eine CC-NC-Lizenz stellen und habe dem Urheberrecht nach alle Möglichkeit, auf dem Rehtsweg gegen den unlizensierten Verkäufer meiner Musik vorzugehen. Je genauer ich – als Urheber – festlege, was ich unter kommerzieller Verwendung verstehe, desto sicherer bin ich dabei.

    Damit wäre die Verteilung in einer Tauschbörse und die Wahrung sowie Durchsetzung der Urheberrechte ohne Weiteres miteinander zu vereinbaren…

  • Jens Best

    Jetzt mal ehrlich, was erwartest du bei einem Blogpost außer einer solch dreist-freundlichen Antwort des Herrn Reuß?

    Die Verteilung dieses Lobby-Pamphletes an öffentlich finanzierten Schulen ist bei den zuständigen Ämtern anzuzeigen. Diese müssen die Verteilung abstellen und verteilte Exemplare wieder einziehen.

    Irgendwelche Pseudo-Schlachten online. Egal, ob hier oder auf Juristen-Blogs verhindert doch nicht die üblichen eingefahrenen Wege der Macht.

  • Tja, Herr Reuß, und wenn in den letzten Jahren nicht dermaßen gelogen und mit Nebelbomben geschmissen worden wäre, möchte man Ihnen das fast glauben, was Sie hier so an Kritikannahmefähigkeit vorführen.

    Aber ich sag mal so: wenn Sie nicht in der Lage sind, hier auch nur ansatzweise genau zu sein, sondern in schönster GVU-Manier die (erstaunlicherweise immer nur in eine Richtung) Pauschalverleumdungsschiene fahren und nebenbei, wie im Kommentar schön nochmals demonstriert, nicht mal den Unterschied zwischen Urheberrecht und Lizenzierungs- bzw. Verbreitungsrechten kennen und von „volljährigen Kindern“ faseln, dann ist die ganze Geschichte allenfalls noch gruseliger. Denn sie zeigt, dass aus den ganzen Bauchlandungen der Internetzausdrucker nichts, aber auch gar nichts gelernt wurde und man es bis heute nicht für nötig hält, ein hingeschludertes Pamphlet auch nur mal zum Korrekturlesen an jemanden zu geben, der sich mit dem Thema auskennt und den Mist stattdessen eben an der Schule abkippt. Wird man zerlegt, ist die Lernbereitschaft offenbar aufs absolut unumgänglich Zuzugebende begrenzt. Wenn Sie Ihren Bildungsauftrag dermassen nach dem Motto „Dann korrigieren wir mal in der nächsten Auflage“ verstehen, dann wundert mich nichts mehr.

  • Pingback: NerdGirl.de » Legal, sicher und fair?()

  • Michael

    Aufschlussreich auch, was im diesem Flyer nicht erwähnt wird, zumindest nicht ausdrücklich: Freier Content und daß es inzwischen jede Menge davon gibt. Wörter wie „Freie Lizenz“, „Commons“, „Gemeinfrei“, „GNU“ usw. kommen schlicht nicht vor. Sämtliche erwähnten Websites sind kommerzielle Angebote.

    Man muß daher klar feststellen, daß der Flyer rein kommerzielle Interessen einer Firmengruppe vertritt. Kurz: Er ist Werbung. Er wäre es auch dann, wenn sämtliche enthaltenen Rechtsauffassungen und sonstigen Infos zweifelsfrei korrekt wären.

    Von weiteren reformbedürftigen Problemen heutigen Urheberrechts, wie z.B. verwaiste Werke (das ist v.a. bei alten Fotografien, welche nicht von bekannten Fotokünstlern sind, fast die Regel), überlangen Schutzfristen oder GEMA-Vermutung ist man da eh Lichtjahre weit weg.

  • Dein Beißreflex ist putzig. Wenn du in einer Gesundheitsbroschüre liest, dass z.B. an U-Bahn-Haltestangen Viren lauern, denkst dann auch „Jahaa! Aber im Internet gibt’s auch Viren, aber das sagt wieder keiner!“

    Da du dich ja im Internet auskennst, bitte ich dich mal um einen educated guess, wieviel Prozent des torrent-Verkehrs urheberrechtlich geschütztes Material ausmacht. Und die gleiche Frage nochmal für Rapidshare. Wie gesagt, es geht mir nicht um eine abgesicherte Zahl, sondern nur um die Einschätzung eines Fachmanns. Danke.

  • Christopher Creutzig

    Sehr geehrter Herr Reuß,

    Seit wann kann man in Tauschbörsen urheberechtlich geschützte Werke lizenziert herunterladen?

    Das ist eine der allerersten Anwendungen, für die beispielsweise P2P-Netzwerke entwickelt wurden: Urhebrrechtlich geschützte Werke, wie beispielsweise Linux-Distributionen, zu verteilen, ohne dabei einzelne zentrale Server zu überlasten.

    Außerdem werden auf den Seiten 10-13 der Childnet-Broschüre die einzelnen Aussagen erläutert und es wird fein zwischen legalen und illegalen Tauschbörsen unterschieden.

    Ich hoffe, sie wollten eigentlich von legaler und illegaler Nutzung von Tauschbörsen schreiben. Natürlich gibt es Tauschbörsen, die überwiegend legal und solche, die überwiegend illegal genutzt werden, aber es wäre mir neu, dass es eine Tauschbörse gäbe, deren Nutzung per se illegal wäre.

    Was die Haftung von Eltern angeht, ist die Rechtsprechung hier uneinheitlich. Durchaus gehen einige Gerichte davon aus, dass Eltern als Anschlussinhaber haften, andere verlangen zumindest die Aufklärung der Kinder durch die Eltern, ansonsten haften die Eltern und wieder andere haben entschieden, dass jedenfalls für volljährige Kinder nicht gehaftet wird.

    Vom unjuristischen Begriff der „volljährigen Kinder“ einmal abgesehen, handelt es sich in diesen Fällen im ersten Bereich um eine Mitstörerhaftung, die nicht an der verwandschaftlichen Beziehung hängt (und an den weiteren Einschränkungen der Mitstörerhaftung hängt), im zweiten Fall wohl um Verletzung der Aufsichtspflicht (ich wäre für Aktenzeichen entsprechender Urteile dankbar), also um eine Haftung für eigenes Handeln bzw. Unterlassen.

    In der Broschüre geht es darum, die Eltern und Lehrer für die Gesamtproblematik zu sensibilisieren und dazu gehören auch Dinge die eine Gefahr darstellen können.

    Ja, aber ausgewogen. Natürlich kann man sich bei irgendwelchen Downloads Viren einfangen. Das ist sogar schon bei Apps aus dem Apple Store passiert, und vor wenigen Jahren musste man genau darauf achten, von welchen Labels man CD kauft, um nicht beim Abspielen seinen Rechner zu infizieren.

    Es wäre interessant, Statistiken zu sehen, auf welchen Wegen die meisten Vireninfektionen zustande kommen. Ich vermute aus der hohlen Hand, dass E-Mail und Webseiten deutlich vor Tauschbörsen liegen.

    In Deutschland nicht, da Kinder keine solchen Verträge abschließe können. Näheres regelt §110 BGB.

    Ja, das stimmt rein rechtlich, die Realität ist aber eine andere. Das Abofallensytem lebt ja gerade davon, dass die Betroffenen die Gebühr bezahlen, weil der Aufwand viel zu groß ist beim Anbieter das Geld zurückzuholen, das zudem in der Regel automatisch vom Access Provider eingezogen wird.

    Reden wir jetzt von Handys or von Tauschbörsen? Welcher Internet-Provider hat denn überhaupt die nötigen Daten, um das Geld einzuziehen, noch dazu in einer Form, die es, anders als beispielsweise eine Lastschrift, nötig macht, das Geld aufwendig bei ihm zurückzuholen?

    Ich glaube eher, das Hauptproblem bei den Abofallen ist die mangelnde Information der Eltern, die an volkstümliche Rechtsirrtümer wie „Eltern haften für ihre Kinder“ glauben und von §110 BGB einfach nichts wissen. Wenn Sie mit ihrer Broschüre aufklären wollen, wäre es daher aus meiner Sicht ausgesprochen naheliegend, wenn Sie schon etwas zu derartigen Angeboten schreiben, auf eben diesem Umstand hinzuweisen: Wenn Minderjährige ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten auf Abofallen hineinfallen, ist es zumindest sehr einfach, aus der zukünftigen Bezahlung herauszukommen; bereits bezahlte Beträge können juristisch, ggf. auch praktisch, zurückgefordert werden, so weit sie nicht unter den Taschengeldparagraphen fallen.

    Das ist löblich. Hier ging es insbesondere um die Verlinkungsproblematik. Die Links in Blogs sind in der Regel nicht rechtmäßig, wenn sie auf urheberrechtlich geschützte Werke bei so genannten Cyberlockers verweisen, was ja in der Broschüre auch ausgeführt wird.

    Ich muss gestehen, dass mir der Begriff der „Cyberlockers“ nichts sagt. Nachdem aber nahezu jeder Blog fast ausschließlich aus urheberrechtlich geschützten Werken besteht, ist es mit Sicherheit nicht so, dass Links in Blogs auf urheberrechtlich geschützte Werke im Regelfall problematisch wären. Im Gegenteil, ganz offenkundig verweist die Mehrzahl derartiger Links absolut unproblematisch auf urheberrechtlich geschützte Werke, die vom Rechteinhaber ganz absichtlich wenigstens vorübergehend in den öffentlichen Zugriff gestellt wurden.

    Wir suchen sicher nicht nach kinderpornographischem Material im Netz und Sie werden auch Verständnis dafür haben, dass ich hier nicht darauf hinweisen möchte, in welchen Tauschbörsen man Gefahr läuft auf diese zu stoßen. Unser Hinweis in der Broschüre stützt sich auf die Erfahrungen der deutschen Staatsanwaltschaften mit dem Thema.

    Bei allem Respekt vor unseren Staatsanwaltschaften muss ich sagen, dass diese Aussage sich schlicht nicht mit dem deckt, was ich selbst beobachte und was ich von vielen anderen Internet-Usern, einschließlich solcher, die wenig Hemmungen vor Urheberrechtsverstößen haben, höre. Das legt aus meiner Sicht nahe, diese Äußerungen vereinzelter(!) Staatsanwaltschaften sehr kritisch zu betrachten; meines Erachtens wäre es angemessen, die Frage aus so einer Broschüre komplett zu streichen. Die einzige Alternative dazu scheint mir zu sein, den Begriff allenfalls einmal am Rande zu erwähnen und in der Formulierung sicher zu stellen, dass nicht der Eindruck entsteht, derartiges Material läge in jeder zweiten Datei herum. Das ist einfach nicht der Fall – und ich erkenne auch kein Motiv dafür, KP in dieser Form zu verbreiten.

  • Deus Figendi

    Fefe verwies auf Telepolis und diese hier her… 😀

    Felix von Leitner wies mich auf einen Flyer hin, der an Schulen verteilt wird und den ich über meine Mitgliedschaft im Börsenverein des deutschen Buchhandels mit finanziere.

    Öööhm kann man diese Mitgliedschaft nicht aufkündigen? Ich kenne mich viel zu wenig aus um die Vor- und Nachteile abzuwägen, aber all diese Vereine, Gesellschaften und Verbände scheinen seit ich weiß nicht, einem Jahrzehnt oder zweien nur noch Mist zu bauen, so dass es mir nicht sinnig erscheint sie vermeidbar zu unterstützen.

    Unvermeidlich unterstütze ich sie sicherlich, indem ich z.B. Datenträger kaufe, die mit einer GEMA- (oder sonstige Verwertungsgesellschaft)-Gebühr belegt sind, aber seit vielen Jahren konsumiere ich eigentlich nur noch freie Inhalte.
    Oh ja richtig, ich lade mir jeden verdammten Tag urheberrechtlich geschützte Werke herunter. Niemals bezahle ich sie, manchmal spende ich.

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  • Kay Tichelmann

    Prima. Schon schön, wenn man diesen Internetkopierern mal technisch vor Augen hält, dass man das Internet nicht ausdrucken kann.

    Zum Flyer selbst : Vielleicht sollte man mal einen Flyer basteln, der den Kindern und Jugendlichen in Zahlen vor Augen haelt, wieviel Geld sie jaehrlich den Verwurstlern und Verwerten in den Allerwertesten stecken, und wieviel Geld trotz „illegaler Downloads ueber Blogs“ selbst ein kleines Sternchen immer noch bekommt. Und das sich der Ferrari des JayZ50cent verschnitts nicht von allein in die Garage stellt.

  • bjoernMaHe

    Der Flyer hat doch noch viel mehr lustige Inhalte:
    Wenn man bei Filesharing-Diensten urheberrechtlich geschützte Werke wie Musik, Filme, Serien und Bücher anbietet, verbreitet oder herunterlädt, verletzt man das Gesetz… (Seite 5)
    Öhm…gibt es denn überhaupt Werke die urherberrechtlich nicht geschützt sind, wenn sie denn eine gewisse (stark variierende) „Schöpfungshöhe“ erreicht haben? Prinzipiell ist doch jedes Werk geschützt, wobei es dem Urheber frei steht, die weitere Verwertung zu regeln, aber deshalb ist er/sie doch weiter Urheber. Entsprechend sind doch auch CC-Lizensierte Werke urheberrechtlich geschützt und können dennoch in Tauschbörsen angeboten werden, ohne das man das Gesetz verletzt. (Wie verletzt man eigentlich Gesetze? Mit Messer ins Buch stechen…?)

    „Nur in wenigen Fällen werden digitale Inhalte legal über Blogs zur Verfügung gestellt.“ (Seite 11) zusammen mit der eigenen(!) Definition gleich zu Beginn des eigenen Heftes: „Digitale Inhalte sind Dateien, die Texte, Filme, Fotos, Software oder Musik enthalten.“ (Seite 4) ist schon sehr seltsam. Aus was bestehen denn Blogs in der Regel? Viel Text, ein paar Bilder und gelegentlich Musik oder Filmchen. Zumindest die meisten dürften diese Verteilung haben, Verschiebungen hier und da inbegriffen.
    Demzufolge wären „nur wenige“ Inhalte in den Blogs legal bzw. klar ausgedrückt: Fast alle Blogs sind mit illegalen Inhalten gefüllt. Wenn nun der Herr Reuß hier selber in einem Blog schreibt und damit einen digitalen Inhalt zur Kenntnis nimmt und gleichzeitig eigenen digitalen Inhalt hinterlegt, hat er genau 2 Möglichkeiten: a) Die Aussage ist völliger Unsinn oder b) Herr Reuß hat sich gerade an einer Straftat beteiligt. Ich würde da nochmal nachfragen, lieber Enno.
    Btw lautet die Argumentation bei Streams ja, dass das Caching dieses Verfahren wohl illegal macht. (Seite 9) Egal ob das jetzt stimmt oder nicht, aber kann man eigentlich herausfinden, ob der Browser eines Surfers Caching benutzt?

    Lediglich bei den Sharehostern zahlt man für den Speicherplatz oder den schnelleren Downloadvorgang, niemals aber für das Werk selbst. (Zitat aus Antwort, Mitte 1. Absatz)
    Hatte nicht Megaupload sogar ein Geschäftsmodell, an dem so einige bekannte Künstler verdient haben? Und an dem sich sogar die Unterhaltungsindustrie beteiligen wollte, weil sie selber keines seit Jahren auf die Reihe bekommen? (Link via Fefe)

    Interessant fand ich auch die Aussage, dass Provider Abofallengebühren direkt einzieht. Wtf? Kennt da jemand einen mit Namen, der das macht? Das muss doch irgendwo ein lokales Unternehmen sein, denn sowas habe ich bisher noch nie gehört. Und bei den Großen wäre das doch sofort öffentlich geworden.

    Das auf Seite 9 im Flyer dann noch darauf hingewiesen wird, dass bei Seiten mit „Pirat“ als Domainbestandteil äußerste Vorsicht geboten ist…Hm.

    Das auf Seite 16 behauptet wird, mit fragfinn.de kann man festlegen, welche Seite die eigenen Kinder besuchen dürfen…ob diese Falschbehauptung den Machern gefallen wird? Ja, es gibt dort eine Suchmaschine mit eingeschränkter Ergebnisliste (whitelist), aber das ist google.de oder im Prinzip auch (per blacklist).

    Geil war dann zum Schluss auch noch der:
    Zahlen haben wir natürlich nicht, behaupten aber einfach mal… Ach ja… Konkrete Quellen? Belege für Thesen/Behauptungen? Seriosität ist schon was schönes, nicht wahr?

    Interessant wäre jetzt wirklich, ob der Flyer bisher schon an Schulen/Lehrer verteilt/verschickt wurde und wenn ja, an welchen. Insbesondere weil die Angaben im Impressum unvollständig sind und damit das Ding vielleicht sogar abmahnfähig ist, aber auf jeden Fall wo bei diesen Informationen „äußerste Vorsicht geboten“ ist, wie der Flyer (vor sich selber?) sehr schön warnt. Da er sich ausdrücklich an „Eltern und Lehrer“ wendet (Deckblatt, Seiten 16+19), wird er bestimmt doch schon mindestens auf dem Weg sein. Da er falsche und unvollständige Angaben enthält, wäre hier ein Eingriff und entsprechende Hinweise mehr als ratsam.

    (die angegebenen Zitate beziehen sich jeweils auf die Seitenzahlen in der Broschüre und wurden rechtschreibkorrigiert…)

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