Die guten Selfpublisher und der böse Buchhandel

lesetipAls Verleger und ex-Pressesprecher der Berliner Piratenpartei habe ich mich im Leben so einigen Diskussionen zum Thema Urheberrecht und Buchhandel gestellt. Und meist habe ich Spaß dran. Ich kenne fast alle Seiten des Business und erkläre gerne den anderen, was sie nicht wissen. Jedoch gibt es auf beiden Seiten Leute, die sich mit Händen und Füßen gegen Fakten wehren und „die Raubkopierer“ oder „Die Content-Mafia“ einfach nur diskreditieren wollen. Das wird erst dann ein Problem, wenn sie eine große Reichweite haben oder diese von anderen erhalten.

Gerade stieß ich auf diesen offenen Brief an den Buchhandel. Ich habe einen Souvenir-Shop mit Büchern, bin Mitglied im Börsenverein und bin Verleger. Darum fühle ich mich angesprochen – und etwas vor den Kopf gestoßen.

Der Buchhandel in Deutschland funktioniert weltweit (fast) einzigartig. Die Branche Regelt sich dabei extrem gut selbst. Die Verlage stellen alle Bücher in das Verzeichnis Lieferbarer Bücher ein. Das geht einfach per Web-Interface. Zwischenhändler (man nennt sie „Barsortimente“, z.B. KNV, Libri) sehen da was neu ist, schätzen den Bedarf und legen sich was auf Lager. Der Buchhandel hat z.B. das KNV System und bestellt darüber ein Buch. Er sieht meist direkt, ob es verfügbar ist oder nicht. Es kommt Nachts per Kiste in den Laden, der Kunde kann es morgens abholen. Am Monatsende erhält die Buchhandlung die Rechnung. Der Verlag stellt seine Rechnung an den Zwischenhändler. Alle sind zufrieden. Es gibt auch immer wieder Fälle, in denen es Länger dauert, aber die Gängigen Titel sind so verfügbar.

Der Offene Brief, welcher auf der Startseite der Piratenpartei beworben ist, liest sich, als sei er Satire. Oder von einem total unwissenden Menschen geschrieben.

Nicht erst in den letz­ten Mo­na­ten wer­den Self­publis­her und ihre Bü­cher im ge­sam­ten Buch­han­del (off­line wie on­line) boy­kot­tiert, ihre Bü­cher nicht auf La­ger ge­legt und auf Le­ser­an­frage noch nicht ein­mal be­stellt, selbst wenn es gän­gige Werke oder gar Best­sel­ler sind.

Mir ist gerade kein Bestseller bekannt, der nicht in einem Verlag liegt. Zum anderen frage ich mich welcher Buchhändler aus Prinzip auf Umsatz verzichtet. Belege für diese steile These fehlen im Text auch völlig. Wir bestellen auf Kundenanfrage alles. Alle anderen Buchhandlungen die ich kenne auch.

selbst wenn man die Kohle für eine ISBN und fürs VLB in­ves­tiert

Den Einschub verstehe ich nicht. Eine ISBN und die Anmeldung im VLB kostet keine 5€ (also außer bei komischen Dienstleistern, aber nicht als Verlag). Aber gut, das kann man auch als „Investment“ werten. Aber halt, es wird Abstruser!

Oben­drein sollte kein Buch­ver­käu­fer seine ei­ge­nen Kun­den falsch in­for­mie­ren oder ihre Ein­käufe da­durch be­hin­dern, dass sie be­haup­ten, die­ses und je­nes Buch gar nicht zu ken­nen

Im Verzeichnis Lieferbarer Bücher sind ca. 1.7 Millionen Titel aus 21.000 Verlagen. Logisch, dass die jeder Buchhändler auswendig können muss – inklusive Verfügbarkeit!

Mal im Ernst, liebe Buch­händ­ler: es gibt ein Le­ben ab­seits der ISBN und auch ab­seits des VLB. Wenn je­mand ein Buch ei­nes Self­publis­hers bei euch kau­fen möchte, dann geht ins In­ter­net (kennt ihr das? Das gibts schon ein paar Jahre), und nutzt die Such­ma­schine eu­rer Wahl, um nach dem Na­men des Au­tors und/oder dem Ti­tel des Bu­ches zu su­chen. Das ist gar nicht so schwer. Und dann wer­det ihr das fin­den. Und dann kann man freund­lich bei dem Indie-Autor oder der Self­publis­he­rin an­fra­gen, ob der oder die euch das Buch schickt.

Die Frage ist: Lohnt das? Buchhandlungen sind Wirtschaftsunternehmen, die kaum noch was verdienen. Wenn man ein Buch für 10€ Brutto bestellt verdient man 3-4€ netto. Dann muss man an der Kasse frei verfügbares Internet haben und nicht nur die Bestellmasken für den Buchhandel. Man muss einen Zahlungsweg ausmachen und sich über das Porto einig werden. Verlage übernehmen das an sich immer. Aber der Selfpublisher? Oder von den 3-4€ noch abziehen? Während die Rechnung des Zwischenhändlers viele Bücher beinhaltet muss diese einzelne Rechnung von der Buchhaltung erfasst werden. Klingt trivial, aber wir reden von 3-4€ die Kosteneffizient genutzt werden müssen.

Die Lösung ist einfach: Der Buchhändler soll das ganze mache ohne etwas daran zu verdienen – aus Solidarität.

Dann bräuchte es noch eine un­ab­hän­gige Online-Plattform für Self­publis­her mit ähn­li­che gu­ten Kon­di­tio­nen wie Ama­zon und ohne die Ab­zo­cke der Ver­lags­an­ge­bote.

Ich finde es ja immer schön als Verleger pauschal als Abzocker bezeichnet zu werden. Die hier angesprochene Unabhängige Plattform wäre in Deutschland auch nciht verboten. Warum macht der Autor des Briefes sie nicht einfach auf?

Unterm Strich ist es ein plumpes gehetzte gegen „Die Verlage“ und „Die Buchhändler“ von einer Person, die scheinbar keine Ahnung von der gesamte Branche hat. Oder es war eben doch Satire.

 

 

 

 

  • T.Schließer

    Nabend Herr Lenze!

    Den Verfasser dieses offenen Briefes als “ total unwissenden Menschen“
    und “ Person, die scheinbar keine Ahnung von der gesamte Branche hat“ zu
    bezeichnen, zeigt, wie intensiv sie sich wirklich mit dem Brief, seinem
    Verfasser, auf dessen Seite sie rein zufällig verlinken, und der
    Problematik die er anspricht, auseinandergesetzt haben. Hut ab!

  • -thh

    Um offenkundigen Unsinn^W^Wvöllige Weltfremdheit als solche zu erkennen, bedarf es jedenfalls in diesem Fall wahrlich keiner intensiven Auseinandersetzung.

    (Nur für den Fall, der Autor meine, was er schreibt. Möglicherweise soll es sich ja auch – wie hier ebenfalls bereits vermutet – um Satire handeln. Aber: nichts ist unmöglich.)

  • hans@web.de

    enno hat dir jemand mal gesagt das du sehr eingebildet bist und scheiße aussiehst halt dich mal ein wenig zurück du besser wisser

    • Christian P. Achter

      Korrekte Zeichensetzung ist ja auch eher Glückssache und ein Ding der Besserwisser.