Die Klassenfahrt nach New York

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Die berliner Klassenfahrt nach New York geht weiter durch die Medien. nun wird geprüft, ob sie zulässig war. Und der Punkt wundert mich sehr. Der Lehrer bzw. die Schule hat es beantragt, es wurde geprüft, bewilligt und ausgezahlt. Die Kosten wurden durch (glaubwürdige) Belege belegt, es gibt keine Anzeichen auf Korruption oder Vetternwirtschaft. Was soll daran verboten sein!?

Mich hatte die Headline zunächst auch stutzig gemacht. Ich habe mir das Verfahren daraufhin genauer angesehen. An sich doch ein gutes Programm: Wer sich die Fahrt nicht leisten kann, der bekommt sie bezahlt – also theoretisch. In der Praxis kommen dann aber die Menschen, die etwas zu viel Geld haben, aber sich so eine teure Fahrt eigentlich nicht leisten können. Den Kindern dort sei es gegönnt, dass sie mal die Welt sehen durften. Für mich ist der Punkt eher: Ist es fair, wenn fast alle anderen keine auch nur ähnlichen Fahrten unternehmen können?

Natürlich ist Bildung für jeden einzelnen wichtig und natürlich fehlt es im Bildungsbereich an allen Ecke und Enden – sind ja keine maroden Banken, die immer gerettet werden. Aber So eine Ungleichverteilung der Mittel erzeugt natürlich Unmut bei vielen anderen. Die entscheidende Frage ist doch aber eigentlich: Was hat es gebracht? Und die wurde bisher scheinbar nicht gestellt. Wurde die Klassenfahrt gut Vor- und Nachbereitet? Hat sich etwas an der „antiamerikanischen“ Einstellung der Schüler geändert bzw. ist diese nun fundierter begründet? Man muss nicht jedes System mögen, aber man sollte seine Kritik klar artikulieren können. Und wenn es ein Erfolg war: Wie kann man dafür sorgen, dass bei so einem Trip mehr bei den Schülern hängen bleibt?

Zu meiner Schulzeit war es so, dass ich eher wenig Bildung von den Klassenfahrten mitbekommen habe. Ich weiß wo in Wien der Club „Flex“ war und ich habe das Hundertwasserhaus gesehen. Mehr Erinnerungen habe ich nicht. Vielleicht einfach weniger Klassenfahrten, die aber zielgerichteter, individueller auf die Klasse zugeschnitten und mit mehr Förderung, damit man auch mal etwas weiter weg kann? Dann braucht man natürlich auch Lehrer, die sich die Planung, Durchführung, Vor- und Nachbereitung antun, aber das ist eine andere Geschichte.

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  • Daggis Welt

    Mich hat am meisten überrascht, dass als das Bildungspaket von Frau von der Layen gepackt wurde, kein Politiker auf die Idee kam, dass es in Brennpunkt-Schulen durchaus vorkommen kann, dass alle oder zumindest die meisten Schüler einer Klasse Leistungen beziehen und die Beträge darum nicht gedeckelt waren.

    Mich stört eher die Selbstverständlichkeit, mit der Schulen und Lehrer heute Ausflüge und Freizeiten planen, natürlich möchte ich nicht, dass meine Kinder zum Aussenseiter werden und rechne dann eben hin und her, um es auch bezahlen zu können. Natürlich würde der Förderverein unterstützen, wo das notwendig sei, hieß es, schon versuchte ich, mir vorzustellen, wie es wäre, einem Fremden gegenüber einzugestehen, dass man diese Hilfe in Anspruch nehmen möchte. Bis zum Nachsatz: Aber es müsste ja jedem möglich sein, monatlich etwas auf die Seite zu legen, so dass das nicht notwendig sein wird, die Eltern wären ja nun früh genug informiert.

    Da kann ich doch dann glatt vollstes Verständnis dafür aufbringen, dass Eltern keine Skrupel haben, die Kinder für über 30.000 EUR in die USA fliegen zu lassen. Leisten könnte ich mir das nämlich auch nicht.

    LG
    Daggi