Die UN, Privatarmeen und russische Piloten

Wenn man an die UN Soldaten denkt, dann denken viele Leute an eine Armee wie die Bundeswehr, die halt eingesetzt wird. Manchmal sind eben mehrere Nationen dran beteiligt. An sich ist es eher wie eine Ausschreibung für eine Baufirma: Die UN macht eine Ausschreibung für Truppen, die in einer bestimmten Zeit bestimmte Aufgaben übernehmen. Dafür gibt es einen bestimmten Betrag, mit dem man den Einsatz bestreiten muss. Deutsche Soldaten im Ausland sind immer problematisch. Man kann sich kaum vorstellen, jetzt Truppen im Kongo und den umliegenden Ländern zu haben, es gäbe dauernd Tote und man müsste es der Öffentlichkeit erklären. Durch die UN wahrt man den Schein, es ginge um eine gute Sache und alle haben sich gekümmert. Die reichen Länder kaufen sich frei, die armen liefern Kanonenfutter und verdienen dran.

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Meist kommen die Kontingente aus armen Ländern wie Pakistan oder Bangladesch. Die Soldaten können im Vergleich zum normalen Sold sehr gut verdienen (oft das 10- bis 50-fache) und machen die Einsätze daher gerne. Doch das große Geld bleibt bei ihrer Regierung hängen. Für ein Bataillon wird bis zu einer Milliarde US$/Monat bezahlt. So kommen bei einem Einsatz schnell zweistellige Milliardenbeträge zusammen.

Man hat also dem Geld loyale Truppen, die vom der UN in die Gebiete geschickt werden, in die vorher Waffen der Ständigen Mitglieder des UN Sicherheitsrats geliefert wurden, um dort nun Frieden zu stiften.

Die Truppen haben vor Ort eine de-facto Immunität. Es kommt regelmäßig zu Vergewaltigungen oder Todesfällen im Umkreis der Schutztruppen. Aufgeklärt wird davon selten etwas. Vor kurzem brachte die ARD eine sehr gute Doku über die vielen Kinder mit hellerer Haut rund um die afrikanischen UN Missionen. Frauen schilderten, wie sie mit Essen zu Soldaten gelockt und dann vergewaltigt wurden. Aber es sind die Frauen, für die sich auf der Welt niemand interessiert.

Doch was macht man, wenn man keine Armee schicken kann oder möchte? Es gibt (seit den 90er Jahren wieder wachsend) große Privat-Armeen (auch als Private Military Companies oder PMCs bekannt). Diese können sich immer wieder um solche Aufträge bewerben. Die Mitarbeiter erhalten nicht selten Immunität während des Einsatzes, stehen aber nicht unter der Kontrolle der Politik. Traurige Berühmtheit hat die (inzwischen in Teilen mehrfach umbenannte) amerikanische Firma „BlackWater“. Diese war mehrfach in tödliche Zwischenfälle verwickelt. Die Politik hatte dabei die weiße Weste an. Ihre Truppen hatten es ja nicht zu verantworten.
Auf dem Boden findet man fast ausschließlich amerikanische PMCs. Die USA haben mehrfach wirtschaftlich und politisch Druck auf Länder ausgeübt, die auch den PMCs anderen Nationen den Einsatz in ihrem Land erlaubten.

In der Luft sieht man hingegen oft russische Flugzeuge und Piloten. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks waren viele hochqualifizierte Soldaten auf einmal arbeitslos. Und die Besitzverhältnisse der Fluggeräte nicht immer eindeutig. So findet man in Zentralafrika immer wieder Mi-24 Kampfhubschrauber oder verschiedene Generationen von MiG Kampfjets, die in den 90ern den Weg dorthin fanden.
Auch findet man russische Frachtflugunternehmen überall in Afrika. Die großen Antonovs sind begehrt. Die UN lässt ihre Truppen (auch deutsche und niederländische) damit versorgen. Rebellen und Diktatoren werden mit solchen Maschinen mit Waffen versorgt. Im Luftraum über Kongo und den Nachbarländern kann man inzwischen statt englisch oft auch problemlos russisch sprechen.

Aus den weniger umkämpften Gebieten des Kongo bekam ich vor wenigen Tagen die aktuellen Kosten pro Nacht für verschiedene Dienstleistungen: Einen Wachmann bekommt man ab 1 US$, einen Wachmann mit Schußwaffe für etwa 5 US$ und eine Prostituierte für 10 US$.

Wir haben also eine Welt, die (wenig überraschend) vom Geld regiert wird und in der man versucht, die Kriege, mit denen man seinen Wohlstand sichert, irgendwie zu begründen. Da die meisten Leute davon keine Ahnung haben, funktioniert es auch gut. Ich hoffe, dass wir diesen Trend irgendwann einmal ändern können.

Und wer noch nicht genug hat, kann ja mal bei Google nach „ECOMOG“ und „Diamanten“ suchen 🙂