Die Verlage und die Schulen

Aktuell liest man, dass die Kultusministerien und „die Verlage“ eine Einigung erzielt haben. Schulen dürfen bis 10% des Inhaltes aus Büchern kopieren, dafür erhalten „die Verlage“ Geld. Mehr als bisher und mehr als ihnen zu steht, wie immer wieder Leute meinen. Wenn ich gefragt werde wie viel ich erhalte kann ich nur sagen: gar nichts. Denn ich bin nicht Teil dieser Einigung. Sie betrifft nicht „die Verlage“ sondern „einige Verlage, deren Vertretungen dort für sie verhandelt haben“. Aber warum ist das so? Dazu muss ich einen Absatz ausholen:

Damit jemand für meinen Verlag eine Einigung erzielen kann, muss ich ihm erst mal das Recht gegeben haben, für mich zu handeln. Dazu muss ich Mitglied der Interessenvertretung werden. Es gibt die Zwangsmitgliedschaft in der IHK. Da diese aber noch nie meine Interessen vertreten haben und die mir auf nicht mal 10% meiner Anfragen antworten, habe ich keine Sorge, dass sie mal aktiv werden. Freiwillig bin ich im Börsenverein des deutschen Buchhandels. Dieser könnte also in gewissem Maße für mich verhandeln. Wenn mir die Verhandlungen aber nicht gefallen, kann ich auch austreten.

In der aktuellen Einigung haben sich die Kultusministerien (welche für die Schulen sprechen können) mit einigen Intressenvertretungen von Urhebern und wenigen Verlagen geeinigt, dass 10% des Inhaltes der Bücher für den Unterricht (auch digital) kopiert werden dürfen. Beteiligt waren der Verband Bildungsmedien (welcher knapp 100 Verlage vertritt), die VG Wort (Autoren und Verlage können sich, nachdem sie drei Jahre urheberrechtlich geschütze Werke erstellt haben, um Aufnahme bewerben), die VG Bild-Kunst (Künstler, Fotografen und Filmurheber) sowie der VG Musikedition (Komponisten, Texter und Verlage). Da es in Deutschland mehrere tausend Verlage gibt dürften diese Verbände nur einen kleineren Teil vertreten. Die größte Interessenvertretung der Verlage ist der Börsenverein des deutschen Buchhandels, dieser war jedoch nicht beteiligt.

In der Praxis hat ein Lehrer folgendes Problem: Bevor er aus einem Buch kopiert muss er nachsehen, von welchem Verlag das Buch ist. Dann muss er prüfen, welcher Interessenvertretung der Verlag angehört und ob diese an der Einigung beteiligt war. Das ganze ist eher unpraktisch. Richtig schlimm wird es, wenn es den Verlag gar nicht mehr gibt. Hier müsste man ermitteln, wer der Rechtenachfolger ist. Bis dahin haben die Schüler ihr Abitur.

Daher bin ich der Meinung, dass solche Verhandlungen und die Titel „Verlage und Kultusministerien einigen sich“ für den normalen Menschen irreführend sind. Wir brauchen eine klare rechtliche Regelung für die Schulen.

Sollten Lehrer aus meinen Büchern für den Unterricht kopieren, so stört es mich als Verleger nicht. Jedoch weiß ich nicht, wie es die Urheber sehen deren Texte und Bilder ich lizenziert habe. Schreibt ein Autor nur Schulbücher, so hilft ihm eine Regelung, bei der Schulen die Werke kostenlos nutzen können, auch nicht. Eine Lösung könnte sein, Schulbücher von staatlicher Seite bezahlen zu lassen. Die Urheber werden fair vergütet, die Schulen dürfen das Ergebnis nach Belieben nutzen. Außen vor bleiben in dem Fall jedoch die Schulbuchverlage.

Wie so oft ist dieses Thema im Detail nicht ganz einfach. Erst recht nicht so einfach, wie einige Headlines es derzeit suggerieren.