Diskriminierung ist, was man draus macht

Brötchendiskriminierung

Brötchendiskriminierung

Ich weiß, was es bedeuted diskriminiert zu werden. Ich bin als Weißer in Ruanda aufgewachsen und war einfach immer „anders“. Ich erinnere mich auch daran, dass man als „Weißer“ auf dem Markt mehr bezahlen musste als als Einheimischer. In der Schule war ich der, der im Busch ohne Zivilisation bei den Menschenfressern aufgewachsen war. Den sozialen Status konnte man an meiner Kleidung sehen. In einer kinderreichen geschiedenen Familie, die von Sozialhilfe in einem sozialen Brennpunkt (Hustadt, Bochum) lebt, hat man wenige Vorteile im Leben. Später wurde ich immer wieder für schwul gehalten, weil ich gerne Röcke und Plateaustiefel trug und mir die Fingernägel lackieren ließ. „Schwul“ ist dabei natürlich etwas ekelhaftes, negatives, perverses.

Ich kenne also die Diskriminierung, die man hinnehmen soll, weil man sich ja nur anstellt. Und auch heute begegnet sie mir immer wieder, wenn auch auf anderen Ebenen. In meiner Partei, den Piraten, werde ich aufgrund meines Jobs oft als Mitglied der organisierten Kriminalität betitelt, denn als Verleger gehöre ich zur „Contentmafia“. Ich werde also auf eine Stufe mit Menschenhändlern, Zwangsprostitution und Waffenhandel gestellt. Wenn ich mich beschwere, heißt es: „Ach, stell dich nicht so an, das sagt man halt so“. Ich weiß nicht, wo man das „so sagt“, ich finde das sehr diskriminierend.
Und ich kenne auch die nicht böse gemeinte Diskriminierung. Wenn ich auf dem Christopher Street Day für meine Heterosexualität bemitleidet werde, wenn man sich über mein Betriebssystem oder meinen Handyhersteller lustig macht. Und das finde ich (meistens zumindest) gut. Ich mag Humor und ich mag Sarkasmus. Beim Rettungsdienst war es das, was die Leute vom Wahnsinn abgehalten hat. Wenn jemand die Linie überschreitet und mich ernsthaft diskriminiert, obwohl er mich nur necken wollte, dann sage ich das. Aber ohne ausfallend zu werden, das kann mal passieren. Mir ja auch.

Nun zur Diskussion um den 29. Chaos Communication Congress. Ein Thema bestimmte den diesjährigen Congress wie kein anderes: ein Kartensystem in Ampelfarben und die Leute, die es mitbrachten. Jeder sollte eine rote, gelbe und grüne Karte erhalten. Diese konnte man anderen geben, um ihnen mitzuteilen, dass man ihre Haltung mag oder sich von ihr diskriminiert fühlt. Das System stammt von der US Hackerkonferenz Defcon und nennt sich „creeper card“.

Ich komme seit 1997 zum Con­gress und sehe selten Vor­träge, lese kein Pro­gramm, gucke mir nicht im Detail an, welche Gruppen dort sind. Ich möchte Leute tref­fen und Spaß haben. Und ich mag den sar­kas­ti­schen Umgang mit­ein­an­der. Viele Leute dort sind klassische Dis­krimi­nier­bare: Dick, komisch, nicht der Norm ent­spre­chend, homosexuell usw. Irgend­wie die, die in der Schule Außen­sei­ter waren oder zumin­dest gewe­sen sein könn­ten. Diese machen sich oft (zumin­dest in mei­ner Peer­group dort) über ein­an­der lus­tig. Das mag ich. Andere könn­ten solche Äußerungen als Dis­kri­mi­nie­rung auffassen. Nun ist die Frage: Unterhält sich jeder par­al­lel, wie er mag, oder ver­sucht einer, dem ande­ren sein Kommunikations­sys­tem (oder wie man es nen­nen mag, man möge die­ses Wort aus Erman­ge­lung eines bes­se­ren nicht auf die Gold­waage legen) auf­zu­drü­cken. Dem etablierten, vor­herr­schenden, sarkastischen Sys­tem ist man zwangs­läu­fig ausgesetzt, wenn man dort ist.

Nun kamen Leute dazu, die sagen „hey, das passt uns nicht“ – was ja auch ok ist, was aber in den Details zu Reibungen führte. Vor allem stört mich die schlechte Kommunikation um die Karten. Es gab wohl z.B. ein „Policytreffen“, an dem allerdings nur wenige Leute teilnahmen, was oft kritisiert wurde. Von diesem Policytreffen las ich heute das erste Mal und weiß auch nicht wirklich, worum es da ging. Auch wenn ich davon gewusst hätte, wäre ich kaum hingegan­gen. Warum auch? Ich will dort Freunde tref­fen und Spaß haben. Wer zum Congress gehen will, um Policytref­fen zu machen, kann das ja auch gerne. Aber ich sehe mich nicht in der Pflicht, dem nachzukom­men. Genau so wenig wie man dort zum Löt-Grundkurs muss oder einen Cock­tail trinken.

Den Creeper Cards selber stehe ich recht neu­tral gegen­über: Wer meint, sie benut­zen zu wol­len, kann das ja gerne tun – und wer das nicht will, lässt es halt. Ich habe sie kennengelernt, weil Leute im Kreis stan­den und sich einen Spaß daraus machten, sich reihum wegen irgendwelcher Sprüche Karten gaben, deren Sinn in gewohnt sarkastischer Manier völlig zu verdrehen oder sich über angeb­li­che Dis­kri­mi­nie­rung oder Anti-Diskriminierung lus­tig machten. Das war etwa 99% der Reak­tio­nen, die ich auf die Kar­ten mitbekam, zusammen mit einer zunehmenden Genervtheit. Eine Diskussion ist also durchaus angeregt worden, wenn auch bei weitem nicht auf dem gewünschten Level.

Auf die Frage, was die Kar­ten denn sol­len, wusste nie­mand so rich­tig eine Antwort. Anruf beim Awareness-Team (bei dem mn sich im Falle von Diskriminierung melden sollte) und beim Info­desk brach­ten Ant­wor­ten wie „Hat jemand mit­ge­bracht, keine Ahnung“. Bei der Flau­sche­ria (einer Gruppe, die vor Ort ein paar Tische hatte und wohl im Verbindung mit den Karten stand) sagte man mir, es ginge um Sexis­mus, sei ja aber hin­läng­lich bekannt und solle ich im Wiki lesen oder die Leute fra­gen, die das genauer machen. Wer diese Leute (also im Sinne von natür­li­chen Per­so­nen) waren, konnte man mir dort auch nicht sagen. Also war es mir dann auch rela­tiv egal. Es gibt rund 50 Projekte auf dem Congress; wer keine Informationen zu seinem aushängen oder liegen hat, wird halt nicht weiter beachtet. Aber ich denke man ist als Mit­brin­ger in der Bring­schuld, so etwas sinn­voll ein­zu­füh­ren. Auch war auf den Kar­ten kei­ner­lei Hinweis, mit wem man dar­über reden soll, wenn man Fra­gen hat.

Am Ende geht es ja aber eigent­lich um die Diskriminierten. Wer fühlt sich warum dis­kri­mi­niert und was kön­nen wir dage­gen tun? Dass diese Frage immer und immer wie­der behan­delt wer­den muss, ist aber auch jedem klar, denke ich. Auch in mei­ner wei­ten Peer­group gab es auf dem Con­gress (auch in den letz­ten 15 Jah­ren) keine Zwei­fel daran. Also wollte ich wis­sen, was für Fälle da kon­kret auflau­fen. Geht es vor­nehm­lich um Sexis­mus, um Fem­den­feind­lich­keit, um Spra­che oder Hand­lun­gen? Wie soll ich mitbekom­men, ob ich jeman­den ver­se­hent­lich dis­kri­mi­niere, wenn ich die Fälle, um die es geht, nicht kenne? Mit Twena von den Haeck­sen (vereinfacht gesagt der „Frauengruppe“ innerhalb des CCC) habe ich schon vor 2000 wilde Diskussionen geführt. Aber wir führ­ten sie live und lange, und am Ende habe ich ver­stan­den, was sie will. Es tut mir im Nachhinein immer noch leid, dass ich sie Rich­tung Wahn­sinn trieb, aber es hat auch mir viel gebracht.

Auf diesem Con­gress und auch danach konnte mir nie­mand einen ein­zi­gen konkreten Fall nen­nen – abgesehen von den Karten, die beim Hacker Jeopardy gegeben wurden. Ich gehe nicht davon aus, dass es kei­nen gab, da ja min­des­tens zwei Leute vom Con­gress flo­gen. Aber warum genau? Und was waren die Fälle, für die man (ernst­haft) eine Karte bekam? Ich bekam Ant­wor­ten wie „Das weiß ja wohl jeder“ oder ich solle man nach Defcon11 goog­len. Die Def­con-Fälle kenne ich, aber ich fragte ja nach dem 29C3. Wenn es ein so wichtiges Thema ist, warum gibt es dann keinen Link, den man den Fragenden zuwerfen kann?

Zum ande­ren habe ich keine Ahnung, wer mir die Karte aus Spaß gab und wer, weil er/sie sich dis­kri­mi­niert fühlte. Ich hatte am Ende fast 40 Kar­ten mit unter­schied­li­chen Far­ben. Eine rote, weil ich aufgrund einer Verletzung humpele und somit zu langsam lief. Ich vermute, die war nicht ernst gemeint.

Wenn nun aber so viele Leute ein neues Sys­tem nicht anneh­men, dann kann man ent­we­der dar­auf schimp­fen, wie doof die alle sind, oder man kann sich über­le­gen, ob bei der Ein­füh­rung des Sys­tems Feh­ler gemacht wur­den. Die Leute, die ich im Congress-Umfeld kenne, sind weder doof noch dis­kri­mi­nie­ren sie absicht­lich. Sie sind eher sehr freund­lich, aber haben oft den eingangs beschrie­be­nen komi­schen Humor, der bei Neu­li­ngen nicht immer so ankommt.

Was mich mas­siv ärgert ist, dass ein­zelne den Ein­druck entstehen las­sen, eine Frau könne sich kaum auf den Con­gress trauen. Ich kenne hau­fen­weise Frauen da (nicht zuletzt meine Freundin, diverse Engel und Erz­en­gel sowie Mitglieder der Pro­jekt­lei­tung), die sich ziem­lich vor­ge­führt vorkom­men. Sie stellen dort ehren­amt­lich ein tol­les Event auf die Beine und bekommen dann gesagt: „Aber als Frau kann man da nicht hin!“. Das ist ein­fach falsch. Jede Frau kann dort sicher hin. Die Frage ist, ob man mit den Leu­ten vor Ort klar kommt und ob man das Event mag. Und das ist eine ganz gene­relle Frage, unabhängig von diesem Event und von dem eigenen Geschlecht. Ich gehe auch auf viele Events nicht, weil mir die Leute vor Ort nicht gefal­len oder weil sie mei­nen Berufs­stand diskriminieren oder weil ich die Location nicht mag. Den­noch würde ich da nie­man­dem unter­stel­len, dass die Leute mich aktiv ausgrenzen oder es unsi­cher für mich ist. Es gibt bei 6 Mil­li­ar­den Men­schen auf der Welt ein­fach viele unter­schied­li­che Men­schen und Interessen, und das kann man nicht immer nivellieren.

Ich kann wie immer nur raten, sich von allem selber ein Bild zu machen – aber bitte aus Primärquellen. Geschichte wird vom Sieger geschrieben und auch dieser Blogpost ist subjektiv. Kommt zum Congress oder im Sommer zum OHM 2013 Camp, guckt euch die Leute an und macht euch selber eine Meinung.

Update:
Da mir nun gesagt wurde, dass aus diesem Blogpost nicht hervor geht ob ich für oder gegen Diskriminierung bin: Ich bin gegen Diskriminierung jeglicher Form.

  • Pingback: Update on Creeper Cards | Icke, Neuberlinerin()

  • http://twitter.com/kju kju

    Ich habe mir die letzten Tage Gedanken über die Sache gemacht und bin zu ähnlichen Anmerkungen und Fragen wie Du gekommen. Ich will nicht behaupten, daß es nicht auch im Congressumfeld möglicherweise zu inakzeptablen Verhalten kommt. Man hat ja offenbar auch eine Person aus solchen Gründen des Gebäudes verwiesen.

    Aber die Kartennummer hat nur dazu geführt daß heftig das Für und Wieder diskutiert wurde, aber die Frage “Wie groß ist das Problem?” völlig außen vorgelassen wurde. Ich glaube ebenso wie Du daß es kein grundsätzliches oder auch nur über Marginalitäten hinausgehendes Problem gibt, aber so genau weiß ich es halt auch nicht.

    Gleichzeitig vermitteln diese Karten aber ein fatales Bild. Ich glaube wir sollten dankbar sein, daß das ganze zur Lachnummer verkommen ist. Andernfalls wäre der Eindruck entstanden, daß es ein derart großes Problem gibt, daß solche Karten wirklich notwendig wären. Und das würde nur Besucherinnen abschrecken, obwohl es dafür m.E. keinen Grund gibt.

    Dazu kommt daß die Karten meines Erachtens schlicht mißbraucht wurden. Denn soweit ich das verstehe geht es dabei darum, daß eben “Übergriffe” abgestraft werden sollen. Stattdessen wurden die Karten aber gerade beim Hacker Jeopardy nur dazu genutzt, um Vorstellungen politischer Korrektheit zu behandeln. Selbst wenn man die Äußerungen von Ray (interessanterweise bekommt aber Sec die ganzen Beschimpfungen ab) als anstößig sehen mag, sind sie trotzdem kein Übergriff, keine sexuelle Belästigung oder ähnliches. Dafür eine Karte zu geben scheint mir dem Konzept zu widersprechen.

    Und dann noch dies: Der Text der roten Karte ist völlig inakzepabel. Wie gestört man sein muß um “Übergriffe” damit zu beantworten, daß der Empfänger der Karte froh sein solle, nicht selber Opfer eines Übergriffes (Schlag in die Fresse) geworden zu sein, kann ich mir gar nicht ausmalen.

    Schlußendlich wurde mir auch noch zugetragen, daß eine der Macherinnen der Karten dieses Mal zum allerersten Mal beim Congress war, und auch sonst nur auf zwei Veranstaltungen. Ich möchte eigentlich hoffen, daß das nicht stimmt. Ich hätte doch erwartet daß man erst einmal den Congress kennenlernt, bevor man glaubt da etwas unternehmen zu müssen.

    Wir sollten wirklich mal nachhalten, ob es ein Problem gibt und wenn ja, wie groß dies ist. Dabei helfen uns aber keine Karten.

    • informer

      ich glaube schon, dass die karten ein (von n) gutes hilfsmittel sein _können_. nicht jede.* kann sich verbal gut ausdrücken, nicht jede.* mag bzw. kann in einer unangenehmen situation noch diskutieren.
      dazu müssen die karten aber selbsterklärend sein, bzw. es sollte im vorfeld allen anwesenden bekannt sein, was die karten bedeuten und welche konsequenzen sie haben….
      sicherlich nicht hilfreich ist es, wenn die initiatoren selbst (zumindest habe ich es so verstanden) inflationär mit den karten umgehen, und bei relativ harmlose sprüchen direkt mit dem äquivalent eines schlags ins gesicht antworten.
      denn meiner meinung nach waren rays sprüche nun wirklich nicht geeignet, so einen aufstand zu zelebrieren.
      ich habe keine anzüglichen bemerkungen gehört, keine objektifizierung, keine diskriminierung…nur (zu?) häufige anspielung auf quotenregelungen…

      afaik stammen die karten ursprünglich aus den usa und wurden von einer person mit mindestens defcon erfahrung erstellt… diejenigen, die die karten nun auf den c3 gebracht haben, sind aber andere – könnten also erstbesucher sein

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  • André

    Also, wenn ich das richtig verstehe, musst du froh sein, dass man dich für dein Humpeln nicht gleich geschlagen hat. Sweet.

    • Simon

      Ich glaube nicht, dass du das richtig verstanden hast.

      • Jemand

        Och, diese Aussage kam des öfteren: “Sei froh das du eine Rote Karte bekommen hast und keine auf die Fresse.”

        Insofern hat Andre das schon richtig verstanden.

  • cheeseman

    ist halt irgendwie immer die selber Leier, leider.

    Aber kurz was zum Kernpunkt deines Textes: Wer nicht Teil der Hackerkultur sein will, soll draußen bleiben. So wars doch, oder? Und was diese Kultur ist, bestimmen jene, die am längsten dabei und in der (informellen) Hierarchie weit oben sind vermutlich, richtig? Zum festhalten: Sind in diesem Falle halt 90% weiße Männer.
    Hacker möchten aber trotzdem gerne anderen Sagen, was sie zu tun haben und gesellschaftlich Gestalten und Verantwortung übernehmen. Vornehmlich Staat, also gleich der gesamten Gesellschaft, richtig? Nur so um mal die Rahmenbedingungen klar zu stellen.

    Viel Spass dabei, ich will das nämlich nicht. Ich häng lieber mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen (Geschlecht, Kultur, ) ab, da halte ich besser die Balance und konstruier mir nicht so schnell mini-Wirklichkeiten. Finds auch super, wenn Leute mal aus der Flausch-Zone raus kommen und klar oder vielleicht sogar emotional oder noch schlimmer gar überemotional reagieren um ihrer Wahrnehmung Luft zu geben, solange ich das Belangen unterstütze natürlich, was ich im Fall Sexismus gern tue. Sowas ordne ich unter “sein Leben selber in die Hand nehmen” und die “Gesellschaft mitgestalten” ein.

    Zum Sexismus unter Nerds kurz meine Sicht: Auf der einen Seite will man die Reproduktion von Diskriminierung über Sprache, die strukturell tief verankerten Menschenbilder, die Komplexität von gesellschaftlichen Prozessen und die etwas schwierigen Rahmenbedingungen für Frauen als Minderheit nicht wirklich verstehen. Auf der anderen sind mMn Nerds die Letzten die einem anderen Menschen irgendwas schlechtes antun wollen – was aber nicht bedeutet, dass sie es nicht tun, wodurch sie sich schnell zu unrecht gemaßregelt fühlen. Sex an sich ist für Nerds oftmals ein wunder Punkt, wenn dann noch andere mit ihren Problemen kommen…

    Und zum Schluss: Vieles an der Hacker Kultur find ich super und sollte erhalten bleiben, aber halt auch nicht alles.

    • Fnurd

      Ja, man stelle sich vor, die Akteure einer Kultur bestimmen diese und reagieren teils unleidlich, wenn ihnen (vorzugweise gar von Leuten, die nicht einmal anwesend sind) von einer sehr überschaubaren Gruppe mit nicht konsensbasierten Mitteln ein Selbstbild aufgezwängt werden soll, das allein diese kleine Gruppe lautstark propagiert. Die es als völlig legitim ansieht, ganze “communities” in Sippenhaft für Entgleisungen Einzelner zu nehmen. Wo bildliche Darstellungen auch gerne mal als Vergewaltigung gehandelt werden.

      Aus dem demografischen Schnitt in Europa (es sind bestimmt sogar mehr als 90% “Weisse”) einen Vorwurf zu konstruieren, führt übrigens auch oft zu gewissen Unverständnissen.

    • Jemand TM

      Wo wäre denn das Problem, wenn ihnen DIESE Veranstaltung nicht gefällt, eine eigene durchzuführen oder auf eine andere zu gehen? Wer allerdings versucht, eine bestehende Veranstaltung zu crashen und dabei unfähig ist, das eigene Anliegen wenigstens zu erläutern, der/die braucht sich auch nicht über fehlende Akzeptanz wundern… Auch die Bühne zu stürmen und den Moderator erst mal vorführen wollen, wieder keine ausführliche Erklärung zu liefern und sich dann wundern wenn dieser sich wehrt, ist auch eher suboptimal.

      Ich geh ja auch nicht mit Wurststulle zum Vegetarierkongress ohne Erklärung und ärger mich nachher über die Reaktionen…

      Wobei zum xxC3 nicht mal “Gegner” der “Neubesucher” gehen, sondern einfach nur eine “andere” Gruppe von Menschen.

      BTW: Habt ihr mal versucht, einfach mit den Menschen zu reden um etwas zu verändern? Diese Gesellschaft, die da verändert werden soll, besteht überraschenderweise nämlich aus Menschen. sie besteht nicht vorrangig aus anonymen Karten, die irgendwie durch Dritte zugesteckt werden. Und ja, das ist anstrengender, aber 1h Reden hat einen besseren Effekt als 1h wild Karten zu verteilen. In Zeiten, wo “Politik machen” als Anklicken von Abstimmungen und Eintragen in Petitionen verstanden wird, muss man das wohl nochmal erläutern. Die bisherigen Erfolge dieser “Generation 2.0″ kamen immer dann, wenn sie auf die Straße gegangen sind. Zum Wahlkampf, zum Demonstrieren und für Infostände.

    • Oro

      Ich höre sehe/lese gerne Volker Pispers, Georg Schramm und Fefe. Wenn ich mal ein sarkastischen Witz über die Amis oder NSA Jungs mache, möchte ich keine braune karte überreicht bekommen und als Nazi abgestempelt werden. Und gerade im CCC Umfeld stößt man eigentlich auf Leute die das richtig einsortieren können und schon wissen dass ich nicht 100% der Gesamtbevölkerung der Amerikaner pauschalisieren will oder sie ernsthaft verachte oder sowas in der Richtung.

      Es gab über die Jahre soviele clevere und fähige Hackerinnen auf Congressvorträgen oder im Chaos Radio das jeden ernsthaften CCC Mitglied und Sympathisanten klar gemacht haben sollte, dass gender total egal ist. Es ist sozusagen majoc conensus narrative in der szene ^^ Da erwartet man jedenfalls auch Secs Sprüche in der eigenständigen – nicht von der CCC Orga genehmigten -Flauscheria/Kartensache richtig einsortieren zu können.

      Und ich habe die selbe Erfahrung gem8 wie der Blogschreiber, viele Frauen die ich auf twitter las und alle CCC Sympathisantinnen, welche ich kenne & die Vorträge per stream/recording seit Jahren sehen, waren irritiert über Secs Karte und zeigten klares Unverständnis.

      Deswegen muss man auch die Frage stellen, sehen es denn die 9,9 % weiße Hacksen oder wenigstens die Mehrheit überhaupt so wie die Flauscheria Fraktion oder eher wie der Rest? Als Außenstehender kommt’s mir nicht vor, dass die meisten Frauen Probleme auf den Kongress hatten in form von Sexismus und auch keine sahen. Und ebenso wenig kommt es mir vor das 90 % der weißen Hacker etwas gegen gleiche Bezahlung bei den Geschlechtern und solche Dinge sind.

      Eine relativ kleine exklusive subkultur/szene wie die deutsche Hackerszene(die wie fefe in seinen Post über Defcon Vergleiche ziemlich anders ist als das LasVegas Event woher die Idee mit den Karten eigentlich stammt) , die so sehr auf Respekt gegenüber Freiheitsrechte und Aktivismus in allen möglichen Formen(Umweltschutz, AntiRassismus, Menschenrechte) baut und Errungenschaften in den Sachen feiert, just ein Problem mit dem anderem Geschlecht zu unterstellen finde ich sowieso nicht plausibel.

      Wenn es ein paar wenige gibt die damit ein Problem haben, wenn man ihnen die Tür aufhält, mein Gott, auf die kann man auch verzichten.

      Sollte es je zu Grabschereien oder Deffamierungen aufgrund des Geschlechtes kommen oder sich die Mehrheit der weiblichen Mitglieder der Meinung und Wahrnehmung der Flauscheria anschließen, kann und sollte man durchaus Sexismus zu einem Thema machen in einer Intensität wie zuletzt.

      Aber so wie die Umstände jetzt liegen, schien mir das übertrieben, subjektiv und störend. Erinnert mich an nen Indymedia Artikel vor 3/4/5 Jahren als 2 Leute mit rechten Klamotten abgebildet waren die angeblich am Kongress teilgenommen haben und nicht die einzigen gewesen sein sollen. Unterschwellig mit der Frage , CCC & Nazi Problem? Einzelne Fehlgeleitete können sich überall einmogeln , aber tut mir leid, dem CCC Nazi oder Sexismus Probleme zu unterstellen ist aus meiner Sicht absurd,

  • Fnord

    Die ganze Geschichte mit diesen Karten und die stundenlangen immer wieder aufkommenden fruchtlosen Diskussionen, die nur die interessanten Themen verdrängt haben, haben mir den Congress verleidet. Ich habe Frauen einfach mit Ausreden von meinem Projekt fern gehalten, bzw das ganze anders als Gedacht kaum jemanden vorgestellt, da ich massiv verunsichert war. Bei meinen Engelschichten war es ähnlich, da dort dieses dumme Thema auch stundenlang vorherschte, sodas ich dann nur eine Schicht absolviert.

    Zum 30c3 werden ich höchst wahrscheinlich nicht erscheinen und hoffe einfachmal das es auf den kleineren Events nicht zu solchen dummen Aktionen kommt,

  • Spider
    • enno

      Thank you!

    • informer

      the actual page is a bit biased, though. take a look at the talk page

  • downhill

    Interessanterweise
    habe ich bei der ganzen Diskussion um Hackerjeopardy nirgendwo gelesen
    das Ray auch einen Stapel grüner Karten gekriegt hat. Ok, es ist auf
    dem Stream nicht zu sehen, aber der NOC-Helpdesk (ja, das so zu
    benutzen war doof, aber war spontan) hatte nicht wenige grüne Karten
    geschickt, auf Initiative einer Frau übrigens. Wir waren schon der
    Meinung das dort versucht wurde (also nicht nur bei 29c3, sondern auch
    früher) Frauen mit einzubinden, nicht um sie zu diskriminieren sondern
    um sie zu ermutigen. Und was die dummen Sprüche angeht.. Ray macht immer
    dumme Sprüche beim Hackerjeopardy, dazu ist er da und die gehören zu einer solchen Veranstaltung auch dazu oder wer hat eine Spielshow gesehen wo der Moderator die Spieler nicht verbal anheizt?

    downhill

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  • SuddenGrey

    Ich kann noch mal festhalten, dass ich mich in meinen heimischen Hackerspaces fnordeingang und chaosdorf nur gefördert und nicht diskriminiert fühle.

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