Eine Nacht mit der Polizei vor der saudischen Botschaft

Foto: Jan BruckFoto: Jan Bruck

Gestern Nacht verbrachte ich mit der Polizei Berlin und der deutschen Welle vor der Saudischen Botschaft. Nachdem wir #FreeRaif auf das Gebäude projiziert hatten, dauerte es etwas, bis sich die Wogen geglättet hatten. Aber was treiben wir da eigentlich und warum?

Es gibt so viele Regime auf der Welt, Ungerechtigkeit, Kriege, Terror und sonst was und das Leben ist zu klein um gegen alle vorzugehen. Es sitzen Millionen Menschen zu unrecht im Gefängnis oder werden gefoltert. Und eigentlich ist einem das scheiß egal. Das Bier wird davon nicht teurer und der Urlaub nicht kürzer. Auf der anderen Seite möchte man eigentlich schon etwas dagegen tun. Nur was? Die PixelHELPER haben vor Jahren angefangen, auf Botschaften, Parlamente usw. Karikaturen, Nachrichten oder Hashtags zu projizieren. Andere Organisationen machen Onlinepetitionen, attackieren die Infrastruktur der Regime oder demonstrieren auf der Straße. Alle zusammen erzeugen einen öffentlichen Druck. Gerade im Wahljahr kann man damit Einfluss auf Politiker nehmen. Wenn man z.B. einem gefangenen in Saudi-Arabien ein Gesicht gibt und er viele Menschen in Deutschland interessiert, dann wird irgend ein wichtiger Politiker auf Stimmenfang das Thema schon aufgreifen. Und genau deswegen ist es so wichtig an einem Thema, was aufkeimt, auch dran zu bleiben. Die Menschen haben eine immer kürzere Aufmerksamkeitsspanne und die Themen, die sie umgeben, werden immer mehr.

#FreeRaif auf der Botschaft von Saudi-Arabien. Foto: Jan Bruck

#FreeRaif auf der Botschaft von Saudi-Arabien. Foto: Jan Bruck

Man erreicht diese Leute also durch einfache, schnell zu erfassende Aktionen und dadurch, dass sie die Organisation oder einen selber bereits kennen und einem vertrauen. Zu den PixelHELPER kam ich, da ich mich für Interviews eigne. Ich rede gerne über das, was ich tue und finde es unsinnig, meine politische Meinung zu verstecken. Andere Leute agieren lieber im Hintergrund – so macht jeder das, was er am besten kann.

Gestern Abend sollte #FreeRaif auf die Botschaft von Saudi-Arabien projiziert werden. Raif Badawi ist zwei Jahre jünger als ich und bloggt ebenfalls über das, was ihn interessiert. Er hat das Pech, im falschen Land zu leben. Er wurde öffentlich gefoltert und wird seit Jahren gefangen gehalten. Der Hashtag auf einem Foto reicht aus um erneut an sein Schicksal zu erinnern – aber nur, wenn die Medien es auch verbreiten. Gestern war ein Team der deutschen Welle mit uns unterwegs. Zunächst gaben Oliver und ich Interviews, anschließend wurden alle Beteiligten eingewiesen, die Technik getestet usw.

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Enno Lenze im Interview mit Jan Bruck von der deutschen Welle. Foto: Marina Strauß

An der Botschaft selbst geht es dann meist schnell: Nachdem das Kamerateam in Stallung war fuhr der Wagen vor, machte die Projektion. Auf der Gegenspur fahrende Polizeiwagen beobachtete das, griff aber nicht ein. Erst nachdem die Aktion beendet war näherten sich immer mehr Polizisten, das Fahrzeug konnte aber Problemlos weiter fahren. Parallel wurde der „König“ auf einer Sänfte von vier IS-Kämpfern vorbei getragen. Diese Aktion wurde dann gestoppt. Als ein PixelHELPER Fahrzeug ohne Projektor vorbei kam, wurde dieses von der Polizei angehalten, die inzwischen mit vier Fahrzeugen und mehr als zehn Beamten vor Ort war. Die Polizisten waren unaufgeregt, höflich und mäßig genervt. Und genau das ist eigentlich der Punkt: Ich konnte bequem mit den Polizisten einen Meter hinter mir die Interviews mit der Deutschen welle geben, wir konnten Problemlos die Telefonate der Polizei mit den Kollegen filmen und auch den saudischen Geheimdienst fotografieren, der uns fotografierte. Wir leben in einem freien Land mit Polizisten, denen auch klar ist, wer in dem Spiel der böse ist. Raif hat das Glück nicht. Er wird für viel harmlosere Dinge gefoltert. Die Polizei musste den Sicherheitsdienst der Botschaft beruhigen, der etwas tobte, wir konnten derzeit in Ruhe die Fotos am Fahrzeug und der Botschaft machen. Nachdem die Tiergartenstraße mehr als eine Stunde nur bedingt benutzbar war, hatte der Spuk ein Ende. Von allen Anwesenden (inklusive der Passanten) wurden die Personalien aufgenommen. Erschreckend am Ende war aber, dass den anwesenden Journalisten ein Platzverweis erteilt wurde, damit sie nicht weiter von vor Ort berichten. Ich fragte zur Sicherheit nach, ob wirklich die Journalisten gemeint seien oder nur die anderen. Klare Antwort: „Alle!“ Das Deutsche Welle Team fragte, ob sie das nochmal in die Kamera bekommen können. „Nein!“ – zu dumm, dass diverse Beteiligte noch mit Mikrofonen verkabelt waren.

Die Aktion ist sicherlich nicht die letzte gewesen und wir sehen am Feedback auf den social media Kanälen, wichtig sie ist und dass sie ankommt. Leider kosten die Aktionen auch immer einiges an Geld. Daher hier nochmal der Aufruf: Wenn es euch gefällt, macht ein paar Euro locker und teilt die Inhalte!