EM: Flagge zeigen oder anderen überlassen?

schwarzrotgold

In meinem Umfeld tummeln sich von Antifa bis Springer alle gesellschaftlichen Schichten. Kaum ein Thema polarisiert derzeit so sehr, wie die Deutschlandflaggen an Autos, Häusern und Kleidung. Überall auf der Welt ist es normal Flagge zu zeigen, wenn man zu seinem Land steht. Wenn man sich Deutschland anguckt, dann geht es uns hier nicht so schlecht. Wir gehören in allen Bereichen zur Weltspitze und wir können hier offen Leben. Ich bin in Ruanda groß geworden, ich weiß, wovon ich rede. Aber die Flagge steht ja nicht nur für den Staat sondern in diesem Fall für die Mannschaft. Aber sie benutzen zwangsläufig die gleiche. Und da kommen wir zum Problem: Wer nutzt die Flagge noch? Das rechte Pack auf Kleidung, Demos und so weiter. Also ausgerechnet die, die Deutschland mit seiner Vielfalt und Offenheit ablehnen. Die einen möchten also zu ihrer Mannschaft stehen, andere zu ihrem Land, aber keiner zum rechten Pack aber alle nutzen die gleiche Flagge. Soweit so gut.

Aber wofür steht diese Flagge eigentlich?
Sie war 1848 die Flagge der Revolution – die Farben kamen ursprünglich von den Lützower Jägern. Das Volk vereinte sich im Kampf gegen den König und forderte mehr Bürgerrechte, die damals noch fortschrittlichen Burschenschaften waren natürlich auch dabei. Wir sind also eines der wenigen Länder, welches das Symbol der Revolutionäre gegen die Regierung als Nationalflagge hat. Und das ist ziemlich cool.

Was ist nun das Problem mit „Flagge zeigen“?
Das Problem ist nun also für einige Leute, dass sie kein Nationalgefühl durch das Zeigen der Flagge fördern wollen. Das weckt vereinfacht gesagt Erinnerungen an Deutschland 1933, an unsere Neonazis und ähnliches Gesindel. Dem entgegen steht die Idee „no borders, no nation“ – also keine Grenzen und keine Nationen. Es soll also auch kein deutsches Nationalgefühl geben um sich nicht von anderen Ländern zu separieren und um keine „besseren“ und „schlechteren“ Länder zu haben. Ich finde den Bogen aber etwas weit. Ich bin auch kein Fan von „no borders, no nation“, da ich gerade im Abspaltungsprozess von Kurdistan (Irak) vom Rest des Irak sehe, wie das nötig sein kann um sein Volk vor einer amoklaufenden Zentralregierung zu schützen. Das ist eher ein Luxus, den wir uns in der EU und teilen der westlichen Welt leisten können.

Wie lösen wir das Problem?
Wir könnten also getrennte Flaggen für Land, Regierung, Neonazis und Fußball haben – aber das wäre ja auch keine echte Lösung. Wir können den Rechten die Flagge überlassen, aber dann sollte es auch nicht mehr unsere Nationalflagge sein und wir sollten eine neue bekommen. Viel lustiger wäre es, wenn schwarz-rot-gold z.B. auch die Farben der LBGT-Szene, der Friedensbewegung oder sonst was wäre. Dann würde den Rechten der Spaß dran vergehen.

Was mache ich?
Mir ist Fußball wumpe und mein gesamtes Wissen darüber kann man so zusammenfassen: „Willst du Schalke oben sehen, musst du die Tabelle drehen!“. Ich habe im Ausland die Flagge an der schußsicheren Weste, teilweise am Fahrzeug und dort wird sie weiterhin sehr positiv aufgenommen. Ich hätte einfach gerne wieder, dass wir eine Nationalflagge haben, die wir nicht automatisch mit Rechten assoziieren, weil das einfach nicht sein kann.