Embedded bei den Peschmerga

Mit den Peschmerga im Shingal Gebirge - Je suis Charlie

Mit den Peschmerga im Shingal Gebirge – Je suis Charlie

Im Januar war ich mit dem FDP-Politiker Tobias Huch in Kurdistan im Nord-Irak (unseren Bericht gibt es hier, das Video hier). Zur Zeit schreiben mich immer wieder Journalisten mit der gleichen Frage an: Wie kann man embedded zu den Peschmerga, also der kurdischen Armee? Embedded Journalism bedeutet eingebunden in die Truppen zu sein und sich mit ihnen zu bewegen, statt nur zu einen Fototermin oder ähnlichem vorbei zu kommen. in Ich war mehrmals mit ihnen unterwegs und wir hatten das Angebot mit dem Anti-Terror-Kommando in Kirkuk in den Häuserkampf zu gehen.

Oft arbeiten Auslandsjournalisten mit „Fixern“ oder „Stringer“ zusammen. Das sind Vermittler, die einem vor Ort Zugang zu den spannenden Menschen und Punkten geben. Das Business ist hart, man muss in ein paar Tagen ein bisschen Geballer und möglichst Blut haben und das schnell verkaufen. Man sieht auch immer wieder, wenn es in Gegenden nur einen guten Fixer gibt, dann sind in allen Berichten die gleichen Einheiten im gleichen Ort zu sehen. Mir wurde auch immer wieder von TV-Sendern angeboten, dass sie Material kaufen würden, wenn da mehr Schießereien drauf sind. Am besten auch Verletzte. Ich finde diese Anforderungen abartig, kann aber auf der anderen Seite verstehen, dass Leute ihr Geld irgendwie verdienen müssen. Ich filme, was ich wirklich sehe und schreibe dann drüber. Als ich in Juni in Kirkuk und Mossul an der Front war, wurde kaum geschossen. Natürlich könnte man fragen, ob die Leute ein bisschen schießen können und dann eine Story zu machen, aber warum? Ich verdiene mit meinem Material kein Geld, ich will in diesen Teufelskreis auch gar nicht rein. Ich war schon in Kurdistan im Urlaub, lange bevor die ISIS da war. Dort habe ich über einen Freund die ersten Kontakte geknüpft und mich immer weiter durchgefragt.

Inzwischen kenne ich diverse Generäle, zwei Gouverneure, war vom Premierminister eingeladen und treffe vor Ort Soldaten der verschiedenen Nationen. Ich habe im Laufe der Zeit viele Peschmerga kennen gelernt, die mir weit vertrauen. Sie können mich mit in den Einsatz nehmen und mir alles zeigen. Wir haben ganze Tage und Nächte mit ihnen verbracht, haben auf dem Boden zwischen ihnen geschlafen und sind nachts mit ihnen unterwegs gewesen. Ist das nun „embedded Journalism“ oder nicht? Ich kanns nicht mal sicher sagen. Aber es ist nichts, was man buchen oder kaufen kann, man muss es sich lange erarbeiten.

Als der Bild-Redakteur Claas Weinmann nach Kurdistan ging, hatten wir schon im Vorfeld Kontakt. Ich habe ihm meine Hilfe angeboten, er mir seine und wir haben gesehen, wer wem wo welche Kontakte oder Hilfe vermitteln kann. Aber das ist nur eine Basis, draus machen muss man selber was. Er war einen Monat vor Ort und hat sich ebenfalls das Vertrauen der Leute erarbeitet. So war er in der ersten Reihe, als die größte Anti-ISIS-Offensive der Geschichte stattfand und über 3.000 Quadratkilometer in wenigen Tagen eingenommen wurden. Er lag hinter dem MILAN-Schützen, als dieser auf die ISIS schoss.

Wenn also jemand schnell dahin möchte und den Krieg live sehen, dann kann ich dabei nicht helfen. Wenn man das Land und die Leute kennen lernen will, dann sage ich euch gerne, wo es lang geht. Ob man dadurch im Einsatz zwischen den Peschmerga landet, ist aber nicht klar.