Enforce Tac – ein Tag auf der Militärmesse

Nachdem ich vergangenes Jahr auf der französischen Rüstungsmesse MiliPol war, habe ich mich dieses Jahr auf die deutsche EnforceTac gewagt. Dort statten sich (meist deutsche) Sicherheitsbehörden mit Fahrzeugen, Ausrüstung und Waffen aus. Zu sehen und anzufassen gibt es vieles merkwürdiges und die Frage ist immer, ob man das haben will (Wurfankergewehr) oder ob es das Produkt besser gar nicht geben sollte (Drohne mit Granatwerfer).

Pistole & Gewehr

BT USW A1 in 9x19mm

Bei den Waffen hat man einige Zeit das Gefühl gehabt, dass nicht viel passiert. Die Munition wird kleiner und stärker, die Zielfernrohre dicker, aber etwas richtig spektakuläres fehlt dann doch. An den Waffenständen kommt es immer wieder vor, dass man auf einmal ein Sturmgewehr vor dem Kopf hat, weil die Leute im Gedränge die Zieloptik ausprobieren wollen. Man greift sich dann den nächsten Granatwerfer um dagegen zu halten und alle lachen – bisschen Krieg spielen, aber nie die gute Laune verlieren. Hier geht es um Geld und Business, nicht um Moral. Hat man einen Gewehrkolben vor die Schläfe bekommen, gibts Kekse und einen Energydrink, damit die Stimmung nicht kippt. Derzeit fällt aber auf, dass die Leute nicht nur nach einem obskuren Pflichtenheft einkaufen, sondern mehr ganz bestimmte Szenarien abfragen: Kann ich damit in einer panischen Menschenmenge ordentlich zielen? Auch an Pistolen findet man vermehrt ordentliche Optiken und kleine Schulterstützen. Das reicht um deutlich besser zu treffen. Für die Spezialeinheiten werden mehr und mehr die kleinen, leistungsstarken Kaliber beworben wie 5,7×28 oder 4,6×30. Letzteres wird mit „50% weniger Rückstoß als 9x19mm“ beworben. Ich stelle mir dann immer vor, wie im TV Spot die SEK-Frau freudestrahlend den Helm abnimmt und sagt „Endlich tut mir mein Handgelenk nach dem Antiterror-Einsatz nicht mehr so weh. Danke, Heckler und Koch!“

Der fliegende Granatwerfer

Etwas weiter weg vom „Feind“ sind die Drohnebauer. Höher, schneller und weiter lautet die Devise. Drohnen, die automatisch Autos, Menschen oder andere Drohnen verfolgen und Kameras, die immer stabiler darunter hängen. Einen großen Quadrokopter (eigentlich Oktokopter, weil je zwei Rotoren pro Arm) gucke ich mir genauer an. Er kann 20Kg Last tragen und bis zu 45 Minuten fliegen. Er kann aber auch stationär an einem 100m Ladekabel fliegen, welches er bei Bedarf ausklinkt. Was macht man damit in der Praxis. „Bomben fallen lassen HAHAHA“ sagt der Verkäufer. Ich frage, wo das so eingesetzt wird und sein Blick wandert auf mein Namensschild – ich bin nicht als Vertreter einer Armee da, also grinst er nur und möchte nicht ins Detail gehen. „Aber wir können auch 40mm Granatwerfer montieren z.B. die französische Polizei um CS-Gas in Menschenmengen zu schießen“. Vorsprung durch Technik nennt man das wohl. Auf der anderen Seite gibt es auch das „Anti-Drohnen-Gewehr“, welches im Wirtschaftstreffen in Davos erstmals in der Öffentlichkeit gesehen wurde. Simpel gesagt ist das ein großes Funkgerät, welches auf bestimmten Frequenzen so viel Leistung raus haut, dass die Elektronik der Drohne versagt und sie einfach vom Himmel fällt.

Wurfanker? Gibt es auch!

Darfs ein bisschen Low-Tech sein? Natürlich braucht man weiterhin die Klassiker wie Handfesseln oder Wurfanker. Hier gibt es von außen nicht viel neues. Die Materialien werden besser, man optimiert Details, aber das Prinzip ist seit den Piratenzeiten unverändert. Und auch Dinge wie schußsichere Westen, Uniformen und Abzeichen gibt es in vielfältiger Art. Kameras dürften inzwischen auch nicht mehr als Hightech gelten. Da gab es einen eher ironischen Vorfall: Vom Stand eines großen Überwachungskamera Herstellers war eine Kaffeetasse geklaut worden.

Entscheidende zwei Zentimeter

Am Ende sah ich mir die Fahrzeuge an. Meist handelt es sich um ordentlich gepanzerte Fahrzeuge (VR9) in den Größen SUV bis Monstertruck. Basis für die zivil aussehenden Fahrzeuge sind weiterhin meist S-Klassen oder Landcruiser aus der 200er Serie. Mit so einem Fahrzeug ist man vor Pistolen, Sturmgewehren und kleineren Granaten sicher und neben Sicherheitsbehörden gibt es auch viele wohlhabende Kunden. Der Markt ist schwer umkämpft und es geht um viel Geld. Wenig verwunderlich also, dass es ein ziemliches Hauen und Schlagen zwischen einigen Anbietern gibt. So werfen sich die Konkurrenten Stoof und Cloer z.B. gegenseitig Betrug bzw. Korruption vor. Stoof soll bei einem LandCruiser unerlaubt den Fahrersitz weiter in der Mitte montiert haben, damit der Fahrer die B-Säule bei einer größeren Explosion nicht abbekommt. Der Mitarbeiter versicherte mir „nach der Explosion kann es sein, dass der Sitz sich nach innen bewegt und an der Kopfstütze 2cm Abstand fehlen. Wir haben den dann getauscht und da kann sowas mal passieren. Aber … naja … sie wissen ja … es gibt das so … Mitbewerber die einen Anschwärzen. Wir haben dann vergangenen Monat die Zertifizierung neu gemacht und natürlich ohne Probleme bestanden“. Ich fragte nach: „Also viel Geld und Zeit verschwendet, obwohl gar nichts war und der Sitz nie verstellt wurde?“ – „Ja genau. Viel Geld für eine Zertifizierung, obwohl alles in Ordnung war.“  aber ein Drama sei das nicht. Ein Rechtsstreit wegen zwei Zentimeter? Nagut, wir sind ja in Deutschland und vieles gewohnt – aber es zeigt wie man hier mit harten Bandagen von Schreibtisch zu Schreibtisch kämpft. Und man sieht, wo die Limits bei gepanzerten Fahrzeugen liegen. Ich wunderte mich über einen Mercedes Sprinter, der zwei Schiebetüren hat, eine innen und eine außen. Der Wagen wir zum Transport größerer Spezialeinheiten oder als VIP-Rettungswagen verwendet. Eine so große Schiebetür wäre gepanzert einfach zu schwer und bisher schafft es niemand, eine entsprechende Aufhängung zu bauen. Also gibt es die ungepanzerte große Tür und die gepanzerte kleinere drinnen – bei all den Hightech Materialien derzeit die Grenzen der Physik. Nebenan bei Rheinmetall geht es eine Nummer größer zu. Der Survivor R ist auf MAN Basis gebaut und für 300.000-500.000€ zu haben. Sowohl in Berlin als auch in Hamburg sieht man sie bereits im Polizeieinsatz. Mit deutlich über zwei Metern Höhe ist der Wagen ziemlich martialisch und passt wohl eher zur Aufstandsbekämpfung in Saudi-Arabien als zu unserer Polizei. Mit der Rampe auf dem Dach kann man so aber auch eine GSG9 Einheit direkt bis zur Flugzeugtür liefern. Bisher muss man das mit Leitern oder einem Amarok mit Aufbau machen. Das Militär hingegen interessiert sich für Wagen wie den „Hornet“ Prototypen, welcher auf Hi-Lux Basis eine Menge Waffen und ein paar Soldaten durchs offene Gelände bringen kann.

An den Ständen merkt man immer direkt, wer sein Produkt selber entwickelt hat und selber benutzt oder in Einsatz gesehen hat und wer eigentlich nur ein Händler ist. Mit den ersten habe ich teilweise eine Stunde über „lustige“ Erlebnisse im Einsatz gesprochen, bei den anderen halt nur einen Aufkleber bekommen. Die Branche finde ich weiterhin wirr, aber es ist immer interessant vor Ort selber mit den Ausstellern und Besuchern zu sprechen und auch zu sehen, wie sich welche Trends entwickeln.

Quelle: Internet

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