Expertengespräch zu Syrien mit den Grünen

Gestern Abend veranstaltete der Kreisverband Borken der Grünen ein Expertengespräch zum Thema Syrien. Was harmlos klingt wird richtig spannend, wenn der Vortragende Siggi Martsch ist. Siggi kann man kaum in einen Satz packen: Seit Jahrzehnten in den Krisengebieten der Welt unterwegs, enger vertrauter der halben Regierung von Kurdistan-Irak, von Yasser Arafat und diversen Politikern auf der ganzen Welt. Selber ex-Landtagsabgeordneter, der die Grenzen in der Arabischen Welt in jeder politischen Phase der Region in jede Richtung queren konnte – und dies auch tat. Er kann aus dem Nähkästchen plaudern, wie es ist wenn Saddam eine Million Kopfgeld auf einen Aussetzt, wenn einen ein Nachrichtendienst entführen will oder wie man Koreanische Heizöfen während des Krieges in den Irak fliegen lässt.

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Siggi Martsch, Peter Berger (Journalist), Frank Büning (Die Grünen)

Kurzum: Er ist DER Experte zu allem, worum es derzeit in den Nachrichten geht. Der Vortrag war wie zu erwarten sehr gut und gespickt von Anekdoten, ich erzählte etwas zur Lage der syrischen Flüchtlinge im Camp Domiz bei Dohuk.

siggi-martsch-yasser-arafatEine wichtige Frage ist, warum man vor ein bis zwei Jahren nicht gehandelt hat. Damals hätte man gezielt die Gruppen vor Ort unterstützen können, die einen demokratischen Wandel wollten. Man hätte auch kleinere Kontingente Waffen an diese liefern können und eine Flugverbotszone einrichten um Assad zu schwächen. Damals war die Lage noch etwas übersichtlicher. Inzwischen kämpfen zwischen zehn und fünfzig Gruppen gegen Assad, aber teilweise mit- und gegeneinander. Die Lage ist so instabil und verwirrend, wie man es sich kaum vorstellen kann.

siggi-martsch-johannes-rauWas könnte nun passieren? Wir könnten ein zweites Palästina bekommen, in dem die Leute Jahre oder gar Jahrzehnte in Camps und anderen Provisorien leben, in dem zersplitterte Gruppen Kämpfen und niemand mehr die Lage in den Griff bekommt. Viele werden im nahen Ausland bleiben, bis sie dort die nächste Krise vertriebt.

Eine Flugverbotszone wie damals im Nord- und Südirak könnte ein Ansatz sein, Assads Position zu schwächen. Im nördlichen, kurdischen Teil kann die Autonome Region Kurdistan als Schutzmacht auftreten und die Gegend mit Bodentruppen sichern. Aber davon ist das noch nicht Problem im Rest des Landes nicht gelöst.

Die Internationale Gemeinschaft hat in diesem Fall den richtigen Moment verpasst um zu handeln. Insgesamt hat die UNO verpasst, mal eigene Truppen aufzustellen, die global, mit hartem Mandat eingesetzt werden können, damit man nicht immer auf die USA warten muss. Diese hätte man schnell Entsenden können, als sich die Gelegenheit bot und bevor erneut hunderttausende in einem sinnlosen Krieg sterben mussten.

Am Ende des Abends war klar: Die einfache Lösung gibt es nicht, ist auch nicht in Sicht. Dennoch Endete der Abend mit einer spannenden Diskussion und mit vielen Teilnehmern, die die Lage nun wieder etwas besser einschätzen konnten.

  • Bastian Kreitz

    „Die Lage besser einschätzen können“.

    Wenn die Quintessenz ist, dass auf jeden Fall „Assad“ „der böse Bube“ ist, sprich „Er“ auf jeden Fall der Grund für die Unruhen ist … naja … dann komme nicht zu dieser Einschätzung!