GEMA: Denn Sie wissen nicht, was sie tun

Als Verleger ist man es gewohnt sich mit dem Urheberrecht zu befassen. Das schreiben, welches ich von der GEMA erhielt sorgte aber eher für Stirnrunzeln.

Bildtonträger: DVD „Die Aussicht“
der o.g. Bildtonträger wird von Ihnen hergestellt. Leider konnten wir bisher noch keinen Eingang eines Lizenzantrages feststellen (…)

In meinem Verlag gibt es genau eine DVD zu kaufen: The making of Berlin, da kann eigentlich keine Verwechselung vorliegen. Alle Aufnahmen sind von uns, die Musik direkt vom Label der Musiker lizenziert. Und der Name passt auch nicht. Also rief ich an um das Missverständnis zu klären. Die Dame war sich auch nicht sicher worum es geht oder warum man meint, dass ich das tue. Sie hatte den Vorgang von der Rechtsabteilung bekommen. Ich fragte nach der ISBN, dem genauen Titel oder irgendwas. Wusste sie alles nicht. Dann fragte ich wie es denn dann dazu kam, dass ich dieses Schreiben erhielt. Das konnte sie auch nicht genau sagen, nur dass sie es mir halt schreiben sollte. Ich bat erneut darum mir den Auslöser zu nennen, damit ich gucken kann, ob ich irgendwie helfen kann: Nein sie weiß nichts.

Aber ich solle die Tatsache, dass ich nicht weiß worum es geht aufschreiben und der Rechtsabteilung schicken. Das fand ich etwas komisch und tat es nicht. In der folgenden Woche rief Sie mich an und bat erneut darum, dass ich gegenüber der Rechtsabteilung schriftlich Stellung beziehe. Ich lehnte ab und ging nicht mehr auf die Anrufe ein. Es folgten 5-10 Anrufversuche in den kommenden Tagen.

Also beriet ich mich mit meinem Anwalt, ob ich reagieren solle oder nicht. Er fragte erneut bei der GEMA an, worum es denn gehe. Er hat

(…) darum gebeten die Unterlagen darüber herauszugeben, aus denen sich ergeben soll, dass eine solche Nutzung erfolgt.(…)

Relativ schnell folgte die Antwort der GEMA.

(…) Der Grund unseres Tätigwerdens liegt in der Reklamation seitens eines Rechtsnachfolgers des betroffenen Mitglieds (…) Zunächst genügt uns die Angabe Ihrer Mandantschaft, wonach keine Musiknutzung erfolgt ist. Solange keine konkreten Anhaltspunkte vorliegen die auf eine tatsächliche Musiknutzung durch Ihre Mandantin zu verantwortende Nutzung schließen lassen, werden wir die Sache nicht erneut aufgreifen. (…)

Ich dachte konkrete Anhaltspunkte seien der Ausgang für einen solchen Brief. Zum anderen wundert mich das so sehr schnelle zurückrudern auf eine so einfache Frage. Es scheint ja so, als können ein Rechtsnachfolger eines Mitgliedes einfach eine Behauptung aufstellen und schon wird die GEMA, ohne die geringste Prüfung zu unternehmen, tätig.

Ich bin selber Rechteverwerter, ich gucke mir jeden möglichen kommerziellen rechte verstoß selber an bevor ich die Sache abgebe. Und das war bisher genau ein mal der Fall und ließ sich schnell und einfach klären.

Update 13.02.2013:

Die GEMA hat sich erneut gemeldet und bemängelt, dass ich das Werk (nun aber ein anderes) noch nicht angemeldet habe.

[Werde das hier genauer ergänzen, wenn ich die Details habe]

  • Sascha

    GEMA sterben. Echt jetzt. Wird langsam Zeit. Schon sehr traurig in diesem medialen Entwicklungsland. Kann man da nicht mal Entwicklungshilfe beantragen?