Ich wähle keine Heulsusen

Es gibt Menschen, die diskriminiert werden und sich selber nicht dagegen wehren können. Und es gibt „Berufsempörte“, die immer einen Grund suchen, sich als Opfer darzustellen und laut zu heulen. In der ersten Gruppe gibt es viele Gründe, die dazu führen können: Unkenntnis der Sprache, der rechtlichen Regelungen oder kein Geld, um sein Recht durchzusetzen. Mir scheint der häufigste Grund aber eine fehlende Stärke zu sein, einen solchen Konflikt anzugehen. Und da bringt einem jedes (theoretische) Recht nichts. Man braucht Menschen, die diese Situation erkennen und einem helfen, und man braucht Regelungen, die einen schützen.

bundestag

Wer dort bestehen will, muss stark sein

Auf der anderen Seite haben wir die, die diskriminieren. Oft, wie mir scheint, aus Unwissenheit, wie sehr man anderen damit weh tut. Aber meistens nicht wirklich aus Boshaftigkeit. Mit diesen Leuten kann man gezielt reden und das Problem so immer wieder aus der Welt schaffen. Für die Leute, die absichtlich diskriminieren, braucht es Regelungen mit durchsetzbaren Strafen, die auch angewendet werden.

In Deutschland ist die Lage theoretisch sehr gut und in der Praxis sicherlich OK. Aber die Messlatte für Diskriminierung sollte nicht Nordkorea oder DR Kongo sein, sondern was wir mit unseren Mitteln leisten KÖNNEN. Und an sich können wir es uns leisten, niemanden zu diskriminieren und jeden zu schützen. Also warum machen wir das nicht?

Nun aber zur eigentlichen Frage: Wer schützt nun diese Leute? Und wie erhält man einen solchen Schutz auf Dauer? Im Rechtsstaat ist das einfach: Wir brauchen Gesetze, die das regeln, und Institutionen, die es durchsetzen (und natürlich Leute, die Verstöße melden). Jedes Mal, wenn man eine Regelung zum Schutz einiger erlässt, meckern andere rum, in ihren Rechten beschränkt zu werden. Soll man einen Dunkelhäutigen nicht mehr als „Nigger“ diffamieren, so wird irgendjemand, der Haare nur von anderer Leute Köpfe kennt, mit „meine Meinungsfreiheit wird eingeschränkt“ argumentieren. Und gegen den muss sich die Politik durchsetzen (die Gesellschaft als Korrektiv im Alltag sowie als „Melder“ natürlich auch).

Aber auch in nicht so klaren Situationen ist Politik ein hartes Geschäft. Dauernd wird man von überall mit Meinungen zugeworfen, dauernd wird man für Entscheidungen angemacht und dauernd soll man zu wahnwitzigen Vorwürfen Stellung beziehen. Es gibt viele Wege damit umzugehen, aber nicht das Patentrezept.

Ein Politiker (also jemand, der aktiv Politik gestalten will und Ämter oder Mandate besetzen möchte) muss eine sehr starke Persönlichkeit sein, ein großes Ego haben und ein Workaholic sein. Die Songzeile

I’m a political animal

von Rainald Grebe trifft’s ganz gut. Leute, die sich vor diskriminierenden, trollenden, flamenden Leuten schützen lassen müssen, treten daher meist gar nicht zu solchen Wahlen an. Nicht schön, aber derzeit in der Praxis wohl für alle Beteiligten die beste Wahl. Wie ist es nun mit denen, die immer „Hilfe, Hilfe“ rufen und einen Grund suchen, die armen Opfer zu sein? Das könnte ich am Tag auch mehrfach machen (unten zum Beleg eine Liste), aber mich stört vieles nicht. Und warum soll ich dann daraus einen Skandal bauen!? Wenn ich immer unterdrückt werde und andere um Hilfe bitten muss, dann bin ich nicht stark, dann kann ich im derzeitigen Politikzirkus nicht vorne mitspielen und dann kann ich die Belange anderer nicht durchboxen. Leute, die wegen allem rumheulen, werden nicht als politischer Gegner ernst genommen, sondern als jemand der sich in eine Opferrolle flüchtet (in der er gar nicht wirklich ist). Marina Weisband heult im TV nicht rum, Kubicki heult nicht rum und Merkel auch nicht. Der letzte Bundespräsident, der sich von den Massen nicht respektiert gefühlt hat, ist dann auch gegangen.

Diese Außenwirkung ist eigentlich jedem Wähler klar; den Akteuren, die so versuchen Aufmerksamkeit zu erhaschen, aber offensichtlich nicht. Daher versuche ich auch nicht so aufzutreten, denn ich ich will etwas bewegen!  Wer gewählt werden will, muss sich nach vorne stellen, muss seine Meinung sagen, auch wenn sie polarisiert, und muss in der Lage sein, mit dem Echo umzugehen. Ich als Wähler muss auch wissen, wo diese Person politisch steht. Wer nie eine klare Meinung hat (und die hat jeder Mensch, egal in welcher Partei), der ist zu oft ein Fähnlein im Wind.

Und Leute, die „Mimimimiii“-Auftritte hinlegen, kann ich nicht wählen, da ich nicht glaube, dass sie mich jemals sinnvoll vertreten können.

Disclaimer:
Dieser Blogpost ist schon vor Wochen geschrieben worden. Ich wollte ihn vor den diversen politischen Wahlen in meinem Umfeld jedoch nicht veröffentlichen. Mit der Berliner Landesliste der Piraten bin ich zufrieden und fühle mich vertreten. Die von mir beschrieben Leute haben es nicht geschafft.

Liste von Dingen wie oben angekündigt:

  • Ich wurde gerade im Piratenumfeld mehrfach von homo- und heterosexuellen Männern und Frauen ungefragt geküsst.
  • Ich wurde wegen meiner Haarfarbe verspottet.
  • Ich wurde wegen meines Jobs verspottet. (Aber leider macht man sich in der ganzen Branche lächerlich wenn man nicht weiß, dass Buchverlage nichts mit Leistungsschutzrecht zu tun haben 😉 )
  • Ich werde immer wieder auf „Berliner“ reduziert, obwohl ich nicht hierher komme
  • Ich werde immer wieder auf „heterosexueller weißer Mann“ reduziert (obwohl ich zu meiner Sexualität prinzipiell keine Angaben mache und in Ruanda aufgewachsen bin)
  • Ich wurde wegen meiner Religion verspottet (obwohl ich dazu auch keine Angaben mache).
  • Ich werde bestimmt für diese Liste verspottet werden 😉
  • Susanne Bischoff @moddestyblai

    Aber auch in nicht so klaren Situationen ist Politik ein hartes
    Geschäft. Dauernd wird man von überall mit Meinungen zugeworfen, dauernd
    wird man für Entscheidungen angemacht und dauernd soll man zu
    wahnwitzigen Vorwürfen Stellung beziehen. Es gibt viele Wege damit
    umzugehen, aber nicht das Patentrezept.

    Ein Politiker (also jemand, der aktiv Politik gestalten will und
    Ämter oder Mandate besetzen möchte) muss eine sehr starke Persönlichkeit
    sein, ein großes Ego haben und ein Workaholic sein. Die Songzeile

    I’m a political animal

    von Rainald Grebe
    trifft’s ganz gut. Leute, die sich vor diskriminierenden, trollenden,
    flamenden Leuten schützen lassen müssen, treten daher meist gar nicht zu
    solchen Wahlen an. Nicht schön, aber derzeit in der Praxis wohl für
    alle Beteiligten die beste Wahl. Wie ist es nun mit denen, die immer
    „Hilfe, Hilfe” rufen und einen Grund suchen, die armen Opfer zu sein?
    Das könnte ich am Tag auch mehrfach machen (unten zum Beleg eine Liste),
    aber mich stört vieles nicht. Und warum soll ich dann daraus einen
    Skandal bauen!? Wenn ich immer unterdrückt werde und andere um Hilfe
    bitten muss, dann bin ich nicht stark, dann kann ich im derzeitigen
    Politikzirkus nicht vorne mitspielen und dann kann ich die Belange
    anderer nicht durchboxen. Leute, die wegen allem rumheulen, werden nicht
    als politischer Gegner ernst genommen, sondern als jemand der sich in
    eine Opferrolle flüchtet (in der er gar nicht wirklich ist). Marina
    Weisband heult im TV nicht rum, Kubicki heult nicht rum und Merkel auch
    nicht. Der letzte Bundespräsident, der sich von den Massen nicht
    respektiert gefühlt hat, ist dann auch gegangen.

    Diese Außenwirkung ist eigentlich jedem Wähler klar; den Akteuren,
    die so versuchen Aufmerksamkeit zu erhaschen, aber offensichtlich nicht.
    Daher versuche ich auch nicht so aufzutreten, denn ich ich will etwas
    bewegen! Wer gewählt werden will, muss sich nach vorne stellen, muss
    seine Meinung sagen, auch wenn sie polarisiert, und muss in der Lage
    sein, mit dem Echo umzugehen. Ich als Wähler muss auch wissen, wo
    diese Person politisch steht. Wer nie eine klare Meinung hat (und die
    hat jeder Mensch, egal in welcher Partei), der ist zu oft ein Fähnlein
    im Wind.

    Und Leute, die “Mimimimiii”-Auftritte hinlegen, kann ich nicht
    wählen, da ich nicht glaube, dass sie mich jemals sinnvoll vertreten
    können.

    TOP

    Danke für deinen Mut, die Dinge so klar beim Namen zu nennen.
    Emmozionen sind hier nicht gefragt, nur Daten Zahlen und Fakten.
    Denn nur das ist glaub- und vertrauenswürdig.

    LG Susanne

  • Hallo Du – MENSCHLICHkeit Statt Mauern…
    fände ich gut. Letztlich plädierst Du für HyperPhrene EGOpathie.
    (HyperPhren – ein vor allem verbal aktionistischer PersönlichkeitsPanzer, der quasi-schizoid einem Ich vorgespannt wird, um nach vorne die ShitStorms mulchen zu können… und auf der Grasmasse dann weich durchs Leben zu gehen.

    Mir wurde auf PiratinnenKon klar, daß nur ne FRIEDENsFAMILIE mit wöchentlichem KommunikationsTraining zwischen Zuhören & retrosonanten Reden solche psychischen KampfPanzerWaffen vermeidet, wie Du sie propagierst.

    Doch – ne Crew könnte genau das machen… und ne (KV/…) FriedensFamilie aus FriedensFamilien. #sozialeUtopie

    • enno

      Und wie soll so ein freundlich friedlicher Mensch z.b. einen Rüstungsexportverbot durchsetzten?

      • Hallo Enno,
        das ist eine sehr bekannte & heiß-diskutierte Frage.
        Meiner Meinung nach ist in der Frage schon die Antwort!
        Dazu:
        1. „Frieden“ gibt es nicht – man muß ihn immer wieder machen.
        2. Frieden kann man nur GEMEINSAM machen – einsam ist jeder im hilflosen Krieg.
        3. Ehrlich gesagt lernt man fast nur auf dem Land, daß es ganz normal ist, daß Leben beginnt und endet – und man auch die geliebten Huhnies schlachten muß.. und klaro im Notfall einen bösen Fuchs töten.
        4. Vor allem Gewalttäter sind regressiv (sich zurückentwickelnd) und unreif – wenn man sie als Kinder wahrnimmt und ihnen starke Führung und viel Wärme schenkt, bekommt man unheimlich viel klar.
        5. Umgkehrt haben die EinzelPersonen-AV-s einen anti-sozialen und kriegerischen Push in die LandesVerbände geliefert – also muß man zuerst ein Wir/ ne „Mitheit“ aufbauen durch LPT-ThemenArbeit bevor man Leute auf das Selbst vereinzelt. 🙂 #FröhlichFeministischeFriedensFamilie
        PS: habe ca. 15kh konfliktLösung – zB 70 Minifaschos beim LeuteTotschlagen (allein) eingesammelt – und finde, daß es unheimlich hilft, jeden Tag 1-3h mit sich klarzukommen.. und mit Freunden dann auch um sich herum Frieden aufzubauen 🙂

        • enno

          Vielen Dank für deinen Text, kommen wir zurück zu meiner Frage: Und wie soll so ein freundlich friedlicher Mensch z.b. einen Rüstungsexportverbot durchsetzten?

    • Woah. Kein Wort verstanden. Der Duden leider auch nicht 🙁

      Leider haben wir zu Ihrer Suche nach ‚Egopathie‘ keine Treffer gefunden.
      Leider haben wir zu Ihrer Suche nach ‚Hyperphren‘ keine Treffer gefunden.
      Leider haben wir zu Ihrer Suche nach ‚retrosonanten‘ keine Treffer gefunden.

      #aufschrei – boeser diffamierender Duden!

      • hey, sorry – teilweise meine schuld. Evtl. 2-3 mal (später nochmals) lesen hilft vielleicht auch. Punkte:
        1. Egopathie – Prof. Kisker – de.wikipedia.org/wiki/Egopathie
        2. Hyperphren – Hyper-(schizo)Phren – wenn Leute außen sich nen Verhaltensweise-Panzer bauen, der automatisch auf Umwelt reagiert, womit aber umgekehrt dann die Leute autistisch werden. In ner hyperaktiven InfoWelt wie unserer trifft das bei sehr vielen zB Akademikern zu. Ansonsten http://wordinfo.info/unit/1018/page:14 – für einige Piraten typisch.
        3. RETROSONANT – oh, mein (selbst gebasteltes) Lieblingswort – das heißt im Einander zum aufbauenden Echo bringenden WECHSELGESANG 🙂

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  • Klischeepunk

    Man soll den Schwarzen nicht Nigger nennen. Den Glatzkopf Nazi/Rassist ist aber schon in Ordnung. Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen.

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