Julia Schramms take-down notice

Julia Schramm hat ein schlechtes Buch geschrieben. So schlecht, dass es wichtig ist, dass es jeder kostenlos lesen kann. Etwa das ist der Bodensatz der aktuellen #klickmich Diskussion auf Twitter. Aber wo ist genau das Problem?

Julia SchrammJulia hat ein Buch geschrieben und den Gerüchten zufolge einen großen Vorschuß bekommen. Dieser hat ihr das Schreiben des Buches möglich gemacht, da sie in der Zeit nicht anderweitig Geld verdienen musste. Dass solche Deals, die große Verlage anbieten können, für Autoren spannend sind ist nicht verwunderlich. Dennoch habe ich im Blogpost „Content-Mafia, die Alternative“ darüber geschrieben. Ihr eBook wurde, wie überraschend, im Internet kostenlos zum angeboten ohne dass der Verlag das wollte. Der Verlag muss auch seine Kosten decken und die Investoren bei Laune halten, die Details könnt ihr meinem Blogpost „Warum ein eBook nicht kostenlos ist“ entnehmen.

Was tat der Verlag? Abmahnen? Die Nutzer ermitteln lassen, die es runter geladen haben? Überwachung des Internets fordern? Nein, er sandte eine take-down notice. Das eBook „klick mich“ wurde von Dropbox offline genommen. Das wars. Sehr unspannend – und ich sehe nicht, wo er sich damit besonders gemein verhalten hat. Dass Wolfgang Ferchl, der Verleger, den Shitstorm jetzt nicht versteht kann ich nachvollziehen. Bücher verkaufen ist sein Geschäftsmodell, er ist kein Pirat. Dennoch hat er des mindeste und günstigste Mittel angewendet. Ich denke, dass ich das gleiche getan hätte.

Als Verleger muss man die Leute (rechtlich) schützen, die einem Rechte lizenzieren. Ob man das ganze Modell grundsätzlich für richtig hält oder nicht ist eine andere Frage. Aber bislang gab es bei den Piraten nie die Forderung, dass alles umsonst sein muss. Kommerzielle Verwertung war immer ein Teil der Vorschläge. Und Dropbox ist ein kommerzieller Dienst – das ist keine nicht-Kommerzielle Nutzung. Eine nicht-Kommerzielle Kopie wäre ein privater torrent-Tacker, ein USB Stick oder ähnliches gewesen. Den hätte der Verlag nie mitbekommen und somit wäre das Problem nie entstanden.

TL;DR
Unterm Strich finde ich ist das ganze viel Lärm um nichts. Julia hat ihre Rechte abgetreten, Sie hat die take-down notice sicher nicht geschickt sondern der Verlag. der Verlag hat keinem der Donwloader auch nur einen Cent kosten entstehen lassen und keine personenbezogenen Daten ermitteln lassen. Und Julia verdient Geld als Autorin. Wo ist das Problem?

Edit: Gast-Absatz von @thecitizen_de:

Noch schöner wäre es allerdings gewesen, wenn der Verlag nicht ohne jegliche zeitliche Verzögerung sofort eine Take-Down-Notice gesandt hätte, sondern sich für eine weitere existierende Möglichkeit entschieden hätte: Uploads „inoffiziell“ zu dulden. Denn das Herunternehmen von sogenannten Raubkopien schützt weder Gewinne noch Autoren, sondern mindert einfach nur die Teilhabe an Wissen und Kultur. Im Gegenteil sollte man anhand dieses Beispiels explizit darauf hinweisen, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung von Werken (und dafür gibt es auch verbreitete, öffentliche Möglichkeiten im Internet) begrüßenswert ist.

  • Es ist gar kein Problem, dass Julia Schramm ein Buch schreibt, dafür gut bezahlt wird, und der Verlag das Buch ganz regulär verkauft (und nicht verschenkt). Ich finde das sogar cool.

    Was traurig ist, dass Beiträge wie dieser Blogpost folgende *Aussagen* geflissentlich weglassen:

    – Die Aussage, dass man als Verlag oder Autor auch nicht-kommerzielle Verbreitung „inoffiziell“ dulden kann. (Man könnte also noch netter sein, als nur die Abmahnung und Kriminalisierung wegzulassen.)
    – Die Aussage, dass nicht-kommerzielle Vervielfältigung aus Piratensicht explizit okay (sogar zu begrüßen) wäre, und den Verkauf nicht tangieren würde (siehe unser Piraten-Grundsatzprogramm).
    – Die Aussage, dass die Takedown-Notice nicht den Verkauf, die Gewinne oder die Autoren schützt, sondern einfach nur die Teilhabe an Wissen und Kultur mindert.

    Das Motiv hinter dem bewussten Weglassen dieser zentralen Aussagen unseres Piraten-Programmes im Zuge in Debattenbeiträgen, wie hier in deinem Blogposting, Enno Lenze, sollte man deswegen hinterfragen. Denn wenn diese Aussagen zusätzlich ebenfalls genannt würden, würde das weder Julia Schramm noch dem Verlag Schaden zufügen. Aber es würde die Urheberrechtsdebatte weiterbringen, und nicht zurückwerfen, wie es dieser nettgemeinte Blogpost leider tut.

  • Ich kritisiere das gar nicht, war ja ganz klar, daß es genau so kommen würde.

    > Und Dropbox ist ein kommerzieller Dienst
    > – das ist keine nicht-Kommerzielle Nutzung.

    Das ist natürlich Quatsch. Das Ding ist ja nicht von Dropbox hochgeladen worden und ich mußte für den Link auch nichts bezahlen.

  • Zwei Punkte, die nicht enorm gravieren sind, aber stören können:
    1.) Julia Schramm musste diesen Vertrag so nicht unterschreiben. Sie hätte auch auf einem Vertrag bestehen können, der erlaubte hätte, dass das Buch online gratis verbreitet werden kann.
    2.) Der Verlag gibt vor, die Autorin selber habe die TakeDown-Notice veranlasst.
    ***
    Und dann: Warum war niemand darauf vorbereitet – z.B. argumentativ?

  • flow

    „Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern […]“

    Die Frage ist schlicht: Kann jemand oben genannte Forderung glaubwürdig vertreten, wenn er/sie gleichzeitig per DMCA eigene Werke vom Netz nehmen lässt (unabhängig davon, dass der Verleger die Notizen verschickt hat: als Autorin und Tantiemenbezieherin ist JS ebenso verantwortlich; gefällt ihr der Vertrag nicht, darf sie ihn nicht unterschreiben) und nicht unerhebliche Summen Geldes von Bertelsmann (Besitzer der RandomHouse Verlagsgruppe) einsteckt? „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, fällt mir da ein.

  • enno

    Liebe bisherigen Kommentatoren: Sorry – habe gerade auf Disqus umgestellt. Eure Kommentare sind nicht weg, sondern in ein paar Minuten (hoffentlich…) wieder hier zu sehen. Das System hier kann ordneltiches threading usw.

  • Kai

    Wo sind die Kommentare hin?

    • enno

      Siehe mein Kommentar gerade 😉 Habe das Kommentarsystem geändert, die werdern gerade importiert. Also Moment abwarten oder nochmal posten (und später halt doppelt haben)

      • Kai

        Alles klar. Sorry für meine Voreiligkeit.

        Ich möchte noch Anmerken, das ihr in eurem Wahlprogramm ausdrücklich das nichtkommerzielle Kopieren gutheißt und sogar fördern wollt. Die Seite http://klickmichdownload.tumblr.com/ hatte keine Werbung und Dropbox trat nicht in Erscheinung weil ein Klick auf den Link sofort einen Download startete.

        Das Julia Geld verdienen will, ist ihr gutes Recht als Autorin des Buches. Das Problem ist dieser Absatz in Eurem Wahlprogramm der den Autoren das Recht nimmt selbst darüber zu entscheiden, wie oder an wen sie ihre Werke kostenlos verteilen wollen.

  • Es gibt herausragende Vordenker der Netzpolitik wie Cory Doctorow, die ihre Bücher unter CC-Lizenz veröffentlichen. Es gibt diverse Bands, die ihre Fans zum Kopieren ihrer Werke auffordern. Und das sind noch nicht mal Piraten.

    Ich erwarte von einem Bundesvorstand zwar nicht zwingend diesen Idealismus, und man muss Julia zugute halten, dass die Bedingungen der Veröffentlichung ihres Buches wahrscheinlich ausgehandelt wurden, bevor sie für den Posten kandidiert hat, aber sie hat sich nun mal mit diesem „Urheberrecht ist ekelhaft“ besonders weit aus dem Fenster gelehnt und bekommt deshalb jetzt zurecht Ärger (nein, sexistische und beleidigende Angriffe sind damit natürlich nicht entschuldigt!)

  • Hi Enno.

    Ich sehe das ähnlich wie du. Viel Lärm um nichts, um einen normalen Geschäftsprozess halt. Was ich nicht verstehen kann: Das Buch ist ja offensichtlich qualitiv eher nicht so dolle, wenn man sich die Rezensionen so durchliest, warum also wollen das so viele plötzlich kostenlos lesen. Das ist irgendwie absurd, denn wenn mich etwas nicht interessiert, dann lese ich es nicht einfach nur nicht, sondern kaufe es auch nicht. Die Scheinheiligkeit liegt da dann doch irgendwie bei den Kritikern.
    Was ich aber noch sagen muss: Der Popcorn Faktor ist unglaublich hoch und die ganze Debatte schon irgendwie unterhaltsam. Einerseits weil Julia eben Julia ist und andererseits, weil sich deswegen so künstlich aufgeregt wird. Wegen einem wohl ziemlich unwichtigen Buch. Keiner kritisiert Julia bei anderen Inhalten und Aussagen, obwohl sie da teilweise sehr angreifbar ist – für mich persönlich gehört sie nicht in den BuVo, aber das denke ich ganz bestimmt nicht wegen ihrem Buch.

    just my 2 ct…

    • Manche lesen es deswegen, damit sie sich nicht vorwerfen lassen müssen, daß man über etwas urteilt, das man nicht kennt. Sozusagen eine Legitimation zum Verriss, den dieses traurige Elaborat zu Recht verdient hat.

      Ein wirtschaftlicher Erfolg wird das Buch trotz des Hypes sowieso nicht werden.

  • Literaturkritiker

    Wenn jemand immer Wasser predigt und dann selbst Wein säuft werden die Menschen wegen der Verlogenheit sauer. Nichts anderes ist hier passiert. Ob das Buch nun mies oder gut ist.
    Anderen stehe ich zu den Weg mit dem Verlag zu gehen, aber jemand der wirklich heftige Wort gegen dieses System in den Mund genommen hat wird an diesen Worten gemessen.

    Was würdet ihr denn davon halten, wenn Jürgen Trittin jetzt plötzlich bei einem Atomkraftbetreiber einen dicken Vertrag unterschreibt?

    Die aktuellen Gesetze geben dem Verlag recht, darum geht es ja gar nicht. Frau Schramm hätte aber auch ganz einfach das Buch kostenlos hochladen können und wäre damit sehr unangreifbar gewesen, sie hätte ich selbst zur Pionierin hochstilisieren können. Von mir aus auch gerne Spenden über flattr und Co. Aber wenn man als lautstarker Gegner von der „contentmafia“ sich selbiger andient dann gibts eben ein Echo.

    Die Piraten wollen es anders machen und viele verändern, wenn sie nichtmal bei sich selbst anfangen dann ist es jetzt schon zum scheitern verurteilt.

  • P

    Ich überlege noch, ob ich das Buch überhaupt lesen werden. Meine Punkte daher nur auf der „Metaebene“:

    Der kolportierte Geld-Betrag ist verdammt hoch. Das solltest auch du wissen. Selbst 10% davon wären noch relativ viel für einen Erstautor. Offensichtlich bestand hier ne ganze Menge Spielraum zum Verhandeln. Interessant wäre gewesen, ob man nicht andere Modelle hätte ausprobieren können. Wie wäre es mit einem vorher frei wählbarem Preis? Gerade bei eBooks hat man da einigen Spielraum. Die Bücher müssen sich bekanntlich ja einfach nur unterscheiden. Wenn die Möglichkeit von Preisunterschieden bei Taschenbuch und Hardcover existieren, muss es ähnliches ja auch bei elektronischen Büchern geben… Je nach Umsetzung dürfte sich der Setzaufwand dabei in Grenzen halten. Das wäre mal ein interessanter innovativer Ansatz gewesen und Bertelsmann (Random House) hätte direkt mal etwas auszuprobieren gehabt. Spannend wäre auch ein Ansatz gewesen, im Nachhinein zu zahlen was es einem wert ist, gern auch mit Preisempfehlung. Wobei ich nicht weiß, ob das dabei der Buchpreisbindung irgendwie möglich gewesen wäre!?

    Zumindest war das Interesse offensichtlich so groß, dass relativ viel Geld geflossen ist. Die Frage die ich mir dabei stelle: Warum war Random House bereit, relativ viel Asche auf den Tisch zu packen?

  • Eine überbewertete Frau (vielleicht weil sie eine Frau in der Piratenpartei ist, die nicht dick und hässlich ist?) die es liebt besonders klug zu klingen, indem Sie als Akademikerin natürlich ganz tolle Wörter kennt und mit diesen auch inflationär um sich schmeisst. Innerhalb der Partei habe ich sie noch nichts brauchbares sagen gehört oder von ihr etwas brauchbares lesen können. Ihre Spackeria ist genauso bekloppt wie ihr Buch.

  • Eine überbewertete Frau (vielleicht weil sie eine Frau in der Piratenpartei ist, die nicht dick und hässlich ist?) die es liebt besonders klug zu klingen, indem Sie als Akademikerin natürlich ganz tolle Wörter kennt und mit diesen auch inflationär um sich schmeisst. Innerhalb der Partei habe ich sie noch nichts brauchbares sagen gehört oder von ihr etwas brauchbares lesen können. Ihre Spackeria ist genauso bekloppt wie ihr Buch.

  • Der Verlag besitzt die Rechte an Julias buch und verbittet sich kostenlose Kopien. So weit, so gut. Das ist verständlich und auch kein bisschen verwerflich.
    Allerdings hat Julia mit ihrer Entscheidung, ihre Rechte an einen Verlag abzutreten, der freies Kopieren des Werkes nicht erlaubt, ABSOLUT GAR NICHTS mehr in der Piratenpartei verloren. Das sind zwei Dinge, die einfach nicht zusammen gehen. Woher kommt nochmal das „Piraten“ in Piratenpartei? Weil sie von Seeräubern gegründet wurde? Wie sollen die Piraten noch glaubwürdig vertreten, dass freies kopieren nicht das Ende der Kultur ist, wenn ein eigenes Vorstandsmitglied nicht mal daran glaubt?!

    • enno

      Das hieße aber auch, dass ich in der Partei nichts mehr verloren habe!? Ich bin Verwerter.

      • Das kommt drauf an. Stellst du dein Zeugs auch kostenlos online? Veröffentlichst du unter CC-Lizenz? Verfolgst du Filesharer? Lässt du abmahnen?

        • enno

          Sorry, aber das klingt etwas naiv. Wie soll ich Werke, an denen ich keine Rechte habe, unter CC-Lizenz stellen!? Also fast alle Bücher beinhalten Fotos, die ich von Fotografen Lizenziert habe. Nicht-Kommerzielles Filesharing abmahnen: War nie nötig, halte ich aber nichts von.

          Ich verstehe aber auch nicht warum jeder, der mit solchen Dingen Geld verdient, nicht gut genug für die Partei ist. Es gibt ja mehr als ein Thema.

          Mal die Gegenfrage: Womit verdienst du dein Geld?

          • Hast schon recht, in der Praxis ist das alles nicht so einfach. Die eigentliche Frage ist, wie sehr bemühst du dich, etwas am Status Quo zu ändern? Bei Julia kann ich absolut gar keinen Widerstand erkennen. Erst das Fressen, dann die Moral.
            (Ich entwickle Software)

          • enno

            Ich bemühe mich regelmäßig, aber leider müssen die Leute ja auch von etwas leben 🙂 Und wir haben es mit diversen Modellen versucht – klappt nicht.
            Du gibts deine Software dann komplett unter cc raus?

  • kommentierender

    Folgende Ausführung im Text oben dürfte nicht unumstritten sein:
    „Aber bislang gab es bei den Piraten nie die Forderung, dass alles
    umsonst sein muss. Kommerzielle Verwertung war immer ein Teil der
    Vorschläge. Und Dropbox ist ein kommerzieller Dienst – das ist keine
    nicht-Kommerzielle Nutzung. Eine nicht-Kommerzielle Kopie wäre ein
    privater torrent-Tacker, ein USB Stick oder ähnliches gewesen. Den hätte
    der Verlag nie mitbekommen und somit wäre das Problem nie entstanden.“

    Das hieße nämlich, dass der Begriff nicht-kommerziell alle öffentlich zugänglichen Dienste (und damit auch z.B. private Homepages) ausschließt. So wird “
    nicht-Kommerzielle Nutzung“ im Allgemeinen aber nicht verstanden. Das ist lediglich die (aus meienr Sicht zu Recht) viel kritisierte Auslegung von „gewerblicher Umfang“, die einige Gerichte verwenden um Auskunftsansprüche bei Urheberrechtsverletzungen zu konstruieren (so in etwa „in gewerblichem Umfang ist alles, was man im Prinzip auch für Geld machen könnte“).

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  • michael shafer

    Enno, Dein Versuch einer Relativierung hier ist eigentlich noch schwerer zu ertragen als die ganze groteske Show die Julia abzieht… „Viel Lärm um nichts“ 🙂 Sorry & Kopfschuetteln!

  • hans

    und so was ist in der Piratenpartei ;( fail