Kreischfrei im Bundestag reden

Ich habe mich nochmal erkundigt welche Technik im Bundestag benutzt wird und wie es zu besserer oder schlechterer Stimme beim Mikrophon Gebrauch kommen kann. Ich möchte mal den Fall, dass jemand absichtlich das Signal dahin „optimiert“ außen vor lassen, denn das geht mit entsprechendem Equipment selbstverständlich.

Wenn man ein Mikrofon benutzt redet man üblicherweise vor vielen Menschen. Da kommt es vor, dass man aufgeregt ist und schneller Atmet. Die meisten Menschen fangen mit schneller Brustatmung an, was schlecht für das Klangbild der Stimme ist, da man einen kleineren Frequenzbereich abdeckt. Und da beginnt immer wieder ein Teufelskreis: Die Leute sind von ihrer Stimme überrascht, denken es klingt nicht gut und gehen vom Mikrofon weg. Dadurch kommt noch weniger der Sprachfrequenzen an und es wird leiser. Der Sound-Ingeneur kann dann versuchen nach zu regeln, aber die fehlenden Frequenzen kann er nicht ausgleichen und das zu leise Signal muss er höher ziehen. Das Signal wird immer schlechter.

Bei vielen der üblichen Mikrofone sind nur im sehr Nahen Bereich zu gebrauchen. Wer mal Freddy Mercury gesehen hat kann beobachten wie dieser das SM58 565 SD Mikro fast frisst. Dieses soll man im Bereich von wenigen Zentimetern direkt vor dem Mund und Wagerecht zum Boden halten. Dazu aus dem Bauch Atmen und immer lächeln. Die Korrekte Handhabung, gerade wenn man aufgeregt ist, ist also durchaus eine Übungssache. Wie sieht es nun aber im Bundestag aus?

Im Bundestag werden Am Rednerpult KEM970 Mikrofone verwendet (was an sich 8 Kondensatormikrofone sind). Dieses kann den Redner bis fast zwei Meter Entfernung aufnehmen. Dafür deckt es nur einen Bereich von 30 Grad (in der Höhe) ab. Somit können die Leute hinter dem Redner tuscheln ohne zu stören. Diese werden an sich nicht eingepegelt sondern sind auf einen üblichen Rednergebrauch (männlich und weiblich) abgestimmt. Ich bin oft live im Bundestag und kenne die Stimmen einiger Politikerinnen unverstärkt, mir ist bisher kein Unterschied aufgefallen, wenn sie am Mikrofon reden.
Die Übertragung im Haus ist über 100v ELA Equipment realisiert. Dieses kennt man aus Durchsageanlagen aus der öffentlichen Verwaltung. Dort sind die Stimmen sogar eher basslastiger. Auch da kann eher keine Kreischoptimierung stattfinden.

Somit bleibt nur als Tip für alle: Bauchatmung üben und normal sprechen. Alles andere regelt der Sound-Ingeneur eures vertrauens. Lieber näher (weniger als 2cm!) ans Mikrofon rangehen, als zu weit. Leiser kann der Toningenieur immer machen.

  • zum abschliessenden tipp bitte noch dazueditieren: „Lieber näher (weniger als 2cm!) ans Mikrofon rangehen, als zu weit. Leiser kann der Toningenieur immer machen“

    und am wichtigsten, beachten Sie IMMER: „Ein Mischpult ist kein Klärwerk. Scheisse rein bedeutet auch Scheisse raus!“

  • Duesenberg

    Freddy benutzte live immer ein shure 565 sd, was eigentlich ein eher sagen wir günstiges Mikrofon ist, aber Freddy hätte auch in ne Tüte Pommes singen können und es hätte einfach geil geklungen.
    Duesenberg