Krieg von der heimischen Couch aus

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Wenn man an der IS-Front ist, sieht man viel und bekommt viele Informationen. Die Leute dort sind extrem offen und erzählen und zeigen unverblümt alles. Aber auch von zuhause kann man einiges sehen und mitbekommen. Gerade zu Kurdistan (Irak) ist die Nachrichtenlage hier oft aus Geldmangel und Desinteresse bei den Redaktionen dünn. Eine lohnenswerte Seite ist FlightRadar24, wenn man ein paar Details kennt. Auf FlightRadar24 sieht man alle Flugzeuge, die (freiwillig) ihren Transponder an haben. Alle zivilen Flugzeuge müssen das, die militärischen Maschinen haben es teilweise, Kampfjets an sich nie. Kampfjets fliegen beim Überführen aber oft mit anderen größeren Transportmaschinen zusammen, welche Techniker und Ersatzteile transportieren, daher ist das praktisch kein großes Problem. Hier sieht man z.B. den „UK-Tanker“ also einen Luftbetanker der britsichen Royal Airforce. Diesen habe ich ab und zu „gesehen“ – er ist in Zypern stationiert, fliegt bis Ramadi, betankt dort die Jets und fliegt zurück nach Zypern. Die kleine RC-12 Huron „US-SigInt“ durfte ich noch live am Erbil International Airport sehen. Dort stehen US-Aufklärungsmaschinen und Kampfjets etwas versteckt abseits der zivilen Flugzeuge. Die Aufklärer sind aber nur kleine Propellermaschinen, in der zivilen Version würden damit so 6-8 Passagiere bequem fliegen. Diese macht den Transponder mal an, mal aus und ist meist irgendwo im Nord-Irak unterwegs.

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RC-12 Huron in Erbil

Immer, wenn man keine zivilen Flugzeuge mehr sieht, werden massiv Luftangriffe geflogen. Der Anflug auf Erbil erfolgt seit einiger Zeit eh schon auf mehr als 6.000 Metern, dann geht es spiralförmig runter zum Flughafen. Selten ist auch der ganze Luftraum dicht, z.B. wenn die russische Luftwaffe vom Iran raus Flugzeuge mit ausgeschaltetem Transponder über den Irak nach Syrien verlegt – oder zurück. Die zivilen Airlines kennen das und erhalten die entsprechende Meldung, sind aber nicht besonders auskunftsfreudig, wenn man sie danach fragt.

In den Medien vor Ort kann man dann nachher das Ergebnis der Angriffe sehen. Hier ist das in trivialer Klick, den ich beim Kaffee vorm Fernseher mache. Danach holt man sich noch ein Eis und guckt lustige Katzenvideos einen Browser-Tab weiter. Ich habe vor Ort die Gegenden gesehen, nachdem die Luftangriffe durch gingen. Das ist, gelinde gesagt, eine andere Welt. Ich frage mich immer, was das mit den Menschen macht, wenn man den Krieg so mitbekommen kann. Stumpft man ab oder wächst das Interesse, weil man mehr mitbekommt?