Krisengebiete – mein eigentliches Thema

Mein Leben begann sicher anders, als das der meisten Deutschen. Mit 5 Jahren hatte ich bereits ein Dutzend Länder gesehen und in Frankreich und Ruanda gelebt. Meine Eltern waren politisch interessiert, mein Vater arbeitete im Europäischen Parlament. Politik war Alltag. Und mir war klar, dass Politik wichtig ist.

Zum anderen war mir schnell klar, dass Kontakte Macht sind. Im Film Hotel Ruanda sieht man gut, dass die jenigen Ruander überlebten, die Kontakte ins Ausland hatten. In Deutschland haben die Leute mit Kontakten einfacher einen guten Job, einen günstigen Kredit oder was auch immer.

Dies sind zwei simple Erkenntnisse, die aber mein Leben lange prägen sollten. Mit etwa 15 Jahren kam ich zum Chaos Computer Club. Das Zentrum der digitalen Macht. Dort trifft man viele spannende Leute, von denen man etwas lernen kann. Und viele, die gut vernetzt sind, oder selber an spannenden Stellen in wichtigen Unternehmen arbeiten. Und die meisten sind politisch interessiert. Hier lernte ich abermals viele Dinge, die sich zwischen spannenden Wahrheiten und wirren Verschwörungstheorien bewegten.

Nach und nach baute ich mein eigenes Netzwerk auf und hielt Kontakt zu Menschen, die in Krisengebieten lebten. Und ich versuchte, die grundlegende Frage zu verstehen: Warum gibt es eigentlich Krisengebiete? Macht, Geld, klar. Aber warum in manchen Gegenden mehr und in manchen weniger? Über den Nordirlandkonflikt habe ich tausende Seiten gelesen und hunderte Stunden Film gesehen. Ich war mehrfach vor Ort und habe mit Veteranen der heißen Zeit geredet und habe, denke ich, viel verstanden.

Ich habe im letzten Jahr Kurdistan-Irak angesehen und war gerade von Metulla bis Masada in Israel. Immer habe ich zugesehen, dass ich Kontakt zu Politikern, „Aufständischen“, Sicherheitsbehörden und/oder dem Militär hatte. Oder wenigstens zu Leuten, denen ich vertraue und die mir die Zusammenhänge erklären können. Immer kam ich mit einem immensen Erkentnissgewinn nach Hause. Und immer wollte ich direkt zurück, um mehr zu erfahren. Alleine die Notwendigkeit Geld zu verdienen hält mich davon immer wieder ab.

Meine Trips für die nächste Zeit habe ich bereits im Kopf: Mali, Kongo, Iran, Balkan; aber die Zeit fehlt. Große Frage ist: Was tue ich nun mit diesem Wissen? Und was hat es mit der aktuellen Lage in Deutschland zu tun? Weltwirtschaft, Flüchtlingsströme, Machtgefüge usw. sind komplexe Dinge und ich habe schnell das Gefühl, eigentlich gar nichts zu wissen. Es ist wie ein 10.000 Teile Puzzle, bei dem man gerade mal 5 Stücke aneinander gereiht hat. Aber diese 5 Stücke sind immens wichtig.

Es gibt viele Dinge, die man selber erlebt haben muss um sie zu verstehen. Wenn man morgens an einem aktiven Mienenfeld stand und man abends eingewiesen wird, wie man sich bei Raketenbeschuss verhalten soll, weiß man, was man an Deutschland hat. Und man kann das komische Gefühl, was man dabei hat, niemandem erklären. Daher zieht es mich immer wieder raus ins Feld.

Wir sitzen hier in der Festung Europa und es geht uns gut. Dazu ließ ich mich auf diesem Blog bereits etliche Male aus. Das Thema Außen- und Sicherheitspolitik war einer der Gründe, warum ich der Piratenpartei beitrat. Aber irgendwie rutsche ich in die Urheberrechtsschiene, weil ich Verleger bin. Das macht mir auch Spaß, aber es bewegt mich bei weitem nicht so emotional. Und mit Urheberrechtsdebatten verändert man die Welt nicht. Das macht man mit Außenpolitik. Ich werde also zusehen, mich dem Thema wieder mehr zu widmen; die Karte spornt mich dabei an. Wer macht mit?

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  • flow

    Dann hast du aber einen sehr engen Urheberrechtsbegriff.

    Ich denke zum Beispiel, dass ein Teil der jetzigen Krisengebiete keine solchen wären, wenn Saatgut, Medikamente und Software nicht einem restriktiven Urheber- und Verwertungsrecht unterlägen.
    (Sorry für’s Mehrfachposting, leichte Schwierigkeiten mit den Tags hier 🙂 )

  • enno

    Guter Punkt, so hatte ich das gar nicht gesehen 🙂 Ich meinte tatsächlich das, was in Deutschland gerade Mainstream Debatte ist.

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