LKA-Mann zeigt einem, wie man Warez sucht

Als Verleger bekomme ich immer wieder Angebote mich zum Thema Urheberrecht, Piraterie und ähnlichem zu informieren. Meist habe ich das Gefühl, dass ich eher informieren muss. So flatterte mir die Werbung einer weiteren „Akademie“ ins Haus.

Im Rahmen der Buchtage Berlin 2009 hatte KHK D… darüber informiert, dass ein illegaler Internetnutzer an einem Tag 30.000 – 60.000 E-Books aus dem Netz herunter laden kann

Gruselig. Gehen wir mal von einer Länge von 200 Seiten und einer Dateigröße von 5MB im Mittel aus. Dann haben wir bis zu 12.000.000 Seiten und 293GB Daten am Tag. Also im Monat rund 360.000.000 Seiten und 9TB Daten. Da muss man zum einen mit rund 30 MBit im Mittel die Leitung glühen lassen, zum anderen wird man recht fix arm an den Festplattenkosten. Und lesen kann man es auch nicht alles. Nichtmal im ganzen Leben.

Aber man kann den Kurs machen und tolle Dinge lernen z.b. „Google Hacking“ und „Zurückverfolgen von IP-Adressen„.

Besonders spannend fand ich aber diesen Punk über den Referenten

(…) so leitet KHK D… beim Landeskriminalamt NRW Ermittlungskommissionen, die sich mit Internetkriminalität befassen (…) Herr D… zeigt Ihnen, wie Sie illegale Tausch-Foren finden können und welche Möglichkeiten der Beweisführung es gibt

Tausch-Foren suche vom Profi erklärt bekommen kann nie schaden, ich finde so Dinger immer nicht. Ich frage mich aber, warum ich als Unternehmer vom LKA-Mann lernen soll, wie ich die Beweisführung machen soll. Dachte das sei deren Job?

Wer noch schwankt, ob er den Kurs besuchen soll. Um illegale eBooks ins Internet zu stellen ist wenig Equipment nötig

Es reicht ein vergleichsweise einfacher Scanner, und das E-Book ist vom Original nicht zu unterscheiden.

Zum einen: Wenn OCR mal so gut funktionieren würde. Zum anderen: Glauben die wirklich man kauft das Papier Buch und scannt es ein?

Für 790€ + Steuern kann ich mir aber bessere Dinge vorstellen zu tun. Also habe ich dieses Angebot mal nicht wahr genommen.

  • Christian

    Also ich war mal als Fachinformatiker Azubi mit unserem Datenschutzbeauftragen auf einer Veranstaltung der lokalen IHK wo es um Wirtschaftsspionage ging.
    Da saß dann jemand vom Verfassungsschutz Niedersachsen der erstmal darüber aufgeklärt hat was ein Botnetz ist, was Command and Control Server tun, etc.
    Das war für mich als Azubi bekannt bzw. alles viel zu oberflächlich. Gerade wenn man selbst schonmal kleine IRC-Botnetze hat hochgehen lassen.
    (Exploits analyisieren, schauen wohin die Verbinden wollen, IRC-Admin rausfinden, Abuse-Mail tippen, Botnetz-IRC-Channel joinen und zuschauen wie die Clients irgendwann eine K-Line bekommen.)

    Interessanter waren da die Geschichte aus der Praxis.
    Z.B. das man niemals unangekündigte chinesische Delegationen in die Firmenräumen lassen sollte. Einer der Angehörigen dieser Delegation wurde dann im F&E-Bereich der Firma an einem Mitarbeiter PC gefunden. Auf die Frage was er dort mache antwortete die er „Fotos per Mail nach Hause schicken.“.

    Oder das man es in einer mittelständischen Firma geschafft hat eine Kernbohrung DURCH die Kelleraußenwand zu machen, sauber isoliert, etc. Dadurch ging dann ein LAN-Kabel das ca. 10cm unter der Rasenfläche zu einer Tupperdose führte die Mitten auf einer Grünfläche vergraben war. Darin? Ein WLAN-Access Point.
    Die Admins konnten dann nur nachvollziehen das über diesen WLAN AP div. Gigabyte an Daten gingen…