Mag man Hitler, nur weil man mit ihm arbeitet?

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Ich habe zwei große Hakenkreuzfahnen, mehrere hundert Bilder von Hitler und kann sein Arbeitszimmer aus dem Kopf auf ein Blatt Papier malen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich Hitler mag oder gar faszinierend finde – ich habe einfach viel mit Geschichte zu tun. Welch grausames Monster Hitler war ist hinlänglich bekannt. Man kann es in Worten nicht ausdrücken – also spare ich mir die Superlative. Beschäftigt man sich mit Hitler oberflächlich, so hat man schnell das Gefühl, dass bereits alles über ihn bekannt ist. Beschäftigt man sich intensiver mit ihm, fallen einem immer mehr Lücken auf. Alleine, dass er den Führerbunker nicht vor dem Zweiten Weltkrieg bauen ließ, sondern eher an dessen Ende (1943), wissen viele nicht. Dabei wirft alleine das sehr viele Fragen auf. Warum befasse ich mich gerade damit? Ich betreibe den Berlin Story Bunker, welcher im „Führer-Sofortprogramm Bunkerbau“ errichtet wurde und bin Verleger des Berlin Story Verlages, der sich mit der Geschichte Berlins beschäftigt. Somit ist Hitler in meinem Berufsleben allgegenwärtig. Inzwischen gibt es im Verlag 21 Büchern und andere Produkte zum Thema „Drittes Reich. Von einem knappen Buch mit zahlreichen Abbildungen für Leser, die gerade beginnen, sich mit dem „Dritten Reich“ zu beschäftigen, bis zum „Hitler – Itinerar“, welches das Leben Hitlers Tag für Tag auf mehr als 2.400 Seiten dokumentiert. Darüber hinaus kommt er in den Bunkerführungen und im Berlin Story Museum vor.

Verdiene ich also an Neonazis oder anderem rechten Pack?

Ich hoffe nicht. Lieber gehe ich in die Privatinsolvenz, als auch nur einen Cent von solchen Menschen anzunehmen. Ich empfehle jedem Rechten statt des Museums die Mülltonne vor der Tür zu besuchen. Ich entferne Leute die „lustige“ rechte Sprüche parat haben eigenhändig aus dem Bunker. Und ich verkaufe keine Produkte an rechten Buchhandlungen oder rechte Versandhäuser. Natürlich sind dieser nach eigener Auffassung nie rechts, sondern „national“ oder „unpolitisch“ oder „für alle deutsch denkenden da“. Nun kamen die ersten Anfragen solcher Versandhäuser für das Hitler Itinerar.

Der Autor hat Jahrzehnt lang akribisch jeden Widerspruch in jedem vorhandenen Bericht und Tagebuch, in jeder Biographie und jedem Zeitungsartikel gesucht. Das Werk ist einmalig und wird von Historikern in höchsten Tönen gelobt, in allen relevanten Medien besprochen.

Das Hitler-Itinerar präsentiert nun eine reine Faktensammlung – ohne Interpretation und ohne Emotionen. Wann war Hitler wo und wie ist er hin und her gereist. Mit wem hat er sich getroffen. Es stellte dabei zum Beispiel sich heraus, dass er häufiger in der Waffenschmiede Krupp war als bisher bekannt.

Das aufwändigste und bedeutendste Projekt, welches wir je im Verlag hatten. Sowohl finanziell als auch personell sind über Monate alle Ressourcen gebunden worden, um dieses Projekt möglich zu machen. Die Kosten wieder einzuspielen wäre wünschenswert – aber nicht durch rechter Käufer dieses Werks. Heute ging folgende Email an verschiedene rechte Versandhäuser, die bei uns bestellt hatten:

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit teile ich Ihnen mit, dass mein Unternehmen keinen geschäftlichen Kontakt mit Ihnen wünscht. Ihre Bestellungen werden nicht bedient.
Enno Lenze

Ein durchschnittlicher Rechter kann mit dem Buch eh nichts anfangen, außer die Bilder auszumalen. Aber dennoch möchte ich über diese Kanäle keinen Kunden bedienen. Natürlich kann ich nicht verhindern, dass solche Leute das Buch dann direkt beim Verlag oder auf anderen Wegen bestellen, aber ich habe mein Bestes getan.

Und wer sich bis hier gefragt hat, was ich mit den eingangs erwähnten Hakenkreuzflaggen mache: Die hängen im Berlin Story Museum im Raum „Drittes Reich“ zwischen der Weimarer Republik und der Teilung Deutschlands. Der Staatsschutz hat dem zugestimmt „für museale Zwecke“ – wie in Deutschen Historischen Museum.