Mein Jahr 2015

enno_lenze_2015

Was wollte ich erreichen, was habe ich erreicht, was hat mich bewegt? Am meisten hat mich sicherlich die Flüchtlingskrise bewegt. Und wie Journalisten-Kollegen merkten, wie die Realität Europa erreicht hat. Warum Journalisten? Nun, die Kollegen, die noch nie live mit richtig verzweifelten Flüchtlingen zu tun hatten, standen auf einmal zwischen der Polizei und den Flüchtlingen. Sie mussten als Schutzschild herhalten und fingen an die hournalistische Distanz, die man so gerne predigt, zu verlieren. Wenn Menschen vor einem verzweifelt um ihre Existenz bangen, einen um ein bisschen Wasser bitten. Auf der anderen Seite die schiere Dummheit und Gewalt von Pegida und dem anderen braunen Pack, welche einem auf den Demos entgegen schlägt. Das sind alles Dinge, die man so bisher aus Deutschland und den Nachbarländern nicht kannte. Auch bei den Unternehmer-Freunden spalteten sich die Geister: während wir unter anderem  5.000 Museumstickets an Flüchtlinge ausgaben, gab es Kollegen, denen die Sorge um entgangene Einnahmen wichtiger waren. Eigentlich war der Plan ja 2015 reich und berühmt zu werden und 2016 in Rente zu gehen, aber dieser Themenkomplex hatte dann doch Vorrang vor dem reinen Geld verdienen.

Januar 2015

 

Das Jahr begann mit dem Lesen von UN-Embargos gegen den Irak, denn meine nächste Reise nach Kurdistan stand an. Diesmal war Tobias Huch (FDP) mit dabei. Dann noch das Combat-1st-Aid Training auffrischen, Schutzausrüstung prüfen und los. Vor Ort kamen wir bis an den Rand Mossuls bis in die Berge zu den Trainingsbereichen der Peschmerga und bis nach Shingal, wo wir Kasim Schesho und seine Familie kennen lernten. Später berichtete ich unter anderem auf der PSC Sicherheitskonferenz in München. Mein Material wurde von Dutzenden Medien benutzt – einige fragten vorher sogar, ob sie das dürfen.
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Februar 2015


Ich traf den Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sprach mit ihm über die Lage in Kurdistan. Seitdem hat er ein Foto von mir und Tobias in seinem Büro. Kurz drauf zog das Buchlager meines Verlages mit mehr als 100.000 Büchern vom Brandenburger Tor zu einem Auslieferer vor den Toren Berlins und mein Verlag zog an das Engelbecken nach Kreuzberg in größere, repräsentative Räume.
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März 2015
museum
Das Berlin Story Museum zieht um in den Berlin Story Bunker. Das gesamte Museum abbauen, die Bunkeretage vorbereiten und verkabeln und alles wieder aufbauen, machte das beste Handwerkerteam der Welt in vier(!) Wochen.
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April 2015
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Nach dem Umzug des Museums, des Buchlagers und des Verlages passierte außer dem Sortieren all dieser Dinge erst mal nichts weiter.
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Mai 2015
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Nach viel Zeit im Büro und Bunker merke ich wieder, wie viel Spaß es macht im Dreckigen nächtelang zu wühlen. Eher ungewohnt: ich werde langsam berühmt und Menschen erkennen mich auf der Straße und sprechen mich an.
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Juni 2015
drohungen
Mit dem Ruhm kommen die Neider und die Zahl der Morddrohungen, Beleidigungen usw. nehmen immer mehr zu. Nach einigem Abwägen habe ich mich dazu entschlossen, einfach alle Drohungen anzuzeigen. Kostet einige Zeit, aber zeigt Wirkung.
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Juli 2015
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Ich bin erneut nach Kurdistan gereist. Dieses Mal habe ich eine Woche beim Politiker und Kriegshelden Kaka Hama gewohnt. Ich habe immer mehr Vorträge zu Flüchtlingen, Politik, dem IS und Kurdistan an Unis, Schulen, Botschaften und Unternehmen gehalten.
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August 2015
gruppe_bunkerDie Lange Nacht der Museen stand im Berlin Story Museum an. Obwohl ich nur alleine auf dem Handy getwittert habe, waren wir unter den Top 3 der Social Media Charts zum Hashtag #LNBerlin. Viel überraschender: Wir gehörten zu den Top 10 Museen mit knapp 5.000 Besuchern in 6 Stunden. Das Museum ist fast geplatzt. Ich habe mein Video „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ aufgenommen, welches inzwischen mehr als fünf Millionen Menschen sahen. Dafür erhielt ich viel Lob – unter anderem vom Mousse T. und von „Quaith“ aus „the Game of Thrones“
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September 2015
museum-bunker
Für das Berlin Story Museum verschenken wir 5.000 „Refugee welcome“ Tickets, welche von Visit Berlin an die Flüchtlingsunterkünfte verteilt wurden. Die Topseller DVD über die Geschichte Berlins „the making of Berlin“ wird von Freiwilligen auf Arabisch übersetzt und ist seitdem kostenlos online verfügbar.
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Oktober 2015
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Das berühmteste Zeitungscover des Jahres. Der Tagesspiegel: „Flüchtlingskrise wird zur Chefsache“ und dazu ein Foto von Hitler. Doch noch darüber ist rechts Werbung für das Buch „85 Jahre Konnopke’s Imbiss“, welches in meinem Verlag erschienen ist. Ich schrieb auch die „FAQ für besorgte Bürger„, welche inzwischen mehr als 250.000 Leute gelesen habe.
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November 2015
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Ich traf Cem Özdemir (Die Grünen) und habe mit ihm über die Lage in Kurdistan, Flüchtlinge und den IS gesprochen. Wird sicher nicht unser letztes Gespräch dazu gewesen sein. Während wir sprachen, kam die Nachricht aus Paris, dass es terroristische Anschläge und eine Geiselnahme gab. Ich flog Tage später dort hin und verpasste den nächsten Anschlag nur um einige hundert Meter, als ich am Stadion war. Später besuchte ich die Militär- und Sicherheitsmesse MiliPol.
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Dezember 2015
20150813 interview rudaw
Interviews, Vorträge, der 32. Chaos Communication Congress und die Bilanz des Jahres gezogen:

  • 100.000 Bücher Produziert
  • 4 Ausstellungen geplant
  • 900 qm Bunker erschlossen
  • einen schweren Verkehrsunfall in Kurdistan gut überstanden
  • Vom IS Beschossen worden mit Scharfschützen und Granaten
  • 200 Morddrohungen erhalten
  • 20 Vorträge gehalten
  • Dutzende Interviews gegeben
  • herman

    lame aber bitte nicht anzeigen!

    • hannes

      vorsicht der ist Berühmt!