Mein Panel im Rahmen der Berlin Music Week

Vor einigen Wochen fragte mich Dr. Martin Jungmann vom Verein unabhängiger Musikunternehmen (VUT), ob ich nicht Lust hätte auf der Indie Week im Rahmen der Berlin Music Week bei einem Panel im Groben zum Thema Netzgemeinde und Urheberrecht zu sitzen. Na klar! Der Titel des Podiums wurde „DER GROSSE GRABEN GEHÖRT DA NICHT HIN – Metadiskurs mit der Netzgemeinde, die es nicht gibt„. Mit mir saßen auf dem Podium Nina George (Bestsellerautorin und Gründerin von „JA zum Urheberrecht“), Oke Göttlich (finetunes), Sascha Kösch (de:bug) sowie Nico Lumma (Social Media König und D64). Das ganze wurde von Johnny Haeusler moderiert, seines Zeichens ehemaliger Zeitungsausträger und heutiger re:publica organisator und Betreiber von Spreeblick.com.

Im Großen und Ganzen also eine Runde von alten bekannten. Dieser Verdacht erhärtete sich durch Marcel Weiss und Stefan Herwig im Publikum.

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VUT Indie Awards Verleihung

In der Runde kannten natürlich alle die Seit Jahren andauernden Streitigkeiten zwischen Urhebern, Konsumenten, Verwertern und allem dazwischen. Die Frage war also eher: Und wo kommt dieser Graben her, wo verläuft er und was machen wir nun? Was mir im Kopf an Positionen hängen bliebt:

Nina sah ein großes Problem im Filesharing, da ihr aktuelles Buch ca. 100.000 mal gekauft, aber ca. 200.000 mal unlizenziert verteilt wurde. Diese Zahl ließ mich stutzen. Verlässliche Zahlen aus dem Filesharing gibt es nach wie vor nicht. Zum anderne hieße das ja, dass bei einem Mainstreambuch der Normalfall die unlizenzierte Kopie ist, der seltenere Fall der legale Erwerb. In keiner meiner Peergroups (nicht mal bei den Piraten oder bei den Warez Leuten) kann ich das bestätigen. Bei „normalen“ Mensch eh nicht. Zum anderen bemängelte Sie die unfaire Verteilung von diversen Urheberrechtsabgaben. So zum Beispiel, dass einige eBook-Reader Hersteller Abgaben nicht zahlen können, da sie keine Rückstellungen gebildet haben und mit Insolvenz drohten, wenn sie diese nun zahlen müssten.

Sascha hatte den Vorschlag einer Art besseren GEMA für Texte. Jeder Autor lässt seine Texte nur darüber verwerten. Man erhält pro Zeichen/Zeile/Seite und pro Veröffentlichtes Exemplar immer den gleichen Satz. Somit ist das System fair und einfach nachzuvollziehen. Für mich als Verleger würde sich dadurch nicht viel ändern, nur dass ich eben von der Gesellschaft statt vom Autoren lizenziere. Sein Argument, dass ich dann die Autoren nicht mehr Ausbeuten könne konnte ich jedoch nicht teilen. Meine wirtschaftliche Macht endet an der Schreibtischkante. Autoren, die mir ein Buch anbieten können dieses auch gut bei 2-3 Mitbewerbern anbieten und haben somit eine Position, bei der sie ein einzelner Verlag nicht einfach ausbeuten kann.

Oke war der Meinung, dass die Branche durch das sehr Rabiate auftreten gegen Filesharer vor vielen Jahren viel verbrannte Erde hinterlassen hat, dass es aber inzwischen besser ist und dass auch die legalen Angebote immer besser werden. Zu den Streamingdiensten erklärte er, dass man davon sicher nicht reich wird. Aber man kann Konsumenten für wenig Geld eine alternative zum unerlaubten Filesharing bieten und sie somit nach und nach in die kommerziellen Angebote ziehen. Diesen Aspekt hatte ich bisher übersehen.

Bei Nico mussten wir zunächst klären, ob er kompetent genug für dieses Thema ist, oder ob wir besser seine Frau fragen sollten, da diese Juristin ist. Nachdem wir ihn für Kompetent befanden erklärte er wie schwierig es ist Kindern DRM zu erklären – warum kann man das Auf Gerät A legal gekaufte Video nicht auf Gerät B gucken? Ansonsten war er auch der Meinung, dass man ein paar Dinge am Urheberrecht anpassen muss, dass man aber auch erstmal wissen muss, wo man denn hin will.

Ich bin immer noch der Meinung, dass unerlaubtes Filesharing in einigen Bereichen zu geringeren Einnahmen führt, aber dass es keine Gefahr für die Branche ist. Die legalen Angebote sind einfach sehr gut und bequem geworden. Ich heute fast alle Musik, Filme und Serien über wenige große Anbieter bekommen. Mein Hauptptoblem sind immer noch die künstlichen Grenzen durch DRM oder durch virtuelle Landesgrenzen. Wenn ich zum Beispiel von Amazon Video on Demand oder Netflix eine Serie gucken möchte, dann muss ich dies über einen Tunnelanbieter in die USA machen.

Ein richtiges Fazit hatten wir am Ende nicht, aber in vielen Punkten sahen wir es ähnlich: Man muss weiter miteinander reden und die verhärteten Fronten abbauen.