Monitor setzt seine Kampagne fort

Das ARD Format Monitor fiel im Januar negativ auf, da sie mit einem sehr frei gestalteten Bericht über die deutschen Waffen bei den Peschmerga suggerierten, es sei völlig unklar, wo diese verblieben seien. Ich war damals vor Ort und konnte ohne Probleme die Waffen sehen. Monitor selber war zu dem Zeitpunkt nicht vor Ort gewesen und hatte nicht mit dem Peschmergaministerium oder der Vertretung der kurdischen Regionalregierung (KRG) gesprochen.

Smoke over Shingal

Peschmerga in Shingal

Der Bericht vom Januar hat dem Ansehen der ARD in Kurdistan massiv geschadet. Ich hatte vor Ort mit vielen Menschen auf der Straße, Soldaten und Politikern gesprochen. Viele waren außer sich über diese Schmutzkampagne gegen sie.

Für den Bericht von gestern schickten sie ein offensichtlich mutiges Team nach Shingal und südlich von Kirkuk, wirklich an die Front. Die Aufnahmen sind beeindruckend, die Schlussfolgerungen nicht. Die YPG, PKK und HPS Leisten vor Ort natürlich gute Arbeit, aber davon wird die Arbeit der Peschmerga nicht schlechter.

Vor Ort kämpfen verschiedene kurdische Truppen gegen den IS, die sich untereinander oft nicht mögen. Gerade die YPG/PKK und die Peschmerga kämpfen nur selten zusammen und werfen sich oft gegenseitig alles mögliche vor. Wenn man also eine Seite mit schweren Vorwürfen interviewt, dann sollte man dem die andere Seite der Geschichte gegenüber stellen oder es entsprechend kommentieren. Beides passiert bei Monitor nicht. So erzählt ein PKK-Kämpfer (oder ist es YPG? Man scheint das bei Monitor nicht zu unterscheiden), dass die Peschmerga in Shingal ca. 30 Jesiden erschossen haben, weil diese Ihnen ihre Waffen nicht geben wollten. Das widerspricht meinen Gesprächen mit den Jesiden im Januar. Aber auch ich war in der Situation von der berichtet wird nicht dabei. Ich würde einen solchen Vorwurf aber nicht einfach stehen lassen, sondern mal hinterfragen.

Anschließend werden die Peschmerga diskreditiert: Sie stehen 1km weg von der Front, kämpfen nicht, wollen sich nicht filmen lassen. Ich habe ohne Probleme den Geheimdienst Asayesh sowie Peschmerga (auch jesidische) in Shingal bei der Arbeit gefilmt. Die Truppen von Kasim Schesho (jedisische Peschmerga) haben zweifelsohne in erster Reihe gegen die ISIS gekämpft, auch das ignoriert man. Insgesamt kommen die Jesiden selber im Bericht fast nicht zu Wort, obwohl es um sie geht. Auch hier gibt es mindestens zwei Lager: Die hinter Heydar Schesho (kritisch gegenüber der KRG) und die hinter seinem Onkel Kasim Schesho (pro KRG). Dann erwarte ich für meinen Rundfunkbeitrag aber auch, dass man beide Geschichten erzählen lässt.

Auch formuliert man etwas unklar, dass die Peschmerga deutsche Waffen bekamen, um einen Genozid an den Jesiden zu verhindern, dass es aber dennoch einen gab. Ein interessantes Details daran fehlt: Die Waffenlieferungen an die Peschmerga waren eine Folge des Genozids – sie wurden also später geliefert und seitdem gab es keinen (weiteren) Genozid.

Talking to Gouverneur Najmaldin Karim

Im Gespräch mit dem Gouverneur Dr. Najmaldin Karim

Zu guter Letzt interviewt man Dr. Karim, den Gouverneur von Kirkuk. Ihn kenne ich gut von einem gemeinsamen Tee + Kuchen-Treffen, bei dem wir uns über gemeinsame Bekannte und die Geschichte Kurdistans unterhalten konnten. Er wird im Bericht als „Neutral“ gegenüber der PKK dargestellt, was leider nicht stimmt. Er ist Politiker der (kleineren) Regierungspartei PUK, welche Gegner (historisch auch durchaus Feind) der (größeren) Regierungspartei PdK ist. Er wettert oft gegen sie und wollte die schiitischen Milizen nach Kurdistan lassen, welche von der PdK als Gegner betrachtet werden. Ihm in dieser Frage Neutralität zu unterstellen zeigt, dass man entweder keine Ahnung hat oder Blödsinn redet. Was Dr. Karim sagt ist in dem Fall nicht falsch, aber es ist auch sehr allgemein.

Es scheint, als sei die Monitor-Redaktion nun bockig und wolle nochmal hinterher treten. Am Ende kommt dann noch kurz der formale Hinweis, dass man jetzt nicht beide Seiten gezeigt hat und der Krieg kompliziert sei. Netter Versuch, aber er wird nicht angerechnet.