Quote oder frei wählen?

Im Gemüse sind alle gleich

Immer, wenn es Ämter zu holen gibt, geht es in Parteien rund. In jeder auf ihre Art. Ein Dauerthema bei den Piraten ist die Geschlechterverteilung. Derzeit sind in den Piraten-Fraktionen signifikant mehr Männer als Frauen vertreten. Bei anderen Parteien sieht das durchaus anders aus. Über das „Warum?“ kann ich nur spekulieren. Es heißt oft, dass Männer eher Männer wählen und Frauen in der Partei unterrepräsentiert sind. Die letzte Schätzung, die ich gehört habe, lag bei 20% Frauenanteil. Könnte hinkommen. Bei den Aufstellungsversammlungen braucht man meist 50% der Stimmen, um einen Listenplatz zu ergattern. Demnach könnte diese Rechnung hinkommen. Aber somit ist jede Gruppe, die zu unter 50% repräsentiert ist, gefährdet nicht reinzukommen. Wir haben zumindest in NRW einen Schwerbehinderten. Wir haben auch Homosexuelle, Veganer, Polyamore und ähnliche Gruppen vertreten, die vermutlich nicht über 50% der Piraten ausmachen. Aber entweder ist es den Wählern egal oder sie wissen es nicht – wobei eine Frau ihr Geschlecht wohl kaum verstecken kann, selbst wenn sie es aus irgendwelchen Gründen wollte.

Nun gab es verschiedene Ideen, wie man den Frauenanteil erhöhen kann. Zwei Listen, die im Reißverschlussverfahren benutzt werden, die Plätze getrennt nach Geschlechtern wählen usw. Nur sehe ich bei allen ein Problem: Immer bevorzugt man ein Geschlecht gegenüber einem anderen und spricht von Gleichberechtigung. Ich finde es nicht gleichberechtigt, wenn man jemanden bevorzugt. Egal wie, egal wen. Man kann es je nach Gruppe Minderheitenschutz, Quote oder auch anders nennen, aber bitte nicht Gleichberechtigung. Rechteverwerter sind in der Partei auch rar und, soweit ich weiß, bisher in keinem Parlament vertreten. Und das finde ich als Rechteverwerter völlig ok.

Andersherum habe ich bei den Diskussionen immer das Gefühl, dass man mir nicht zutraut, „richtig“ wählen zu können. In einer Demokratie darf jeder frei wählen. Und zwar jeden, der antritt. Wenn man ein System etabliert, bei dem bestimmte Gruppen bessergestellt werden, weil man Sorge hat, sie schneiden sonst schlecht ab, dann ist das meiner Meinung nach nicht mehr demokratisch.

Für mich war das Geschlecht nie ein relevantes Wahlkriterium. Nun beginnt eine Diskussion, in der mich Leute davon überzeugen wollen, vor meine bisherigen Kriterien (vor allem Vertrauen in die Person, die ich wähle) das Geschlecht zu stellen. Das möchte ich mir von keiner Seite aufdrücken lassen.

Ergänzung:
Ich denke das Problem, welches wir haben, ist ein anderes. Frauen bleiben uns nicht fern, weil das Klima nicht passt. Ganz viele gute Leute bleiben uns fern. Und so lange man nicht einfach alle Trolle, Diskriminatoren und Shitstormer (hieß das nicht mal Flamewar?)  ignorieren ändert sich das nicht. Daher meine ich, wir sollten da ansetzten. Die Zeit die gerade mit der „Quote“ Diskussion drauf geht könnten wir zusammen sinnvoll nutzen. Zu guter Letzt habe ich das Gefühl, dass keine Seite mit einer wie auch immer gearteten Quote wirklich zufrieden ist, es hat nur niemand eine bessere Lösung zur Hand. Nachhaltig ein besseres Klima schaffen hilft uns allen.

  • Vielen Dank Enno für den Blogpost. Dem kann ich zustimmen. Gerade auch dein letzter Absatz. Erlebe ich auch so – von Piratinnen..