Raubkopierer sind so unpassend wie Content Mafia

Die Piraten regen sich gerne über den Begriff „Raubkopierer“ auf. Oder sie sagen selber überspitzt „Raubmordkopierer„. §249 des Strafgesetzbuches definiert Raub als

Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen (…)

Im Grunde wird also bei einer „Raubkopie“ gar nichts geraubt: Es ist später mehr da, niemand wurde bedroht, niemand hat einen Schaden erlitten. Es ist nur jemandem (potentiell) Gewinn entgangen. Deshalb rede ich immer von „unlizenzierten Kopien„. Dennoch ist der Begriff vom Raubkopierer heute weit verbreitet und in seiner Verwendung relativ klar definiert.

Auf der anderen Seite steht der Begriff der „Content Mafia„. Ich versuchte ein paar Mal, eine Definition dafür zu bekommen. Im Groben geht es um Rechteverwerter, die veraltete Geschäftsmodelle haben und diese mit einem Heer von Anwälten durchboxen. Manchmal sind es aber auch Rechteverwerter an sich. Oder Verleger, die nicht mal zwingend Rechteverwerter sein müssen, es gibt auch Eigenverlage.

Zum anderen ist die Mafia eher weniger für ihre Anwälte und mehr für ihre körperliche Gewalt bekannt. Ich habe auch im Piratenumfeld in mehreren Diskussionen versucht, eine Definition zu bekommen. Aber liefern konnte mir niemand eine. Ich werde in letzter Zeit bei den Gesprächen oft gefragt, was denn die „Content Mafia“ sei. Ich kann die Frage einfach nicht klar beantworten.

Wer einen sachlichen Dialog führen möchte, der kann nicht gegen „Raubkopierer„, aber für die „Content Mafia“ als Begriff sein, denn dann können wir uns auch Beavis und Butthead nennen. Aber ich möchte kein Gebashe auf den Podien. Wir haben keinen „Kampf“ zwischen „Netzpiraten“ und „la Familia“. Solche Begrifflichkeiten implizieren, dass es auf Dauer einen Gewinner und einen Verlierer geben müsste. Ich möchte jedoch einen Dialog zwischen allen, die, in welcher Form auch immer, davon betroffen sind, seien es nun Urheber, Konsumenten, Verlage oder andere Rechteverwerter. Am Ende dieses Dialoges sollte ein Vertriebsmodell stehen, mit dem alle Beteiligten gut leben können.

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Bild von: Blackmoor Vituperative

  • Die Sachlichkeit ehrt doch und ich denke, für einen Dialog ist die notwendig. Ich muss zugeben, ich könnte die nicht aufbringen, denn man kann den Contentmafia-Begriff natürlich scharf an der Gewaltfrage aufmachen, aber ich denke, das mafiös-korrupte (hihi), das eben die Politik infiltriert und das sich über die ganz gewöhnliche Eine Hand wäscht die andere-Mechanismen die Gesetze schreiben lässt, ist durchaus eine Struktur, die kriminelle Assoziationen rechtfertigt. Nimmt man dazu, in welchem Verhältnis gesamtgesellschaftlicher Nutzen/Anteil an der Wertschöpfung und die geforderten Grundrechtseinschnitte stehen, haben wir eine klassische Wag the Dog-Situation, in der eine privilegierte Minderheit ihre Partikularinteressen durchsetzt.

    Was ich aber denke: man kann nicht alle in den Topf werfen, das ist eher die Polemikfalle, in die man rennt.