Rüstungsindustrie in Deutschland

Wir sind zwar nicht Rüstungsexportweltmeister, aber noch weit oben dabei. Heckler und Kochs MP5 und MP7 in den verschiedenen Varianten wird auf der ganzen Welt von Spezialeinheiten benutzt. MAN baut die Gestelle für kleinere Raketen, Züblin hat Saddams Rakatenabschussrampen gebaut und Kolb einen Teil seines Giftgasprogrammes. Aber nicht nur so Kleinkram wird hier entwickelt. Bei der EADS werden Lenkflugkörper immer besser, tolle Ramsys Container können auf einem schwankenden Schiff das Ziel im Auge behalten und die Radaranlagen erkennen einen Torpedo auch im Zickzack.

Das Land der Dichter und Denker – also in diesem Fall eher der Denker. Aber warum sind wir auf diesen Wirtschaftszweig nicht stolz? Warum sagt Merkel nicht „Wir haben die Rüstungsexporte um 100% gesteigert?„. Irgendwie ist es einem dann doch unangenehm. Auch Leute, die in meinem Umfeld bei der EADS oder DuPont arbeiten werden nicht müde mir zu erzählen, dass das mit Rüstung ja nichts zu tun hat. Kevlar habe ich auch im meiner Motorradkleidung und Stealthlacke benutzt man auch ähh… für… Dinge. Lückenlos argumentiert!

Wir haben also einen starken Wirtschaftszweig, auf dem wir weltweit anerkannt sind, auf dem wir (fast) Exportweltmeister sind, aber niemand steht dazu. Warum haben wir es dann? So sichern wir ca. 80.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Und um unsere Wirtschaft am Leben zu halten, brauchen wir den Export. Außerdem brauchen gerade die dritte Welt-Länder Waffen, und so bekommen wir sie wieder in die Abhängigkeit. Solange sie untereinander Kriege führen, sind wir hier sicher. Unsere Freiheit wird nicht am Hindukusch verteidigt, sondern unser Wohlstand in Afrika gesichert. Die „Festung Europa“ ist das Land der Glückseeligen, das Paradies oder wie man es sonst nennen mag. Das Schlimmste, was einem in Deutschland passieren kann, ist, dass andere einem die Miete, das Essen und den Arzt zahlen. Auch Fernsehen und Telefon gehören zu dem, was einem gesetzlich zu steht.

In vielen Teilen der Welt ist das anders. Diese Leute möchten gerne zu uns. Wir wollen das nicht. Oder würdest du ab morgen eine Familie bei dir beherbergen und sie zumindest mit einem Minimum an Reis und Wasser versorgen? Niemand hier möchte das so wirklich. Denn immer, wenn wir ihnen helfen, müssen wir etwas von unserem Reichtum abgeben. Wir können die Welt nicht besser machen, ohne einiges von unserem Luxus abzugeben. Also bleiben wir bei einer Unicef-Spende zu Weihnachten. Und von dem restlichen Geld halten wir die Grenzen dicht. In der Adria ertrinken regelmäßig Flüchtlinge aus Nordafrika, welche wir mit Rüstungsgütern wie Booten und Schusswaffen von uns fern halten wollen. Und schon hat die lokale Wirtschaft wieder Aufträge. Ein Perpetuum Mobile, wie es perverser kaum auszudenken geht.

Im Irak hörte ich den Satz „Of what use is an Iraqi passport? Its valid from here to the border„. Das brachte mich auch zum Nachdenken. Mein Pass endet nicht an der Grenze, mit ihm steht mir fast die ganze Welt offen. Der Irak exportiert fast keine Waffen. Die größten Rüstungsexporteure der Welt sind die USA, Russland und vier europäische Staaten. Alle diese Staaten haben eine gute Wirtschaft, die besten Demokratien, die man für Geld kaufen kann, und Bürger, die weit reisen können. Es scheint also ein Zusammenhang zwischen den Waffen, dem Wohlstand und der Anerkennung auf der Welt zu bestehten.

Und solange man mit Krieg zu Luxus kommt, wird es so weiter gehen. Leider wird es wohl keine Partei schaffen, diesen Umstand zu ändern. Denn bei Arbeitsplätzen hört der Spaß in Deutschland auf.

  • nele

    Das ist ein sehr spannendes Thema! … Mir fällt dazu ein, dass es ist für Parteien ja auch nicht von Interesse ist die Waffenproduktion und den Waffenhandel einzuschränken. Parteien bestehen ja auch nur aus Menschen und diese Menschen verhalten sich so wie es natürlich ist. Zusätzlich kann man festhalten, dass nicht unbedingt die Intellektuellsten in die Politik gehen und so ist es doch relativ verständlich, dass erst das Fressen (was auch immer das gerade sein mag) und dann die Moral kommt. Ich hab leider keine Daten zu Deutschland, aber wenigstens in den USA lässt sich relative gut nachvollziehen wie sich Spenden an politische Parteien an den wirtschaftlichen Erfolg von Blackwater und Halliburton knüpfen. Wenn man jetzt kein Idealist ist, wäre es doch am einfachsten von diesem System zu profitieren und sich anzuschliessen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die Dinge die HK produziert immer noch nicht so populär sind wie eine AK 47 (wo auch immer die gerade produziert wird). Es gibt also noch viel Raum zum expandieren.