Söldner – die unbekannten Wesen

Teuerster Teil von Recherchen sind auf Dauer nicht mal die Reisen, sondern die Telefonate. Eine Minute zu Satellitentelefonen wie Thuraya kostet mich rund 10€. Satellitentelefone sind im nationalen Vergleich recht sicher, da die nationalen Behörden diese oft nicht selber abgehört bekommen. Für internationale Nachrichtendienste, die solche Anbieter deutlich einfacher abhören können, gibt es bei unseren Telefonaten wohl wenig Neuigkeiten. Daher eignen sich Satellitentelefone für alle Leute, die in diesem Bereich unterwegs sind; mir wäre eine Festnetznummer auf Dauer lieber 😉

panzer-symbolbild

In letzter Zeit habe ich mit einem Piloten aus dem ehemaligen Ostblock gesprochen, der für ein Sonderluftfrachtunternehmen flog sowie mit britischen Geschäftsleuten, die zusammen mit Amerikanern (Ex-)Soldaten für besondere Einsätze zusammenstellen.

Mein aktuelles Thema sind Söldner. Dieses Thema ist weit, kompliziert und undurchsichtig, wie eigentlich alles, was mit Kriegen und Krisengebieten zu tun hat. Und wie so oft hat die Medaille zwei Seiten. Ich bin nicht grundsätzlich gegen den Einsatz von Söldnern oder gegen ihr Handwerk, es kommt aber sehr darauf an, wie und wo sie eingesetzt werden. Da ich immer wieder auf verschiedene Punkte angesprochen werde, versuche ich diese mal hier zu erklären:

Warum gibt es Söldner?
Kriege kommen und gehen. Mal braucht man viele Soldaten, mal wenige. Da liegt es aus wirtschaftlicher Sicht auf der Hand Truppen zu haben, die flexibel einsetzbar sind und die man gegen Geld buchen kann. Heute kommt dazu, dass man als Staat den schwarzen Peter an die Private Military Companies (PMCs) weitergeben und seine Hände in Unschuld waschen kann.

Mit welcher Motivation wird man Söldner?
Je nach Herkunftsland ist es die Abenteuerlust oder das Geld. Während die britischen und sehr wenigen deutschen Söldner eher das Abenteuer und neue Einsätze suchen (sie haben ja eher wenige in der Armee), kann man die Söldner aus Fidshi, Nepal, Uganda, Bangladesh usw. mit Geld locken. Was für die einen ein fürstliches Gehalt ist, ist für die anderen eher ein Durchschnittsverdienst. Während oft die Gerüchte von 20.000€ und mehr im Monat die Runde machen, habe ich selten Leute gesprochen, die mehr als 5.000 US$ im Monat verdienen. Die 3.-Welt-Söldner gerne auch unter 1.000 US$/Monat und ohne Urlaub zu haben.

Wie bekommt man einen Job?
Während man in den alten Fremdenlegionsfilmen sieht, wie man auf der Straße zwielichtige Gestalten anwirbt, ist es heute eher von Beziehungen abhängig. Die USA sind der große Player (immer wieder zusammen mit den Briten) und in Afrika auch die südafrikanischen Unternehmen, an denen aber immer wieder Briten oder Amerikaner beteiligt sind. Wenn man jemanden kennt, der mit jemandem gedient hat, der so ein Unternehmen betreibt, dann kommt man rein. Oder wenn ein Vorgesetzter einen vermittelt. Die Initiativbewerbung als nicht Ex-SAS oder Ex-Special Forces Mann ist dagegen z.B. schwieriger.

Wo werden die Leute ausgebildet?
Wenn man normaler Soldat ist, kann man zwar grundsätzlich mit dem heimischen Equipment umgehen, hat aber keine Einsatzerfahrung. Gerade die Leute aus den ärmeren asiatischen Gebieten haben immer wieder bei UN-Einsätzen gelernt, wie es im Krieg zugeht; die Amerikaner und Briten haben es in den großen Kriegen wie zuletzt Afghanistan oder im Irak gelernt.

Für die einzelnen Einsätze wird man dann noch einige Wochen geschult. Man muss das Team kennen, das Vorgehen, die Waffen und Fahrzeuge usw. Häufig arbeitet man auch mit (billigen) Kräften vor Ort zusammen, mit denen man die Zusammenarbeit abstimmen muss.

Wer bucht Söldner?
Es kommt drauf an, wie man Söldner genau definiert. Das Ausschreiben von UN-Mandaten und den Zuschlag der oft armen Staaten gegen harte Devisen kann man so sehen; ich denke allerdings eher an Leute, die ihre Macht sichern oder an diese kommen wollen. Wenn man z.B. Präsident eines Krisenstaates ist, ein schlecht bezahltes Militär hat und ein Putsch droht (oder einfach andere Truppen die Macht haben wollen), dann braucht man schnell fähige Leute. Hier kann man ein kleines Team von Söldnern buchen und diese die Führung des Feindes töten lassen oder eigene Truppen trainieren oder komplett führen lassen.

Wie viele Söldner bucht man so?
Oft ist das Team sehr klein. Man hat z.B. 10-20 Experten aus dem eigenen Land, die holen sich noch 30-100 Experten aus der Gegend des Zielgebietes und ggf. noch „Fußvolk“ von vor Ort. Wirklich große Söldnertruppen sind eher selten. Dazu holt man sich Luftfahrzeuge mit Crew, die gerade in Afrika nicht selten aus Piloten und Flugzeugen aus dem ehemaligen Ostblock bestehen.

Wie ist das ganze rechtlich?
Das ist kompliziert. Oft ist es gar nicht illegal, solche Firmen zu betreiben, solange man die Einsätze nur für das Ausland anbietet. Im Zielland herrscht eh Chaos und solange man auf der Seite des Siegers steht, wird einem auch dort nicht passieren.

Was sagen die Nachrichtendienste?
Die Nachrichtendienste bekommen solche Einsätze eigentlich immer mit. Frage ist: Was sollen sie groß tun? Wenn der BND z.B. mitbekommt, dass eine US-Firma in Nigeria Einsätze fliegt, dann interessiert das in keinem der beteiligten Länder jemanden. Eher halten sie mal engeren, mal weiteren Kontakt zu den PMCs, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Über was für eine Ausrüstung verfügen die PMCs?
An eigener Ausrüstung gibt es oft nur Waffen und Schutzausrüstung bis zur Größe von Maschinengewehren und Granaten, dazu gepanzerte Fahrzeuge und kleinere Flugzeuge. Dazu gemietet werden kleinere Panzer (Größenordnung von BMP-2), gerade in Afrika Mi-24 Hind Helikopter (ich habe immer wieder das Gefühl, die gibt’s da so oft wie hier Sixt-Stationen) sowie größere Flugzeuge wie AN-124 oder IL-76. Da immer wieder mit Regierungen zusammengearbeitet wird, kann man weitere Unterstützer durch Kampfjets, Panzer oder schwere Artillerie bekommen.

Wie sieht so ein Einsatz aus?
In den 90ern gab es in Sierra Leone einen Krieg zwischen den RUF-Milizen und den Regierungstruppen. Die RUF waren üble, menschenverachtende Leute, die vor allem durch die tausendfachen Verstümmlungen und massiven Drogenkonsum bekannt wurden. Die Regierungstruppen waren zu schlecht ausgebildet und durch unregelmäßige Zahlungen demotiviert und haben immer wieder selber geplündert, um über die Runden zu kommen. Eine britisch-südafrikanische Firma bekam den Auftrag von der Regierung, gegen die RUF vorzugehen. Sie kamen mit ca. 200 Leuten in das Land, bildeten vor Ort weitere Soldaten (ca. 2.000-3.000) fort und bekamen Hilfe durch die nigerianische Luftwaffe. Selber brachten sie angemietete Mi-24 Hind Kampfhubschrauber und Schützenpanzer mit.
Dieses Setup kostete ca. 10 Millionen US$ pro Jahr und war relativ erfolgreich. Wegen Zahlungsproblemen und einer neuen Regierung wurde der Einsatz jedoch beendet, bevor die RUF komplett zerschlagen war.
Pro Mann-Monat zahlte man an die PMC im Mitte etwa 3.500€, während die UN-Beobachter später über 6.000€ kosteten und weniger Mittel zur Verfügung hatten.

Fazit
PMCs sind zwar ein Übel, aber immer wieder das kleinere. Das Problem ist weiterhin, dass sie kaum kontrolliert werden. Da die Truppen unter UN-Mandat aber auch regelmäßig negativ auffallen (Vergewaltigungen, ungeklärte Todesfälle etc.), bin ich mir nicht sicher, welche Lösung die sinnvollere für Krisengebiete ist.

  • Claus Peters

    Hallo,
    wer mehr als 1,5 € / Minute für die Verwendung eines Satellitentelefons bezahlt macht einen Fehler. Siehe http://www.thuraya.de oder http://www.expeditionstechnik.de.

    • enno

      Für das Telefonieren mit einem Sat Handy: Ja, aber wenn ich von meinem Festnetz aus auf einem Sat Handy anrufe wird es teuer 🙂