Stefan Raabs „Absolute Mehrheit“

Seit kurzem gibt es eine neue Politik Talkshow im deutschen Fernsehen: „Absolute Mehrheit“ von und mit Stefan Raab. Während sich die üblichen Polittalks aber an politikinteressierte Menschen richten und einiges an Vorwissen erfordern, will man hier die Menschen erreichen, die abends Pro 7 gucken, die Raab mögen und die nicht unbedingt wissen, was Politik mit der echten Welt zu tun hat.

Die Sendung besteht aus Raab als Moderator, aus einer Hand voll Talkgästen, dem Pro7-/Sat1-Nachrichtenchef als Analyst sowie dem Publikum als Abstimmberechtigte. Über den Abend werden mehrere politische Themen besprochen. Zunächst kommt ein kurzer Einspieler, der es dem Laien humoristisch erklärt, dann die Talkrunde. Am Ende eines jeden Themas stimmt das Publikum ab, welchen Politiker sie am besten fanden. Am Ende der Sendung kann ein Talkgast, der mehr als 50% der Zuschauer überzeugen konnte, 100.000€ gewinnen.

Das Konzept erinnert an eine Mischung aus Gameshow und Talkshow und ist für die Zielgruppe eine gute Idee: Man nimmt ein Format, das sie kennen, und einen Inhalt, den man vermitteln möchte. Das Konzept kenne ich vom Geschichtsfestival Historiale gut. Wir vermittelten zum Beispiel die Stein-Hardenbergischen Reformen sowie das französisch besetzte Berlin durch eine Talkshow mit Geschichtsdarstellern. Zwar wurde uns zum Teil Populärwissenschaft und historische Ungenauigkeit vorgeworfen, aber 70.000 Besucher, darunter viele Kinder und Jugendliche, fanden es gut.

Bei beiden Konzepten geht es nicht darum, einen völlig Desinteressierten in 90 Minuten zum Historiker bzw. Berufspolitiker zu machen. Es geht darum, einem Wenig- oder Desinteressierten die Hemmungen vor dem Thema zu nehmen. Dadurch interessiert sich hoffentlich ein Teil etwas mehr dafür, und man kann sie Schritt für Schritt für das Thema begeistern. Andere eben nicht, aber für die sollte man sich dann neue Konzepte überlegen.

Auf der anderen Seite schadet es auch nicht, Bürgern Politik mit niedriger Einstiegsschwelle zu präsentieren. Wem das zu soft ist, der kann ja andere Sendungen sehen. Ich finde es wichtig, allen Bevölkerungsschichten das Desinteresse und die Politik(er)verdrossenheit zu nehmen. Da sind Leute wie Raab, denen man Entertainment zutraut, ein guter Weg. Selbst Bushido hatte vor ein paar Jahren eine Sendung für Neuwähler gemacht. Seine Musik mag ich nicht, die Idee fand ich aber sehr gut.

Insofern verstehe ich die Kritik an der Sendung nicht. Ein großer Sender erweist der Gesellschaft und der Politik einen guten Dienst, der den Steuerzahler keinen Cent kostet. Und wer es nicht mag, kann ja einfach umschalten. Ich werde die Sendung weiter sehen und überlegen, auf welche Ideen der Politkvermittlung sie mich noch bringt.

Update:
In der Zwischenzeit hatte ich die Möglichkeit mit Stefan selber über das Format zu reden und habe eine Sendung Backstage verbracht und so einblick in die Produktion erhalten. Mein Eindruck, dass er ein schlauer Typ ist, dem persönlich etwas an der politischen Bildung von jugendlichen liegt, hat sich dadurch nur bestätigt. Ich würde mir wünschen, dass die Öffentlich Rechtlichen da mal mehr ihrem Auftrag nachkommen würden und nicht ein „Spaß Moderator“ diesen Part auf einem Privatsender übernehmen muss.

  • Henning

    Ich kenne die Sendung nicht, nur aus Deinem Post hier, aber für mich klingt es, als wäre Pro7 hier dem Bildungsauftrag der öffentlich-Rechtlichen nachgekommen, während die unsere Gebühren für allen möglichken Kram raushauen.

  • Ich find das auch nicht schlecht muss ich sagen. Ich mag Raab zwar nicht und auch den Sender Pro7 nicht, aber die Idee ist doch schön Unterhaltung mit Politik zu verbinden. 🙂

  • Nicolas Bourbaki

    Du bist doch der, der sich wegen einem Hütchenspieler künstlich aufgeblasen hast und einen Waffenschein ausstellen lassen wolltest? Hoooooyyy, gut memacht Alter! Gibt’s da mal ein Update dazu? Schon rumgeballert und Hütchenmenschen mit gezogener Desert Eagle ans Messer geliefert, Cowboy?