Urheberrechtsabend mit den Freischreibern

Die Freischreiber sind ein Berufsverband von vorwiegend schreibenden Journalisten. In kleiner Runde trifft man sich immer wieder in Berlin, um verschiedene Themen zu besprechen. Stephan Urbach und ich waren heute seitens der Piraten da, um mit ihnen über Urheberrecht und die Sicht der Piraten zu reden.darauf

Auf der anderen Seite saßen fest und frei angestellte Text- und Fotojournalisten sowie ein Anwalt, welcher viel mit (Software-) Lizenzen zu tun hat. Der Abend war wesentlich interessanter als ich dachte. Obwohl ich selber jeden Tag mit Urheberrechten und Autoren zu tun habe, sind die Unterschiede bei der Verwendung der Werke gravierend. Es begann mit dem Zitat- und Remix-Recht. Wenn ich ein Buch herausbringe, ist es normal, dass daraus Auszüge in diversen Plattformen landen. Einer der Journalisten erklärte mir jedoch, wie wichtig ihm die Werkintegrität sei. Er wollte nicht, dass jemand daraus Teile anders verwendet, da das im Einzelfall das Gesamtwerk zerstört. Ein anderes Problem sind die Personen, um die es geht. Oft ist die Frage, wie und wo das ganze veröffentlicht wird. Das kann heute schon kaum ein Journalist sagen. Die Weiterverwertungen beeinflusst er nicht. Er steht dem Menschen gegenüber, der ihm diese Frage stellt. In heiklen Themen vertrauen die Menschen diesem Journalisten ihre Worte in einem bestimmten Kontext an. Anders sollen sie nicht verwertet werden. Diesen Punkt verstehe ich auch. Aber wie bringt man das mit einem Remix-Recht in ein Gesetz!?

Stephans bewusst arrogante Position war: “Ihr kippt das in unser Netz“. Da sind die Regeln anders und man muss mit leben. Lebhaft wurde es in der Tat, es folgte ein aufbrausender Schlagabtausch. Hier sah man, wie unterschiedlich das Verständnis vom Netz war. Ich habe selber Kabel gezogen, über die Internet läuft, habe haufenweise Server aufgesetzt, auf denen Inhalte lagen, gespiegelt wurden, durch die Mails liefen usw. Ich sehe es auch als “unser” Netz an, zu dem ich meinen Teil beigesteuert habe. Und somit darf ich auch an den Regeln gestalten. Auf der anderen Seite ist das Netz kein Nerd-Spielplatz mehr. Auch das ist gut so, und ich will die Zeiten der frühen 90er, was Reichweite in der Bevölkerung angeht, nicht zurück. Für die Journalisten ist es ein Medium wie für mich wiederum eine DVD oder so etwas, womit man seine Inhalte weiter gibt. Da zusammen zu finden ist nicht einfach.

Zu guter letzt muss man eine Fallunterscheidung machen: Ein zusammenkopierter Blogpost eines SEO-Copywriters ist etwas anderes als eine sechs Monate recherchierte Story mit Fotos aus einem Kriegsgebiet. Beides wird aber von unserem Gesetz und auch in der Wahrnehmung einiger Leser als gleichwertig betrachtet. Der Reporter muss seine Reisekosten und auch das persönliche Risiko irgendwie verwertet bekommen. Fair Use ist da kein Modell. Ich habe es ja ausprobiert im Verlag und kann daher sagen: Ohne dicke Reichweite funktioniert es einfach nicht. Als ich mal zum Spaß flattr in all meinem Blogs hatte, habe ich auch nichts mit verdient. Nichtmal bei Artikeln mit vielen hundert Aufrufen. Es gibt Gegenbeispiele, aber eher wenige. Zumindest keine, auf die man sich verlassen möchte, wenn man seinen Lebensunterhalt damit bestreiten muss. Da haben auch die Piraten kein Rezept für die akute Lösung. Das Bedingungslose Grundeinkommen wäre eine, ist aber eine langfristige Sache, während Urheberrecht sich schnell ändert.

Auch gibt es ein weiteres Problem mit dem nicht-kommerziellen Kopieren. Ein Foto, welches 100 mal auf privaten Blogs nicht kommerziell benutzt wurde, ist für einen Lizenznehmer heute weniger wert. Er sieht nur, dass er der 101.  Lizenznehmer ist. Wäre er der 2., wäre es ihm mehr wert, da es exklusiver wäre. Auch hier muss ein Umdenken stattfinden. Aber das bringt dem Fotografen heute noch nichts.

Am Ende kamen wir auf einen noch trivialeren Punkt: Was darf ich im Netz kopieren und was nicht? Wenn das jeder mit einer entsprechenden Lizenz auf seiner Seite oder unter jedem Post regeln würde, wäre es übersichtlicher. Doch kaum jemand macht das bisher, auch ich nicht. Aber ich werde in Kürze meine Templates anpassen und die entsprechende Lizenz meiner Blogposts auf jeder einzelnen Seite anzeigen. Und ihr solltet das auch tun!

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