Transparenz macht keinen Spaß!

Die Piratenpartei fordert Transparenz in der Politik. Schlimm genug, dass das dauernd mit Transparenz in allen Lebenslagen verwechselt wird, aber auch schon bei politischen Entscheidungen macht es keinen Spaß. Wir haben alle laut gemeckert bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Wenn sich Politiker hinter verschlossenen Türen treffen, wenn ACTA irgendwo im Geheimen verhandelt wurde – und das zurecht. Dass es für die Beteiligten so bequemer ist, kann ich verstehen: Man bekommt keinen Shitstorm ab, man kann im Dunkeln lassen, wer genau welche Meinung zu was hatte, und man braucht keine Technik für Streaming und keine so großen Räume für Gäste.

Nun sind wir Politiker und merken, wie schwer das mit der Transparenz ist. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt, jeder Fauxpas wir sofort in den Medien verbreitet und egal wie transparent man agiert, es wird einem immer etwas unterstellt. Mir wird weiterhin regelmäßig meine intransparente Pressearbeit, besonders in Bezug auf Pressemitteilungen, unterstellt. Dass ich nie eine geschrieben oder versendet habe, interessiert dabei auch eher selten. Aber von meiner Seite aus weiß ich dann auch, was ich von Leuten mit dieser Meinung zu halten habe.

Vor kurzem machten die nicht öffentlichen Sitzungen des Berliner Landesvorstandes die Runde. Mit so einem Verhalten kann ich gar nichts anfangen, aber ich möchte auch selber kein Landesvorstand sein. Aber die Regeln waren vorher klar. In der Arbeit der Bundespresse ist es für mich auch eine große Umgewöhnung (im Vergleich zum Job), dass die Pressearbeit so transparent abläuft und dass ich für fast jede Erwähnung meines Namens in den Medien einen kleinen Shitstorm ernte. Aber ich wusste ja vorher, dass es so läuft, und hätte es auch lassen können. Derzeit macht die Schlagzeile vom Landesparteitag in Wolfenbüttel die Runde. Dort sollen Journalisten nur in ausgewiesenen Flächen uneingeschränkt arbeiten dürfen. Formal ist das nicht ganz korrekt, da die Versammlung es vor Ort erst beschließen muss. Aber der Text im Blog ist relativ klar:

Die Mixed Zone ist erkennbar mit einem orangen Band abgetrennt, die Tische in diesem Bereich sind ebenfalls gekennzeichnet. In allen übrigen Bereiche sind Ton-und Bildmedien während der laufenden Versammlung nicht erwünscht.

Ich kann auch diesen Punkt nicht verstehen. Transparenz in politischen und parteiinternen Entscheidungen also nur, wenn die Presse diese nicht uneingeschränkt dokumentieren darf? Das geht nicht. In meinem Blogpost „es gibt keine schlechte Presse“ erkläre ich meine Sicht der Medienwelt, im Kurzen: Wir liefern eine Realität, Journalisten berichten darüber, Konsumenten nehmen diese wahr. Macht der Journalist einen schlechten Bericht, dann ist das sein Problem. Konsumiert man minderwertige Nachrichtenquellen, dann soll man sich nicht beschweren, dass man die Realität sehr gefiltert mitbekommt. Das ist dann ein Problem der Medienkompetenz des Lesers und nicht mein Problem mit dem Journalisten.

Niemand hat gesagt, dass Transparenz Spaß macht. Aber nun müssen wir da durch!

  • CarpeTempus

    Sorry, aber das ist doch blödsinn: es geht doch nur um Bild- und Tonaufnahmen. Pressearbeit besteht nicht nur daraus mit Kamera und Mikro draufzuhalten, sondern auch, dass Journalisten interviewen und selber etwas schreiben. Ehrlich gesagt kann ich dieses Kindergartentheater um das Thema nicht nachvollziehen – für 100% Transparenz müssten dann auch die Toiletten mit Kameras versehen werden, es könnte ja sein dass 2 Personen beim Pinkeln etwas wichtiges besprechen! Nochmal: niemand hindert einen Journalisten, sich dort aufzuhalten und zu interviewen. Jemand sagt mal zu mir „die Piraten sind wie ein Stern, der um sich selber tanzt.“ Manchmal denke ich diese Person hat recht.