Unklarheiten in der Presse?

Immer wieder lese ich Artikel über die Piratenpartei und frage mich, ob es noch eine zweite Partei diesen Namens in Deutschland gibt. Zum anderen merkt man, wie viel abgeschrieben und wie wenig recherchiert wird. Und natürlich auch, wo die Stimmungsmacher stecken.

Als Marina Weisband erklärte, dass sie nicht wisse, ob sie erneut kandidieren möchte, klingelte das Presse-Telefon oft. „Warum tritt sie so plötzlich zurück?“ – Erklärungen, dass sie gar nicht zurücktritt, wurden nicht selten umfangreich hinterfragt. Die Journalisten wiederum, die eigenständig unsere Homepage gelesen hatten, hatten auch solche Fragen nicht. Wo ist denn bitte der investigative Journalismus geblieben? Man findet ihn immer weniger.

Zu guter letzt gibt es die Vereins- und Verbandszeitungen, welche man als Mitglied selber bezahlt. Dazu gehört in meinem Fall das Börsenblatt des deutschen Buchhandels. Es liegt in der Natur der Sache, dass man hier besonders auf das Urheberrecht schaut. Allerdings fand ich die Berichterstattung eher einseitig. Also wandte ich mich an die Redaktion, kritisierte es und bot an, dass man über mich Anfragen zu den Themen an die Piraten richten kann, wenn es die Sache einfacher macht. Oft ist das Problem wohl einfach, dass man nicht weiß, an wen man sich genau wenden soll.

(…) ich lese gerade die Artikel durch, welche sich (auch) mit der Piratenpartei befassen. Dabei fällt mir durchgehend auf, dass Sie über, aber nicht mit der Partei reden. Journalistische Arbeit sieht anders aus. (…)

Nach nur einem Tag erhielt ich eine Antwort von Herrn Roesler-Graichen, welche überraschend undiplomatisch ausfiel. Leider verbot man mir, diese hier zu veröffentlichen.

Solche Reaktionen habe ich in letzter Zeit immer wieder erlebt, wenn ich Journalisten auf schlecht recherchierte Artikel mit einer klaren Ausrichtung ansprach. Sie fühlten sich irgendwie ertappt und wollten das Thema schnell vom Tisch haben. Dabei ist es doch gerade bei der Piratenpartei so einfach, gute Informationen zu bekommen. Entweder sucht man selber oder man ruft die jeweilige Pressestelle an.

Auch solche Anrufe gibt es erfreulich oft. Journalisten fragen, ob sie einen Text richtig verstanden haben oder ob das Dokument xy das aktuelle ist, oder ob sie einen neueren Beschluss  im Wiki übersehen haben. Der Wiki ist die Asse der Partei: Alles Spannende steht dort drin, aber richtig drin wühlen wollen nur die, die sich damit auskennen.

Ich finde es weiterhin spannend, wie sich die Pressearbeit bei der Piratenpartei entwickelt und wie anders sie doch im Vergleich zu meinen anderen Projekten ist.