Vom Umgang mit den Medien

Simon WeisMit Presse habe ich seit langem zu tun. Als ich vierzehn war, veröffentlichte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung ein halbseitiges Profil von mir wegen meiner Tätigkeit als Schauspieler am Schauspielhaus Bochum. Der Inhalt war richtig und der Text gut. Ähnlich ging es mit anderen Projekten von mir weiter: Hacktrain, Historiale, 3Gstore; nie hatte ich wirklich Probleme mit der Berichterstattung. Diese Probleme lernte ich aber beim Chaos Computer Club kennen, die bösen Hacker, die Saboteure und Einbrecher. Das ist nicht wirklich spannend, man gewöhnt sich dran. Meist kommen diese Artikel eh von Leuten, die nicht da waren und keine Ahnung haben.

Mich ärgert es mehr, wenn man den Hintergund einer Sache, die offensichtlich ist, nicht erkennt oder nicht erkennen will. Ich frage mich dann oft, ob es Sinn macht, das aufzuklären oder nicht. Bei boshaftigkeit reden wir gerne von Trollen. Füttert man diese über das Maß, so platzen sie. Daraus entstehen leider wieder so viele Trolle wie Stücke, die vom alten rum liegen. Also vielleicht einfach die Zielgruppe direkt informieren. Mir fallen dazu im Piratenkontext derzeit jede Menge „gates“ (in Anlehnung an Watergate) ein. Die meisten sind belanglos.

Ein sehr gutes Beispiel aber ist der Salz schniefende Abgeordnete Simon Weiss. Auf einem Bild zieht er sich eine Line Markensalz, im Vordergrund steht der Salzstreuer. Jeder Mensch, der Zeitung liest, sollte den Bezug zur recht spannenden Stellungnahme der Ergo-Versicherung zu kompromittierenden Fotos verstehen. Jedoch wollten die Leute diesen Bezug nicht sehen, und viele Zeitungen schrieben über postpupertierendes Verhalten oder ähnliches. Ich finde, es war ein genialer Hack: Er hat ein Thema, welches unter den Teppich gekehrt wurde, erneut in die Tageszeitungen bekommen. Und solche Aufklärungsarbeit über den unsachgemäßen Umgang mit den Geldern der Kunden gehört doch auch zu den Aufgaben eines Abgeordneten.

Zum anderen der „Kopftuch“-Fall, bei dem das Kopftuch eines Abgeordneten, welches er von seiner Gastfamilie in Haifa erhielt, als antizionistisches Zeichen ausgelegt wurde.

Hierzu sagte jemand: „Die fünfzehn Piraten betreten unaufgeklärtes Gebiet und dabei kann man schon mal auf eine Miene treten„. Und genau so sehe ich es auch. Die Leute gehen Ṕolitik anders an, unkomplizierter und direkter. Dabei spielen sich andere Politiker immer wieder auf, als würde man ihren Spielplatz kaputt machen, in dem man sich so schön eingelebt hatte. Damit muss man leben, das ist eben Demokratie. Und wenn „das Volk“ es so will, dann bekommen sie es auch gegen den Willen der anderen Parteien.

Die Medien müssen damit leben, dass nicht alles ein Skandal ist, was anders ist. Und wir müssen damit leben, dass wir die Leute mehr über uns informieren müssen und mit den unliebsamen Teilen der sonst sehr freundlichen Presse nicht verrückt werden.