Warum das Ministerium meinen Penis scannt

An diesem Wochenende war ich für diverse Termine in den Niederlanden. Unter anderem habe ich mich in Den Haag mit jemandem getroffen, der am Internationalen Gerichtshof arbeitet. Er erzählte mir von der zermürbenden Arbeit, wasserfeste Fälle aufzubauen. (Funfact: Als wir die US-Botschaft erreichten, schaltete er kurz vorher sein Handy aus, danach erst wieder ein).

Zum anderen traf ich mich mit dem OHM 2013 Orgateam und noch mit anderen Leuten, die ich auf dem Weg treffen konnte.

Spannend wurde es auf dem Rückweg. Beim Sicherheitscheck im Flughafen Schiphol musste ich durch einen Nacktscanner (bzw wegen der Bilder, die er erzeugt, auch „Pornoscanner“ genannt, siehe Beispielbild). Dabei wir der Körper sehr detailliert vermessen. Bei einer Frau kann man ohne Probleme Brustform und Körpergröße erkennen, bei Männern den Penis gut vermessen. Zusammen mit den anderen Daten, die man hat, kann man z.B. Statistiken machen, ob Männer mit Porscheschlüssel wirklich das kleinere Glied haben oder Frauen mit Lederhose häufiger Nippelpiercings tragen. Natürlich hat das niemand vor. Man möchte nur die Bevölkerung schützen. Genau so wie man in China auch nur die Leute schützen will und genau so wie in der DDR die Mauer nur zum Schutz gegen feindliche Spione stand.

pornoscanner

Nachdem ich im Pornoscanner wohl negativ auffiel, wurde ich vom Sicherheitsmann in den Einzelkontrollraum gebeten. Ein Kollege von ihm kam mit. Dort musste ich mich bis auf die Unterwäsche ausziehen für weitere Kontrollen. Wenn der Scanner doch alles zeigt, wofür das dann noch? Besonderes Interesse gab es an einer Bandage um mein Knie. Da der Herr sich mit so etwas nicht auskannte und scheinbar auch von Knieverletzungen keine Ahnung hatte, fasste er sie einmal vorsichtig an und entschied dann, dass alles ok sei. Damit wäre wohl jeder Terrorist enttarnt gewesen und hätte das Weite gesucht. Ich fragte, welche Menge welcher Strahlung welcher Art ich beim Scan ausgesetzt war und was genau der Grund für die Einzelkontrolle war. Beides konnte oder wollte er mir nicht sagen. Ich solle mich an das Innenministerium wenden.

Aber wie genau schützt der Pornoscanner nun?

Ich bin im Leben gut 200 mal geflogen und habe auf vier Kontinenten verschiedenste Sicherheitschecks erlebt. Bis hin, dass mich Soldaten zum Gate begleitet haben und mich nicht mehr zum Getränkestand ließen. Aber das waren komische Länder und komische Situationen. In Europa als EU-Bürger erwarte ich etwas weniger Paranoia. Die Messlatte für mich, was Flughafensicherheit angeht, ist Tel Aviv Flughafen, gefolgt von Erbil. Beide haben gerechtfertigte Sorge vor Anschlägen, beide haben ein komplett anderes Sicherheitskonzept. Und vor allem haben beide keine Pornoscanner und wollen diese auch nicht. Der Sicherheitschef aus Tel Aviv sagte schon vor langem, dass er den Vorteil nicht sieht, man habe doch gut ausgebildetes Personal. Auch fand ich den Sicherheitscheck in Tel Aviv wesentlich freundlicher und weniger anstrengend, obwohl die persönliche Befragung sehr detailliert war.

Es heißt, die Nacktscanner dienen der Erkennung von Waffen, Sprengstoffen etc., die am Körper getragen werden könnten. Tatsächlich gab es schöne Vorführungen, bei denen sich jemand eine Waffe von einem Schnitzel verdeckt an den Körper geklebt hat. Die Waffe wurde aber nicht erkannt. Hier ein Lustiges Video wo Thermit (was mit 4.000 Grad verbrennt) nicht erkannt wird.

Wir haben also unterm Strich eine Sicherheitssimulation, die detaillierte Nacktbilder von den Besuchern erzeugt, die aber der Sicherheit nicht dienen und im entscheidenden Bereich wohl leider so ungenau sind, dass man doch mit dem Finger auf die Bandage drücken muss, um die Sicherheit festzustellen.

Ich werde das Ministerium nach den Details fragen. Vielleicht bekomme ich dann eine ministeriale Bestätigung meiner Penislänge und kann diese in meine Personalakte legen. Bei den hochauflösenden Bildern kann man das ohne Probleme mit einem Lineal bestimmen.