Wie kam es zur Festnahme Heydar Scheshos?

Gestern wurde der jesidische Kommandant Heydar Schesho in Kurdistan (Nord-Irak) von Kräften der kurdischen Regionalregierung (KRG) festgenommen. Die Festnahme wirft viele Frage auf und auch vor Ort scheint die Situation unklar.

Yassir Kesim mit einem G36

Jesidischer Kämpfer Yassir Kasim Schesho mit einem deutschen G36 in Sherfedin

Viele Jesiden leben im Shingal Gebirge zwischen Mosul und Syrien. Dies gehörte zum Irak, dann zu den „Disputed Areas“. So nennt man die Gegenden, die größtenteils kurdisch besiedelt sind, aber zum Irak gehören. Laut irakischer Verfassung sollte die Zugehörigkeit dieser Gebiete noch geklärt werden. Nachdem sich die irakische Armee im vergangenen Sommer fluchtartig aus dieser Gegend zurück zog, wurde es von den Peschmerga eingenommen. Seitdem zählt es zur Autonomen Region Kurdistan. Im August fiel die ISIS über den Ort Shingal und das Shingal-Gebirge her. Große Teile der dort Stationierten Peschmerga zogen sich zurück, da sie von der ISIS überrannt wurden. Sie sollten die Lieferung neuer Waffen abwarten und sich neu formieren. Von einigen Jesiden wurde dies als erneutes fliehen der Truppen, die sie beschützen sollten, gesehen. Von Kasim Schesho, dem „Löwen von Shingal“ wurde die jesidische „Verteidigungseinheit Shingal“ (Hêza Parastina Şingal, HPS) gegründet mit der sich die Jesiden selber verteidigen. Zu den Kommandanten der Truppe zählte auch Kasims Neffe Heday Schescho. Während sich ein Teil der Truppen unter der Führung von Kasim Schesho den Peschmerga anschloss (also der Armee der autonomen Region Kurdistan), verbleiben (nach eigenen Angaben) 3.000 jesidische Soldaten in der HPS unter Heydar Schesho. Da die KRG nur die Truppen unter ihrer Führung versorgt, erhielten Kasims Leute die deutschen G36 Sturmgewehre, Panzerfäuste usw., Heydars Leute jedoch nicht.

Heydar wandte sich der irakischen Zentralregierung in Bagdad zu und bat diese um Hilfe. Die Irakische Zentralregierung ist landesintern der Gegner der KRG. Man streitet sich um Öl, Macht, Geld und einen unabhängigen kurdischen Staat. Die HPS unter Heydar Schesho ist rechtlich als Teil der „al-Shabi Hashd“, also zusammen mit den schiitischen Milizen, im Irak registriert. Hierbei geht es eher um ein Rechtskonstrukt um die HPS legal bewaffnen zu können, dennoch gehört die HPS damit Formal zu Gegnern der Peschmerga, da diese nicht mit den schiitischen Milizen zusammen operieren. Die schiitischen Milizen wiederum Kämpfen zusammen mit Amerikanern und der irakischen Armee gegen die ISIS. Macht die Situation nicht verständlicher. Alle Kämpfen gegen die ISIS, aber sind deswegen noch keine Verbündeten.

Somit ist Heydar Schesho aber formal Kommandant in einer gegnerischen Miliz und befindet sich im Machtbereich der KRG. Shingal gehört nach internationalem Recht aber noch zum Irak, auch wenn es seit fast einem Jahr von den Peschmerga, HPS (und anderen jesidischen Truppen), der syrisch-kurdischen YPG und der ISIS umkämpft wird und die irakische Armee lange nicht mehr dort war. Schesho hatte eine drei-monatige Frist bekommen, die HPS unter die Führung der Peschmerga zu stellen, dieses aber verstreichen lassen. Er Sonntag Abend gegen 21 Uhr bei einem Besuch bei seiner Familie in der Nähe von Dohuk vom kurdischen Geheimdienst Asayesh befragt und wohl anschließend Festgenommen. Er soll wegen der Führung einer gegnerischen Miliz angeklagt werden.

Dass Heydar deutscher Staatsbürger ist, ist dabei nicht verwunderlich. Kasim und seine Söhne sind es ebenfalls. Seine Söhne haben bei der Bundeswehr gedient. Auch Peschmerga-General Yussuf (Kirkuk Flughafen) ist Deutscher, der Gouverneur von Kirkuk, Dr. Karim, ist amerikanischer Staatsbürger. Bei oft vertriebenen Menschen wie den Kurden und Jesiden ist das normal.

Somit ist aber schon der rechtliche Rahmen nicht ganz klar: Wurde nun ein deutscher Jeside, der im Irak operiert, von der KRG festgenommen? Oder ein Jeside in Kurdistan, der eine unerlaubte Miliz befehligt? Beide Sichtweisen sind richtig – je nach Standpunkt.

Unterm Strich macht es weder die Situation vor Ort einfacher, noch macht es das Verhältnis zwischen Kurden und Jesiden besser. Die gesamte Lage ist auch weiterhin unklar, jedoch kursieren sehr viele falsche Meldungen zu den Details im Internet. Ich werde mal abwarten, was ich noch von den Leuten vor Ort berichtet bekomme.

Weiterführende Links:
Meine Bericht vom Besuch der Jesiden in Shingal im Januar 2015

  • Havin

    Er musste sich der irakischen refierung anschliessen weil die kurdische regierung nichts machen wollte. Der vater von Yassir (auf dem foto) hat sich der peshmerge angeschlossen in der hoffnunf das die kurdische regierung hilft obwohl sie damals vor dem angriff der is abgehauen sind. Kam aber nichts. Haydar hat sich mit seiner 3000 arme nich an diesen verätter gewendet.