Wieder Raketen zwischen Israel und Gaza

Derzeit eskaliert wieder der lange anhaltende Konflikt zwischen Irsael und Gaza. Und vielen Leuten ist es egal, oder sie meinen, dass die eine oder andere Seite im Recht ist, ohne genauer sagen zu können weswegen. Ich habe mir die diversen Kriege, Konflikte und beteiligten Gruppen angesehen und blicke immer noch nicht richtig durch, wie das ganze ursprünglich losging und wer welche Fehler gemacht hat. Aber es geht schon viel zu lang und es sitzt viel zu tief.

Blick auf den nördlichen Zipfel Gazas von Yad Mordechay

Mir tun die ganzen Zivilisten Leid, die auf allen Seiten leiden. Die auch nur in Frieden leben wollen, arbeiten, eine Familie haben und ab und zu ans Meer fahren. Im Gegensatz zu Deutschland (mit klarer Zugehörigkeit zur Bundeswehr oder eben nicht) kann man auf beiden Seiten nur schwer zwischen Zivilisten und Militär trennen: In Israel hat man die generelle Wehrpflicht, wodurch fast jede und jeder gedient hat und/oder in der Reserve ist. Auf der Gaza-Seite gibt’s nur bedingt klare militärische Strukturen, und die Übergänge sind fließend.

Ein anderer großer Unterschied ist die geringe Distanz zwischen den Akteuren. Zwischen den Grenzen des Gaza-Streifens und z.B. der israelischen Stadt Ashkelon liegen nur wenige Kilometer. Ich konnte in Asheklon von meinem Hotelzimmer aus rübergucken. Bis Tel Aviv oder Jerusalem sind es keine 80km, bis zur Landesgrenze in jede Richtung nicht sehr viel mehr. So kann sich kein Landesteil der Bedrohung entziehen, es gibt keine Unbeteiligten. Und die Vorwarnzeiten vor Raketen liegen irgendwo zwischen 10 und 60 Sekunden. Versucht mal in der Zeit aus dem Haus zu kommen.

Wenn man also von den Raketen hört, die da fliegen, dann geht es selten um große Raketen-LKW wie man sie aus den Paraden der DDR oder aus Russland aus dem TV kennt, sondern eher um etwas mobilere Systeme. Die Quassam-Rakaten (die pro Stück rund 500€ kosten) sind um die 2m lange und haben 20cm Durchmesser. Die größten dürften die Fajr-5 sein, welche immerhin über 6m lang sind und 33cm Durchmesser haben. Und letztere sind auch die, welche gerade die Situation ändern. Bisher sind die Raketen nie bis Tel Aviv gekommen. Die Quassam fliegen ca. 20km weit, die Katjuscha 35km, die Fajr-5 haben rund 75km Reichweite. Die letzten Raketen auf Tel Aviv dürften 1991 die Kurzstreckenraketen SCUD-B aus dem Irak gewesen sein.

Zum Schutz der Israelis gibt es den Iron-Dome – der einzige funktionierende Raktenschild, den ich kenne. Dieser hat ca. 90% Erfolgsquote beim Abschuss anfliegender Raketen. Er besteht aus vielen kleinen Einheiten, die um Gaza verteilt stehen. Ein Einsatz des Schildes kostet im Mittel ca. 25.000€, also im Einsatz gegen eine Quassam-Rakate Faktor 50 der Kosten. Zusätzlich gibt es in fast jeder israelischen Stadt und in fast jedem Kibbutz Bunker für die Bevölkerung.

Die Leute in Gaza haben es da schlechter. Sie haben keinen Raketenschild und keine Bunker; die meisten haben überhaupt keine Fluchtmöglichkeit.

Wie bereits oben geschrieben habe ich in diesem Konflikt nicht vor, für eine der Seiten Partei zu ergreifen. Ich sehe mir das Unheil aus der Ferne an und frage mich, wo das alles enden soll.