Berlin macht weiter – und das ist auch gut so

Nur einen Tag nach der Amokfahrt mit einem Laster durch einen berliner Weihnachtsmarkt wurden die Märkte wieder geöffnet. Teilweise wurden große Fahrzeuge vor die Zugänge gestellt, teilweise Betonklötze, teilweise gab es keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen. Was es nicht gab war Panik oder ein martialisches Polizeiaufgebot. Die oft fotografierten Polizisten mit MP5-Maschinenpistolen und schußsicheren Westen gehören hier seit Jahren zum normalen Straßenbild. Eine MP5 der Polizei hat auch nur die normale Pistolen Munition (9mm Luger), aber eben ein größeres Magazin, kann vollautomatisch sein und man kann mit einer längeren Waffen besser zielen. Die GSG9 hingegen hat z.B. das größere G36K und G36C, welches ich hier auf den Straßen aber nirgends gesehen habe. Man übertreibt hier also nicht mit der Präsenz.

Ich arbeite im Tourismusbereich. Sowohl im Berlin Story Bunker als auch in den Souvenirstores nahe dem Brandenburger Tor konnte ich keine großen unterscheide sehen, die ganzen Kollegen berichten ähnliches. Ich laufe derzeit viel zwischen den Büros und den Läden hin und her um mehr von den Leuten mitzubekommen und meine daher einen ganz guten Überblick zu haben.

Ich habe direkt am Abend des 21.12. angefangen einen Weihnachtsmarkt nach dem anderen zu besuchen um zu sehen, wie die Stimmung ist und wie voll es dort ist.

In Berlin ist die Weihnachtsmarkt dichte hoch, die Qualität der Märkte oft nicht. Daher bin ich dort auch eher selten – aber diesmal ging es ja um die Sache an sich. Also nahm ich mir, wie es das Ritual verlangt, ein paar Freunde und machte mich auf den Weg. Die kirmesartigen Weihnachtsmärkte waren normal voll, die Schießbuden hatten auf, die Karussells liefen. Auch auf den Weihnachtsmärkten mit den üblichen Ständen war es etwas leerer, aber noch genug Menschen unterwegs. Neben den Berlinern waren auch Touristen aus dem Inland und Ausland da. Polizei war aber kaum zu sehen. Es standen zwar deutlich mehr der Mannschaftswagen rum und man konnte immer wieder Polizisten sehen, aber weniger als auf jeder durchschnittlichen Demo in dieser Stadt.

Nach mehr als zehn Weihnachtsmärkten an dem Abend stand fest: Das große Thema war der Anschlag, man dachte an die Opfer und die Hinterbliebenen, aber niemand wollte sich daovn nachhaltig beeindrucken lassen. Eine Generation über mir erinnerten sich die Leute oft an die Zeit der RAF-Anschläge, die für meine Generation meist eher zum diffusen Geschichtswissen gehören.

Ich frage später im Social-Media-Freundeskreis rum, ob die Menschen wirklich sorgen vor einem Anschlag haben oder sich sicher fühlen. Interessant war, vor was die Leute mehr Angst hatten: Autounfälle, Fliegen, schlechter Glühwein, Hund vom Nachbarn, Schwiegermutter. Mag auch an meiner Peergroup liegen, aber beruhigte mich.

Gestern besuchte ich weitere Weihnachtsmärkte, unter anderem den am Breitscheidplatz, also um die Gedächtniskirche herum. Er ist umgeben von einem Beton-Wall. Auf den ersten Blick verwunderlich sind die Sponsoren auf den Betonblöcken, diese stammen aber teilweise noch von den Formel-E Rennen in Berlin. Darum steht ein Ring von Übertragungswagen von so etwa jedem Nachrichtensender der Welt, wie es scheint. Auf dem Weihnachtsmarkt selber ist es ziemlich ruhig. Es läuft keine Musik, die Menschen reden ruhiger, lautes schreien oder Lachen bleibt aus und an vielen stellen stehen Kerzen und liegen Blumen um den Opfern zu gedenken. Während meines ganzen Besuches habe ich nur zwei Polizisten patrouillieren gesehen – es werden sicher mehr sein, aber die anderen halten sich eben sehr zurück.

Vom Anschlag selber sieht man gar nichts mehr, mit Hilfe des THW ist alles wieder aufgebaut und zurecht gerückt worden. Coca Cola hat seine Tour mit den Cola-Trucks zu den Weihnachtsmärkten abgesagt, was mich wundert. Ich kann den Gedankengang natürlich nachvollziehen, halte ihn aber nicht für richtig. Genau das – also dass man sein verhalten ändert – möchten Terroristen üblicherweise. Und genau deshalb sollte man es nicht machen.

Berlin zeigt sich also unbeeindruckt vom Versuch, das öffentliche Leben zum elriegen zu bringen, ist in Gedanken aber bei den Opfern, die sicherlich nie vergessen werden.

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