Die Erinnerung an Saddams Giftgasprogramm

Französische und deutsche Unternehmer haben an Saddams Völkermord gut verdient. Der deutsche Unternehmer Kolb erhielt sogar ein Bundesverdienstkreuz. Er steuerte wichtige Teile zu Saddams Giftgasprogramm bei. Französische Mirage Kampfjets warfen sie ab. Am Morgen des 16. März 1988 flogen gegen 10.35 Uhr mehrere Kampfjets der irakischen Luftwaffe die Stadt Halabja an, und klinkten ihre Bomben aus. In kürzester Zeit waren tausende Menschen elendig verreckt. Mit Schaum vor dem Mund lagen sie in den Straßen. Das Bild einer Mutter mit ihrem Baby im Arm ging um die Welt.

Auszüge aus der Video-Dokumentation sind auf YouTube

Zuvor hatte Saddam alles versucht, um sein Volk gefügig zu halten. Jede Form von Terror und Folter war ihm recht. Er holte sich Experten aus aller Welt, auch aus der DDR, um seine Macht zu sichern. Im Amna Suraka Gefägnis kann man sich heute ansehen, wie die Menschen damals zu Tode gefoltert wurden. Doch selbst so konnte er den Freiheitsdrang der Menschen nicht länger unterdrücken. Statt das ganze Land aus seiner Geiselhaft zu entlassen, entschied er sich, Giftgas einzusetzen. Die Kurden sollten schlichtweg ausgerottet werden, das kurdische Land mit sunnitischen Arabern neu besiedelt werden.

Ich habe mir lange die Video-Dokumentation der ersten Kräfte angesehen, die dort ankamen. Sie fahren mit Jeeps durch die stille Stadt. Unter den Erkundern war der heutige Peschmerga General Kaka Hama. Zur gleichen Zeit wurden vom Iran aus mehrere westliche Journalisten eingeflogen. Sie machten die Aufnahmen, die später um die Welt gehen sollten. Ihnen wurde ein eigenes Denkmal gewidmet.

Das Halabja Monument ist beeindruckend. Man sieht es schon aus der Ferne, dahinter die Berge, die die Grenze zum Iran markieren. Im Monument selber findet man viele Originaldokumente und Fotos. Es gibt einen Raum mit Augenzeugenberichten und den ersten Zeitungsberichten. Die zwei eindrucksvollsten Räume machen den großen Teil der Gedenkstätte aus. Zunächst läuft man durch eine symbolische Rekonstruktion einer Straße in Halabja. Dabei sind die Wände mit der Umgebung bemalt, davor sind die Straßenszenen mit Puppen nachgestellt. Man findet alle Szenen der bekannten Bilder: Die tote Schafsherde, der Pickup mit einer Leiche am Steuer sowie die Mutter, die ihr Kind hält. Dadurch, dass man durch 200qm dieser Szene läuft, wirkt es viel näher als auf den Bildern.

Der zentrale Raum zeigt die Namen aller bekannten ermordeten Menschen. Mehrere Meter hoch zieht sich die kleine Schrift um einen herum. Wie viele Menschen bis heute gestorben sind, weiß jedoch niemand.

Im Außenbereich befindet sich ein Kampfjet, welcher einen der Angriffe geflogen ist. Daneben steht der Pickup, dessen Fahrer beim Angriff starb und der es nicht einmal mehr aus dem Auto schaffte. Direkt neben der Einfahrt ist die Statue für die Journalisten.

Das Halabja Monument ist eine der beeindruckenden Gedenkstätten, die in den vergangenen Jahren in Kurdistan entstanden sind. Die Aufarbeitung der jüngeren Geschichte wird immer wichtiger. Das Nationalmuseum, welches Liebeskind entwerfen soll, wurde wegen des IS-Krieges unterbrochen, soll aber das nächste große Projekt werden.