Die Protokolle der Weisen von Spiegel

Vor Kurzem forderte der Spiegel in seiner Headline „Nazis rein“. Dies war zwar eine Einladung an alle Rassisten, gefährdete aber eher in diffuser Art deren Opfer. In einem neuen Artikel wird zwei Vereinen eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad mit dem Zwecke der Steuerung der deutschen Politik unterstellt. Bei den Vereinen handelt es sich um die Werteinitiative jüdisch Deutsche Positionen, sowie das Nahost Friedensforum (Naffo).

Es geht im Kern darum, dass die Antisemitische BDS Bewegung in Deutschland verboten werden soll. Laut Spiegel soll „selbst der Geheimdienst Mossad laut Medienberichten involviert“ sein. Dieser steuere „Frontorganisationen“. „Der Verdacht liegt nahe, dass auch die WerteInitiative oder Naffo zu jenen Frontorganisationen gehören könnten.“.

Der Spiegel brauchte die sechs Journalisten Matthias Gebauer, ‬Ann-Katrin Müller, ‬Sven Röbel‬, Ranuah Slalom, Christoph Schult ‬und Christoph Sydow um ihre steile These aufzustellen. Fakten fehlen jedoch in weiten Teilen des Artikels. Die Indizienkette ist eher Hauchdünn. Die Argumentation bedient aber alle bekannten antisemitischen Klischees. Juden sollen die Strippenzieher sein, während die Bundesregierung nur ihre Marionetten sind. Dazu noch eine Gruselgeschichte vom allgegenwärtigen Geheimdienst Mossad. Solche Argumentationen kennt man aus den „Protokollen der Weisen von Zion“, die mein Verwandter Phillip Graves schon vor 100 Jahren als antisemitische Propaganda entlarvte.

So eine wilde Jüdisch-Deutsche-Verschwörungstheorie wird die „Nazis Rein“-Zielgruppe des Spiegel sicher befriedigen. Er wird von vielen Menschen gelesen werden und somit kann man viele Abos verkaufen, womit die Gehälter der sechs Journalisten finanziert werden können. Wunderbar für alle, die nicht zu den Opfern dieser Sache gehören.

Die Opfer sind alle Mitglieder und Unterstützer von Werteinitiative und Naffo. Das Leben all dieser wird durch die Anschuldigung, sie würden mit dem Mossad kooperieren, gefährdet. Das der kleinen Unterstützer, zu denen ich zähle, eher weniger. Das der Vorsitzenden, wie Dr. Elio Adler, um so mehr. Es gibt, auch in Deutschland, genug Menschen, die dem Mossad und allen seinen Helfern den Tod wünschen.

Dr. Elio Adler engagiert sich sein Leben lang gegen Antisemitismus und bringt Politiker, NGOs, Unternehmen und Privatleute zusammen. Er veranstaltet hochkarätige Podiumsdiskussionen zu denen auch Botschafter oder der Springer-Chef kommen und welche unter massivem Polizeischutz stattfinden müssen. Er ist der wichtigste Dreh- und Angelpunkt in diesem Bereich. Laut Spiegel ist sein Verein aber „kaum bekannt“ – wie man zu diesem Ergebnis kommt, bleibt offen.

Wenn das einzige Werkzeug ein Hammer ist, identifiziert man jedes Problem als Nagel“ – besagt ein altes Sprichwort. Beim Spiegel kann man sich wohl nicht vorstellen, dass Antisemitismus von der Bevölkerung und Regierung abgelehnt wird und dass man aus eigenem Antrieb etwas dagegen unternimmt. Somit muss es für den Spiegel einen andere Grund für den Kampf dagegen geben: Die Juden! Den Mossad! So einfach kann die Welt sein.

Mich macht es fassungslos, wie man mit so viel Gleichgültigkeit (oder aus Geldgier?) so leichtsinnig mit dem Ruf und dem Leben anderer Menschen umgehen kann. Mit Journalismus hat das nichts zu tun.