Geschichte wird vom Nazi geschrieben

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Geschichte wird vom Sieger geschrieben. Daher prägt die NS-Propaganda bis heute unser Bild der Nazis und des Zweiten Weltkriegs. Natürlich haben die Alliierten den Krieg militärisch gewonnen, das NS-System wurde zerschlagen, das „Tausendjährige Reich” hielt doch nur zwölf Jahre. Aber hat die große Menge kleiner Nazis wirklich verloren?

Vor dem Zweiten Weltkrieg haben Hitler und seine Leute bereits geraubt, gehetzt und Menschen verprügelt, ohne dass sie zur Rechenschaft gezogen wurden. Nachdem die NSDAP gewählt und Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, mordeten sie ganz offen und warben damit sogar in der Presse. Es folgte der Holocaust mit sechs Millionen grausam ermordeten Juden. Ihr Hausrat wurde billig von Nazis gekauft, ihre Unternehmen, Fahrzeuge, Häuser, Wohnungen usw. wurden unter den Tätern aufgeteilt. Ganz normales Vorgehen bei einer Gruppe von Raub-Mördern. Die Historiker sind sich einig, dass 1940 rund 85% der Deutschen für Hitler und seinen Krieg waren. Das waren keine Opfer, keine Verführten, das waren kriegsgeile Nazis oder Nazi-Unterstützer. Wenn man die Bilder des „Volkssturms” – also der letzten Mobilisierung der Nazis 1945 sieht – so sehen viele der Männer gut genährt aus, haben vollständige Kleidung an und sind gut rasiert. Es mangelte diesen Männern an nichts. Nicht mal an Rasierklingen. Ein Teil des „Leides” der Nazis im Krieg wurde schlichtweg später erfunden. Einige Nazis wurden bei der Befreiung Deutschlands zum Glück getötet und erhielten so eine Strafe. Sehr wenige, eher Einzelfälle, wurden von ordentlichen Gerichten verurteilt.

Das gute Leben der Nachkriegsnazis

Und der Rest? Nun, der Rest wohnte weiter in der Wohnung eines Ermordeten, aß von seinem Tisch, schlief in seinem Bett. Morgens ging er zu seiner Arbeit und das Land wurde mit dem Geld des Marshall-Plans neu aufgebaut. Die Kinder des Juden, der dort einst lebte, waren verarmt im Exil. Wenn sie nach dem Zweiten Weltkrieg nach Israel flohen, wurden sie dort von britischen Kriegsschiffen beschossen, interniert, nach Deutschland gebracht und unter Einsatz von Reizgas vom Internierungs-Schiff in Lager in Deutschland gebracht. Wenn man in den 1950er oder 1960er als Holocaustüberlebender von seinem Leid berichtete, konnte es gut sein, dass man als Lügner abgestempelt wurde. Die Verbrechen klangen unglaublich und niemand wollte es hören. Daher war der Eichmannprozess so wichtig. Er änderte viel in der öffentlichen Wahrnehmung. Sechzehn Jahre nach dem Krieg.

In Bunkern wie diesem waren die Nazis sicher

Nazi-Generäle als Opfer

Im Gegensatz dazu genießen die Nazis bis heute Privilegien, von denen die Holocaustüberlebenden nur träumen können: Wenn man heute einen Mann sieht, der mit einer Hakenkreuz-Uniform in einem fremden Land Menschen ermordet und dabei „Sieg Heil” brüllt, kann man lange diskutieren, ob es ein Nazi war, oder nicht. Natürlich war er ein Nazi! Er war kein Opfer der Nazis, er war kein Alliierter, er war ein Täter. Dennoch werden bis heute Kasernen der Bundeswehr nach Nazi-Generälen benannt, ihre Familie erhielten Renten von der Bundesrepublik Deutschland. Die Begründungen sind hanebüchen. Rommel war zum Beispiel einige Zeit erfolgreich, war dann einfach zu schlecht und verlor Schlachten. Er war einfach unfähig, seine Arbeit „richtig” zu machen. Dafür wurde er von den anderen Nazis in den Selbstmord getrieben. Diese Unfähigkeit und die Strafe wird heute als Beweis dafür herangezogen, dass er kein Nazi gewesen sei.

Wir wussten von nichts

„Aber wir wussten von nichts” ist eine andere beliebte und seit Jahrzehnten widerlegte Behauptung. Bereits vor dem Krieg warben die Nazis in Zeitungen damit, dass sie in der „Nacht der Langen Messer” ihre eigenen Leute ermordet haben. Im Kino lief vor dem Hauptfilm die Nachrichtensendung „Wochenschau”. Da wurde von den Angriffen der Nazis auf die Zivilbevölkerung berichtet.

Man musste mitmachen

„Wenn man nicht mitgemacht hat, wurde man ermordet” ist eine weitere gerne benutze Lüge. Niemand musste sich den Nazis anschließen. Sie waren gut zehn Jahre in der Öffentlichkeit, bevor sie überhaupt an die Macht kamen. Auch nach Kriegsbeginn musste man nicht beim Völkermord mitmachen. Beim Polizeireservebataillon 101 wurde gefragt, wer freiwillig morden möchte. Von 500 Polizisten lehnten nur 12 ab. Sie wurden nicht bestraft. Sie galten fortan als „Kameradenschwein” – aber mehr nicht. Das war alles, was man machen musste, um nicht zum Teil des Holocaust zu werden. Oft zitiert werden dann die Menschen, die zum „Volkssturm“ gezogen wurden, die standrechtlichen Erschießungen an der Ostfront oder die Hitlerjungen, die von ihren Kameraden ermordet wurden, weil sie nicht mehr kämpfen wollten oder konnten. All das gab es – aber bis dahin hatten viele dieser Leute das System selber unterstützt. Man muss also fast 20 Jahre Nazi-Geschichte ausblenden, um es nur so sehen zu können. Und auch als Soldat unter Hitler konnte man überlegen: Möchte ich fremde Zivilisten ermorden, um mein Leben als Soldat zu schützen? Eigentlich sollte jeder Soldat die korrekte Antwort kennen.

Die NS-Propaganda hat den Krieg überlebt

Bis heute prägen die Lügen der Nachkriegsnazis das Bild der Deutschen. Aus deren Sicht waren alle, die von Hitlers Politik profitiert haben und sein System gestützt haben, auf einmal die Opfer. Es wurden die Geschichten erzählt, dass sie hungern mussten, bombardiert wurden und eigentlich von nichts wussten. Man stelle sich vor es würde eine Bundeswehr-Kaserne nach Anis Amri und Mohammed Atta benannt werden, da diese ja schwere Entbehrungen auf dem Weg in den Terrorismus auf sich nehmen mussten und am Ende gestorben sind. Genau so sieht dies aus Sicht der Opfer aus.  

In der Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen” beantworten wir diese Fragen täglich. Sie sterben nicht aus. Ich kenne auch heute noch genug Haushalte, in denen die Großeltern das Hochzeitsfoto mit Hakenkreuz hängen haben und die gesamte Familie kein Problem mit hat. Und kein Problem damit zu haben ist genau das Problem. Es gibt noch viel zu tun.