Grausame Menschen tun grausame Dinge

Spät am Abend erhielt ich eine Nachricht: Ob ich alleine am Computer sei? Immer wenn es so los geht, heißt das nichts gutes. In diesem Fall ging es um eine Serie von Videos, die einem Bekannten zugespielt worden waren. Er fragte, ob ich die mal alleine ansehen kann – aber wirklich nur alleine. Erhalten konnte ich sie nur per verschlüsselter Mail und nur auf dem sicheren Gerät zu öffnen.  All das habe ich lange nicht mehr wirklich genutzt. Bei meinen Recherchen mache ich nichts so geheimes, dass ich mich übermäßig schützen müsste und mein Kontakt zu den Behörden war immer offen und entspannt. Und am Ende weiß man oft nicht, worum es geht und ob nur wieder ein Paranoider etwas abdreht. Hier sollte es anders sein.

+++ Achtung +++ Es folgen grausamen und abartige Dinge +++

Die Videos zeigten Gräueltaten, vermutlich in einem Kriegsgebiet. Der harmlosere Teil waren Hinrichtungen. Das ist grausam, aber ich habe im Laufe der Zeit so viele zerlöcherte Leichen gesehen, dass ich es gut ertrage. Der schlimmere Teil waren Videos, auf denen relativ unverletzte, aber gefesselte Leichen zu sehen waren. Einige der Leichen wurden mit Messer und Äxten verstümmelt oder komplett zerlegt. Die Videos waren dabei sehr detailliert. Die Täter hatten Spaß dabei und machten sich über die Opfer lustig. Ich habe schon große Mülltonnen voller Leichenteile in den Gegenden gesehen, aber die waren einfach von einer Granate oder Bombe erwischt worden, niemand hatte sie nach ihrem Tod absichtlich zerlegt.

Die mir zugedachte Aufgabe war es, die Situationen einzuschätzen und zu versuchen, Personen in den Videos zu identifizieren. Bei den wenig verletzten gefesselten Personen sah es nach Verhören aus, bei denen die Opfer zu Tode gefoltert wurden. Anschließend wurden sie zum Spaß zerstückelt. Was dann passierte ist unklar – oft werden die Leichenteile aber benutzt, um die Freunde und Familie gefügig zu machen. Wenn man die Personen identifizieren soll, muss man sie sich genau ansehen. Man muss die Videos immer wieder gucken, die kaputten Gesichter vergrößern, auf Details achten. Es ist widerlich, das zu sehen und zu machen. Die ganzen Vorsichtsmaßnahmen, auf die er anfangs bestand, sollten weder ihn noch mich schützen, sondern seine Quellen.

Eine andere Frage, die sich stellt, ist: Soll oder muss man deutsche Behörden darüber informieren? Und wenn ja: wen? Solche Videos gibt es in großen Mengen im Internet und etliche Menschen melden die an die Behörden, welche damit meist nicht viel anfangen können. Aber was, wenn es doch wichtig war? In solchen Fällen bin ich froh, in diversen in Frage kommenden Behörden Menschen zu kennen, die mich nicht für verrückt halten, wenn ich damit an sie herantrete. Also fragte ich einen der Behörden-Bekannten in Berlin, ob das relevant sein. Und offensichtlich war es das, so dass sich nun auch staatliche Stellen um die Einordnung kümmern.

Der Erkenntnisgewinn bei einer solchen Sache ist gering. Grausame Menschen machen grausame Dinge. im Details kann es aber wichtig sein zu sehen, welche Gruppe welche Taten begeht. Am Ende brauchte hier aber ein Kollege meine Hilfe, die ich ihm nicht verwehren möchte. Aber es sind die Teile der Arbeit, die man nie vergisst und um die einen niemand beneidet.