Kurdische Kämpfer im Iran

Kurden werden in vielen Ländern verfolgt, so auch im Iran. Dort stellt die Demokratische Partei des Iranischen Kurdistans, kurz PDK-I, viele Kämpfer gegen das Regime. Diese haben auch im Kandil-Gebirge und in der Autonomen Region Kurdistan (Irak) ihre Rückzugsorte. Ich habe die Gegend mehrmals besucht, um mehr über ihren Kampf zu erfahren.

Auf dem Weg aus Erbil zur iranischen Grenze kommt man am Luxusresort Ashur und dem Freizeitpark in Rawanduz vorbei. Dann werden die Straßen immer kleiner und kurviger, der Fahrstil der Einheimischen noch gewagter. Man passiert einige Checkpoints der Peschmerga und des Nachrichtendienstes Asayesh, die meist gut gelaunt, aber interessiert fragen, was man dort tut. Man ist nicht unwillkommen, aber westliche Menschen sind dort selten gesehen. Als Journalist kann man problemlos passieren, wird aber jedes Mal mehr vor dem bevorstehenden Gebiet gewarnt.

Fünf Kilometer vor der iranischen Grenze war der letzte Checkpoint für uns. Der Offizier des Nachrichtendienstes bat uns, kurz mit zum Kommandanten zu kommen. Höflich bedankt er sich für unsere Zeit und das Interesse. Anschließend erklärt er uns die aktuelle Sicherheitslage: Vom Iran aus ist die Gegend in den letzten Wochen mehrmals mit Raketen beschossen worden. Zusätzlich gibt es PKK-Dörfer im Gebirge, die von der türkischen Luftwaffe angegriffen wurden. Die Sicherheitslage ist schlecht, die Peschmerga vor Ort haben aber weder Luftabwehr noch einen Raketenschild, sind also machtlos. Selbst ein gepanzertes Fahrzeug, Schutzwesten und Helme helfen wenig, wenn eine Rakete einen erwischt. Auch „PRESS“ Schilder helfen kaum bei Staaten, die die Pressefreiheit mit Füßen treten. Kurz: er hatte keine große Lust, uns in diese Richtung weiterfahren zu sehen, wollte es uns aber auch nicht verbieten. Die Hinweise nahmen wir gerne entgegen und verglichen nochmal unseren Standort mit dem Einschlag der letzten Raketen: weniger als 10km. Auf der anderen Seite gibt es auch genug andere Möglichkeiten, mit den PDK-I Peschmerga zu sprechen, so dass die Weiterfahrt einfach nur das Interesse an den letzten Metern befriedigen würde. Das Risiko war es nicht wert, wir drehten in Richtung eines nahe gelegenen Dorfes ab und fuhren das Gebirge bis Sulaimaniyya ab.

Der einzige Freund der Kurden sind die Berge“ ist ein Satz, den man hier häufig hört. Bei den Gesprächen mit kurdischen Kämpfern wird immer wieder klar, dass die Kurden Spielball der Mächtigen sind, aber nicht mehr. In den 80er Jahren wollte die iranische Regierung irakische Kurden im Freiheitskampf unterstützen, währenddessen die irakische Regierung ihrerseits die iranischen Kurden im Freiheitskampf unterstützen wollte. Geschichten wie diese wiederholen sich. Während die kurdischen Kämpfer in Syrien derzeit Unterstützung durch die USA erhalten, erhalten die Peschmerga im Irak Unterstützung von rund zwanzig Ländern. Die PDK-I Peschmerga erhalten weiterhin keine Hilfe.

Regelmäßig werden Kurden im Iran von der Regierung getötet, meist durch den Strick. Sie werden im Alltag drangsaliert. Es gibt unzählige Berichte von gefolterten, ermordeten und missbrauchten Kurden. In den seltensten Fällen werden die Täter auch nur verfolgt, geschweige denn verurteilt. Andere Länder nehmen sie nur in Ausnahmefällen auf. So sind sie gefangen im eigenen Land. Sie wollen das Land nicht umkrempeln, sie wollen keine Regierung stürzen, sie wollen einfach nur in Frieden leben. Der bewaffnete Kampf soll dabei das Machtgefälle zu den iranischen Revolutionsgarden glätten und die Basis für Verhandlungen über friedliche Koexistenz ebnen. Die Alternative wäre aus ihrer Sicht der Untergang ihres Volkes im Iran.

Dass die eingangs erwähnte Sorge des Nachrichtendienst-Offizieres berechtigt war, erfuhren wir etwas später. Auf der anderen Seite der Grenze, im Iran, gab es erneut Tote. Dies kann schnell zu Vergeltungsschlägen führen.