Luxus-Resort statt Bombenterror

Kurdistan – da reitet man auf Eseln und der Krieg tobt. Oder? Wenn nicht, ist es den meisten Leuten auch egal. Weit weg, fremde Leute, komische Sprache. Ich bin oft hier und ernte häufig erschrockene Blicke, wenn ich sage, wo ich hinlaufe. Für die gängigen Fragen, hat man die gängigen Antworten parat: „Brauche ich ein Kopftuch, wenn ich als Frau hingehe?“ – „Das ist ein freies Land. Natürlich darfst du ein Kopftuch tragen, wenn du willst“ oder aber „Ist es da gefährlich?“ – „Ja, man isst viel Zucker und fährt viel Auto. Das ist nicht gut für die Gesundheit“. Aber es ist einem ja klar, dass die Leute es nicht böse meinen. Sie denken an den Iran, den (Rest) Irak oder Assads Syrien. Umgeben von Regimen ist die Autonome Region Kurdistan ein Pol der Ruhe.

Warum habe ich dann hier vom Krieg berichtet? Nun, das ist kompliziert. Krieg ist nicht so wie im Film. Es wird nicht dauernd geballert und man schießt keine 100km weit. Gerade der Krieg gegen den IS fand außerhalb der Autonomen Region Kurdistan statt, unter anderem in den „Disputed Areas“ („umstrittene Gebiete“). Das sind Gebiete, die sowohl von Kurdistan-Irak, als auch vom Rest-Irak beansprucht werden. Das Gebiet in dem ich seit Jahren bin, war also während der ganze Zeit nicht betroffen – ich musste hier raus fahren, um an die Front zu kommen. Schon fünf Kilometer von der Front entfernt hatten die Cafés auf, 30km weiter wurden neue Einfamilienhäuser gebaut.

Seit den 1990er Jahren blüht die Region auf und baut Tourismus auf. Vor allem Iraker kommen her, um mal Ruhe und Frieden zu haben. Aber auch Touristen aus Europa und den USA kommen in diese Gegend, in der wichtige Passagen der Bibel stattfanden. Somit gibt es hier eine breite Infrastruktur, auf die man als Tourist zurückgreifen kann. Es gibt saubere Hotels mit einfachem Frühstück im Zentrum der Millionenstädte für 30€ pro Nacht. Für ein Mittelklasse Hotel zahlt man 70€ und ab da ist es nach oben offen. Daher möchte ich hier mal drei Hotels der Oberklasse zeigen um mit dem Bild des kaputten Kurdistans zu brechen.

Divan, Erbil

In der Hauptstadt Erbil ist das Divan Hotel die erste Adresse. Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch: Mit Strumgewehren bewaffnete Sicherheitskräfte, Panzersperren, Metalldetektoren an den Eingängen. Dahinter exzellentes Personal und ein Hotel, wie aus einem modernen Miss Marple Film. Dazu eine Sky-Lounge mit der besten Sushi-Bar im Lande und ein 20 Meter langes Frühstücksbuffet. Die Mitarbeiter haben mich in allen Lebenslange erlebt und waren immer gleich nett. Egal, ob ich mit Botschaftern rein kam, oder ob ich verschwitzt und mit Eis bekleckert aus dem Aufzug gestolpert bin. Kurz gesagt: Ich war in mehr als vierzig Ländern in Hotels, ein besseres kenne ich nicht.

Grand Millenium Hotel Sulaimaniyya

Das höchste Gebäude der Millionenstadt Sulaimaniyya ist das Grand Millenium Hotel. Durchaus vergleichbar mit dem Divan, aber mit einer 250m langen Zufahrt und noch mehr Sicherheitsschleusen. In der aufgesetzten obersten Etage befindet sich ein drehendes Restaurant. Von meinem Zimmer aus hatte ich einen grandiosen Blick über die Stadt. Für mich nur knapp auf Platz zwei, da die Mitarbeiter einen Tick weniger aufmerksam und etwas steifer sind.

Ashur Resort, Dokan

Der Lake Dokan ist der größte See Kurdistans. Er liegt zwischen den Millionenstädten Erbil und Sulaimaniyya. Das Resort ist groß, luxuriös und bietet neben einem Pool den Zugang zum See, eine Jet Ski Vermietung und vieles mehr. Hier kommt man hin, um einfach mal nichts zu tun. Allerdings ist die Speiseauswahl begrenzt. Die Karte hat fünf Hauptgerichte, alle mit viel Fleisch. Andererseits bekam ich problemlos alles gekocht, was ich irgendwie beschreiben konnte. Als ich hier war, waren wir die einzigen Gäste. Etwas bizarr, aber interessant. Die Mitarbeiter waren oft sehr unaufmerksam, auch wenn sie in der deutlichen Überzahl waren und omnipräsent. Mag aber an der speziellen Situation gelegen haben.