Peacemaker – die Dokumentation

Trägt man einen Peacemaker Patch (die Friedenstaube und der Text „Project Peacemaker“) auf der Kleidung, so sind die Reaktionen interessanterweise oft abweisend: „Ja toll, Frieden wollen viele – was macht ihr denn besser?“ Oder auch „Ich verstehe aber nicht, was ihr macht – also warum muss man das tragen!?“. Bei Adidas Klamotten oder der 5.11 Jacke kommen so Kommentare nie. Für mich ist Frieden auch kein Wettbewerb. Was soll man da „besser“ machen? Der eine will normalen Frieden, der andere in 4k und der dritte im Premium-Abo? Ich werde aus diesen Leuten nicht schlau. Und dann denke ich mir: Und warum sollte ich? Ich kann auch ohne schlechte Laune gut leben. Genau diese Leute wissen Frieden halt nicht zu schätzen und fühlen sich davon auch noch gestört. Den Patch trage ich meist rund um die Treffen, oder wenn ich im „Einsatz“ dort bin, wo Frieden fehlt. Aber warum eigentlich? An sich gehört dieses Symbol überall in unseren Alltag. Frieden ist etwas völlig normales geworden – aber er ist nicht selbstverständlich.  

Peacemaker in Verdun

Nachdem wir uns vor Kurzem in Verdun getroffen hatten um den Abschluss der Peacemaker Dokumentation zu  drehen und uns mal ein Wochenende alle in Ruhe zu sehen und zu unterhalten, trafen wir uns nun in der Friedensstadt Augsburg. Hier wurde die Peacemaker-Dokumentation uraufgeführt. Die Frage, wer wir sind und was wir tun, wird auch dort nur bedingt beantwortet. Dafür kommen sehr viele Menschen aus allen Teilen der Welt zu Wort und erklären, was Frieden und Freiheit für sie bedeutet. Ein Mensch beschreibt es gut: „Das ist wie warm duschen. Das weiss man nicht zu schätzen, bis die Dusche kaputt geht“. Ein Peacemaker aus dem Irak erklärt Freiheit anhand von Straßenbahnen. „In Deutschland hat jeder Bus und jede Bahn einen Platz für einen Rollstuhl. Und das ist für mich auch irgendwie Freiheit!“. 

Neben Politikern, Aktivisten, Flüchtlingen und anderen kommen auch Peacemaker zu Wort: Warum tun wir, was wir tun? Und was erhoffen wir uns davon?

Die Peacemaker entstanden nicht aus einer Idee, die man geplant und dann umgesetzt hat. Nicht wie ein Hausbau oder ein Arbeitsprojekt. Viel mehr trafen sich irgendwann Leute, die einige Gemeinsamkeiten und gemeinsame Ideale hatten. Simon Jacob und ich haben einen Lebenslauf, mit eineigen Parallelen: Wir waren erfolgreiche und gut verdienende Manager, wohnen in Deutschland und treiben uns in Kriegsgebieten im Nahen Osten rum. Als wir uns trafen erkannten wir, das wir zu den wesentlichen Punkten des Lebens die gleiche Meinung haben. Alle Menschen sollten frei und in Frieden leben können. Das würden die meisten so unterschrieben. Aber wir sind auch bereit, etwas dafür zu tun. Und wir können beide auf große Erfolge zurück blicken. 

Peacemaker im Januar 2015 in Shingal

Auf der anderen Seite hat man dann die Menschen, die nur ihren Hass haben, den sie sich nicht eingestehen wollen. Die Twitter-Unterschicht, die gegen alles sind und nur ihre Textbausteine kennen „Geht nicht“, „Ist doof“ oder „ist ja schön, dass ihr das könnt. Aber anderes nicht!“. Bei all diesen Kommentaren denke ich mir dann wieder: Wie macht der die Welt besser? Wie macht das Leben von dir oder anderen Besser? Was hast du von dieser negativen Ausstrahlung? Und dann fällt mir wieder auf, dass ich mich mit genau den Menschen gar nicht befassen will und blocke sie beim ersten dummen Kommentar. Warum auch nicht? Sie bringen mich im Leben nicht weiter – und sich selbst auch nicht.

Immer wieder sind Leute der Meinung, dass „Frieden schaffen“ auch heisst, dass man mit jedem Idioten diskutiert, oder dass man Pazifist sein muss. Oder auch nur höflich. All das sehe ich nicht so. Ich will Frieden. Ende. Wenn Terroristen kommen und ein Dorf überfallen, dann möge man die Terroristen abknallen. Wenn man die anderen Terroristen demotivieren kann, in dem man die Leichen ihrer Kollegen auf der Zufahrtsstraße stapelt, dann auch das. So ist es zum Beispiel 2016 in Kirkuk geschehen. Die Berufsempörten auf der warmen Couch in Deutschland haben sich drüber aufgeregt, in Kirkuk hat es viele Menschenleben geschützt. Wenn es dem eigenen Seelenfrieden dient, einfach jeglichen Deppen da draußen im ganzen Leben zu ignorieren: Los gehts! Wer nicht Teil des friedlichen Lebens sein will, muss damit klar kommen, dass er dann eben nicht Teil dieses friedlichen Lebens ist. Ich sehe da keinen Widerspruch. 

Doch wie geht man nun mit dem großen Hass in der Welt um und wo kommt der her? In weiten Teilen der arabischen Welt gibt es großes Leid und große Ungerechtigkeit. Ich denke immer, dass Bildung ein wichtiger Baustein im Friedensprozess ist. Leider gibt es auch dort komplizierte Zwischenschritte. Derzeit gibt es mehr gut gebildete junge Menschen in der arabischen Welt, als je zuvor. Und sie haben Zugang zum Internet. Sei erkennen also, in was für einer schlechten Lage sie sich befinden. Gleichzeitig können sie aber nichts dran ändern. Das ist frustrierend und dieser Frust sucht ein Ventil. Wie man diesen Menschen helfen kann, ist eine ganz andere Frage. Das Problem können kleine Organisationen, wie die Peacemaker, nicht lösen. Aber unsere Mitglieder waren bisher in rund achtzig Ländern unterwegs und haben Flüchtlingslager, Schulen, Waisenhäuser, Kirchen, Politiker, Soldaten und andere Menschen besucht und mit ihnen gesprochen und vor Ort in Projekten geholfen. 

Das heisst aber nicht, dass alle in der Welt unterwegs sind und dort helfen. Es gibt genau so Peacemaker, die sich in Europa engagieren. Sie tun hier gutes, bringen Menschen zusammen, machen Musik, die verbindet und engagieren sich in anderen Vereinen. Im Ergebnis kann man sagen: Würden es alle so wie wir machen, hätten wir auch keine Kriege – aber wir würden auch nicht alle Hand in Hand um den Baum tanzen. Man kann sich nicht-mögen, man kann sich hassen und man kann auch an die blödesten Verschwörungstheorien glauben. So lange man es anderen gestattet genau das gleich zu tun und in das Leben der anderen nicht eingreift, reicht es aus.

Checkpoints der Peschmerga
Im Einsatz für Frieden und Freiheit

Die Dokumentation, zeigt von dem ganzen Hintergrund zu wenig, sie wäre sonst einfach zu lang geworden. Dennoch war der Kinosaal überfüllt und letzte, spontane Besucherinnen und Besucher, mussten wieder umdrehen. Der Abspann wurde von Minuten langem Applaus begleitet. Anschließend gab es die Möglichkeit die Peacemaker persönlich zu treffen und mit Fragen zu löchern. Diese Möglichkeit wurde mehr genutzt, als ich erwartet hatte. Nach drei Stunden Fragerunde im Foyer und später bei Getränken musste ich mich doch verabschieden – andere hielten länger aus.

Es liegen noch hunderte Stunden Peacemaker-Filmmaterial vor, aus denen Simon Jacob im Laufe der Zeit weitere kleinere Filme machen wird, um nach und nach alle Facetten des Projektes zu beleuchten. Viele von uns haben den Krieg gesehen und erlebt. Wer Krieg gesehen hat weiss, warum er ihn nicht mehr will. Aber man muss den Krieg nicht gesehen haben, um ihn nicht zu wollen.