Terrorszenarien, für die es keinen Plan gibt

Geldtransporter – schwer zu stoppen

Der Breitscheidplatz hat gezeigt, dass man nicht immer auf alles vorbereitet ist. Man kann sich aber auch nie auf alles vorbereiten – oder man kennt das Szenario, hat aber keine gute Lösung. Bei den bisherigen Amokfahrten wurden zum Beispiel keine gepanzerten Fahrzeuge benutzt, keine Körperpanzer getragen, nicht raus geschossen und die Sicherheitssysteme des LKWs nicht abgeschaltet. Die Menschen, die noch weg kamen, haben also davon profitiert, dass die Täter in gewissem Maße Dilettanten waren. Und selbst so gab es zu viele Tote. Beim Angriff auf Charlie Hebdo sah man, wie schon mittelmäßig ausgebildete und gepanzerte Terroristen die Polizei vor große Probleme stellt. Aber wo sollte ein Terrorist mehr als eine Schußsichere Weste, oder gar ein gepanzertes Fahrzeug her bekommen? Zum Beispiel einen alten 7er BMW oder Mercedes mit denen Politiker oder Manager rum gefahren sind. Die  bekommt man fahrbereit für weniger als 10.000€. Was tut man dann als Polizist? Erstmal auf die Reifen schießen – die rollen aber weiter. Dann auf die Fahrerscheibe – die ist natürlich „schußsicher“, hält also ein paar Treffer. Aber beides bringt nicht viel.

Solche Fahrzeuge entsprechen oft der Schutzklasse VR9 (früher B7). Das heißt, dass sie gegen Beschuss mit 7.62x51mm mit Stahlhartkern aus zehn Metern Entfernung bei 90° und 820m/s sicher sind. Klingt sehr theoretisch, ist es auch. Ich bin selber Armored Vehicle Security Driver und habe bei der Ausbildung die diversen Tücken kennen gelernt. Zunächst hat ein normaler Polizist keine solche Waffe. Auch ein normaler SEK Beamter nicht, selbst die GSG9 Beamten haben oft „nur“ ein G36C im kleineren Kaliber 5.56x45mm am Körper. Es macht aber auch keinen Sinn jedem ein Riesenkaliber in die Hand zu drücken, weil man dann zu einfach das eigentliche Ziel durchschießen und Menschen dahinter treffen kann. Man kann auch mit dem kleinen Kaliber die Scheibe durch bekommen, braucht dafür aber diverse Treffer auf einer kleinen Fläche.

Die Scharfschützen der Einheiten haben aber Gewehre in passend großem Kaliber. Doch da kommt der nächste Punkt: Es dürfte in der Praxis kaum möglich sein einen 90° Winkel zur Frontscheibe zu bekommen, da diese aus Gründen der Aerodynamik leicht nach hinten kippt. Das Projektil kann so deutlich leichter abgelenkt werden und richtet nur noch wenig Schaden an. Man müsste also von einer erhöhten Position in der Vorbeifahrt im richtigen Moment schießen – würde dann aufgrund des Winkels aber nur noch die untere Hälfte des Körpers treffen – davon ist man verletzt, aber nicht unbedingt tot. Und man müsste schon viel Glück mit der Wahl des passenden Balkons oder Daches haben, von dem aus man schießt.

Beim Militär kennt man das Problem: Was tun, wenn ein Panzer kommt, man aber keine Panzerabwehrwaffe hat? Dann muss man ihm den Weg versperren. Diese schweren Wagen haben den Nachteil, dass sie oft sehr schlecht motorisiert sind. Einmal auf Tempo haben sie aufgrund des Gewichtes natürlich einige Energie, aber das war es dann auch. Wenn der Wagen einmal steht kann man ihn einfach mit zwei Streifenwagen einkesseln und festsetzen. Oder man kann dem Fahrer die Sicht nehmen. Im Zweifel reicht ein Tuch oder ein Eimer Farbe.

Eine Lösung ist also schnell die Verfolgung aufzunehmen und seine Fahrzeuge um den Täter zu bringen. Aber auch das ist leichter gesagt als getan und ein normaler Streifenpolizist ist für so etwas meist auch nicht ausgebildet. Und er müsste in dem Moment die Entscheidung fällen, das auch wirklich zusammen mit anderen Kollegen zu tun. Während in jedem Hollywood-Actionfilm dauernd Polizeiwagen irgendwen rammen oder andere Autos zerschießen, ist das bei unserer Polizei zum Glück eher unüblich. Man muss also vom „auf Streife Modus“ in den „Anti Terror Modus“ schalten und einen schnellen Durchlauf hinlegen.

Ferngesteuerte Autos oder Flugzeuge – schwer zu sehen

Am anderen Ende der Skala wären Ferngesteuerte Autos. Man braucht nur wenig Sprengstoff und ein Kilo Nägel um daraus eine Bombe zu bauen. Alternativ kann man auch ein Ferngesteuertes Flugzeug nehmen oder eine selbst fliegende Drohne. Wenn man etwas per Hand steuert, braucht man wenigstens noch Sichtverbindung zu den Opfern. Aber auch da gibt es genug Möglichkeiten es zu umgehen. Man kann z.B. einen Ferngesteuerten Wagen eine paar Stunden unter einer Verkaufsbude, einer großen Palette oder ähnlichem Parken und ihn dann automatisiert X Meter vor fahren lassen. Das dauert wenige Sekunden. Aber selbst, wenn das Gelände durchsucht wird, kann man eine Drohne benutzen. Diese kann z.B. auf einem Hausdach „parken“ und zu einer bestimmten Zeit einen bestimmten Weg fliegen. Dabei können heutige Drohnen aus dem Mediamarkt problemlos viele hundert Meter, bis wenige Kilometer fliegen. Dabei muss man bedenken, dass man keinen gezielten Mord verüben, sondern Terror verbreiten will. Auf einem solchen Wege eine bestimmte Person sicher Töten, dürfte kau möglich sein. Aber ein Dutzend Leute auf einem großen Gelände wahllos verletzten ist leider sehr einfach.

Der Vorhang zu und alle Fragen offen

Wie in der Überschrift bereits gesagt: Es gibt Szenarien, die will man sich nicht ausmalen. Diese „Idee“ hatte ich bereits lange im Kopf, wollte sie aber bisher nicht groß publizieren. Inzwischen ist diese Idee aber im großen und ganzen bekannt und geht seit langem in der Szene rum, so dass ich niemandem mehr einen neuen Vorschlag mache. Aber das Wissen, dass man in dem Fall keine schnelle Lösung hat, ist weiterhin nicht zufriedenstellend.

2 Kommentare zu "Terrorszenarien, für die es keinen Plan gibt"

  1. Man muss aber nicht auch noch Anleitungen geben. Alles völlig korrekt formuliert … aber!

  2. Herr Lenze, Ihr Einsatz für Kurden in allen Ehren, aber verkaufen Sie bitte nicht Aufkleber auf nackten Brüsten als seriöse ISIS-Kritik oder gar „emanzipatorisch“ und … bitte … retweeten Sie nicht mehr Herrn Kachelmann, einen egozentrischen, selbstherrlichen Frauenverarscher/Narzissten, der nicht verknusen kann, dass er nicht mehr so beliebt ist, ergo nicht mehr so viel Knete scheffelt. Danke!

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*