Vicarious – Filmpremiere

Am Sonntag besuchte ich die Premiere von Visioncreeds neuestem Kurzfilm „Vicarious“. Die Premiere fand standesgemäß vor einem ausgesuchten Publikum im Berliner Zoopalast statt.

Der Film handelt von dem langweiligen Büroangestellten Jake Thomson (Dave Ardito), welcher immer wieder in Tagträumen versinkt, in denen er auf einen Karate-Meister (Kai Fung Rieck) trifft. Jakes weniger freundliche Kollegin Tonia Roche (Jade-Eleena Dregorius) reißt ihn immer wieder aus diesen Träumen und holt ihn zurück in seine monotone Realität. Jeden Tag das Gleiche. In seiner Phantasie ist er mehr und mehr ein Abenteurer und Actionheld, der von einer Kampfszene in die andere stolpert. 

Abseits von Hollywood-Produktionen sehen solche Kampfszenen gerne mal wie bei Al Bundy aus. Unvergessen ist auch die erste Episode von „Dogs of Berlin“, bei der am Ende die Leiche blinzelt. Bei „Vicarious“ ist das nicht der Fall, was Stuntman und -Coordinator Max Huang zu verdanken ist. Seine Zusammenarbeit mit Jackie Chan und die von dessen Filmen bekannten schnellen Wushu-Techniken erkennt man als Chan-Fan direkt wieder. Gerade bei den Kampfszenen mit vielen Beteiligten sind die Szenen so schnell, dass der Zuschauer kaum weiß, wohin er gucken soll. Wirklich beeindruckend.

Auch bei den Locations galt: Klotzen statt Kleckern! Geradezu klein wirkt der Berlin Story Bunker, in dem einige Innenaufnahmen entstanden. Besser zur Geltung kommt ein Kriegsschiff, auf welchem die Kriminellen ihr Unwesen treiben. Doch auch dieses soll schnell hinter der wirklich großen Location zurücktreten: Eine ehemalige Airbase, inklusive dem Sicherungsperimeter zum angrenzenden Wald. Ein bisschen erinnern die Szenen dort an die Anfangsszene von James Bonds „Tomorrow never dies“, bei dem der Kampf „Gut gegen Böse“ auf einem Flugplatz auf einem Hügel ausgetragen wird. 

Diese Kombination aus authentischen Schauspielerinnen und Schauspielern und echten Drehorten lassen den Film, der mit einem schmalen Budget entstanden ist, wie eine große Produktion wirken. Am Ende steht die Frage, was Dave Thomson mit seinem Leben anfangen möchte. Möchte er es so vor sich hinlaufen lassen wie bisher, oder möchte er es ändern und etwas draus machen? Dem Publikum stellt sich am Ende auch die Frage, ob es im Leben Zuschauer oder Darsteller sein will. 

Nach dem Film erzählte die Crew eine Menge über die Widrigkeiten einer Filmproduktion. Wie zum Beispiel wichtige Crew-Mitglieder kurzfristig absagten, der Hauptdarsteller ins Krankenhaus musste und die Produzentin Pia Simon das Projekt und alle Beteiligten aus einer beinahe-Katastrophe nach der anderen retten musste und dabei nie die von ihr bekannte Gelassenheit verlor.

Der Film wird in Kürze durch die Festivals ziehen und ist bereits jetzt online verfügbar. Von mir bekommt er eindeutig das Prädikat „Sehenswert“.