Was macht das LKA, wenn man gehackt wird?

Als ich das erste mal einen Hack der Homepage angezeigt habe, erwartete ich ein mäßiges Schulterzucken eines Beamten, der kaum seine Schreibmaschine bedienen kann. Es lief etwas anders, daher möchte ich hier mal ein paar Worte dazu verlieren:

In den vergangenen Jahren bin ich übers Internet oft bedroht oder beleidigt worden und habe irgendwann einfach begonnen jeden einzelnen Fall anzuzeigen. Je nach Qualität der Bedrohung wurde es normal abgearbeitet oder man stellte mir Polizisten vor die Tür. Nachdem die Drohungen zunahmen, hatte ich Gespräche mit der Polizei, dem LKA und privaten Sicherheitsunternehmen wie High Risk Protection, die sich jeweils um meine Sicherheit gekümmert haben.

Eine Anzeige in so einem Fall zu erstatten funktioniert denkbar einfach: Screenshots machen, Webformular ausfüllen, abschicken. Manchmal sind die Leute leicht zu ermitteln, manchmal dauert es. Es gab auch Fälle, in denen ein Büro als Ursprung des Posts ermittelt wurde und dann dort rum gefragt wurde, wer es gewesen sein kann. So etwas stelle ich mit tendenziell unangenehm vor. Ich bekomme mal mehr mal weniger Feedback zu den Fällen, zum Teil haben die Leute bizarre Erklärungen, warum sie mich gar nicht beleidigen wollten und ich das nur falsch verstanden habe, manchmal heulen sie rum, weil sie nun mit den Konsequenzen leben müssen. Was bei mir so eintrudelt kann man in der Galerie “Ennos kleine Hassparade” sehen.

Als vor kurzem meine private und Business Websiten gehackt wurden, wandte ich mich wieder an die Polizei. Ich hatte mir nicht so viel davon erwartet, weil der Hack recht professionell aussah und man davon ausgehen kann, dass der Täter seine Spuren ordentlich verwischt hat. Innerhalb eines Tages meldete sich der Leiter des Nationalen Cyberabwehrzentrums um sich den ganzen Fall erklären zu lassen. Das Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz hatten auch Interesse an dem Fall, so wie das LKA Berlin. Die Behörden klärten untereinander welches Vorgehen am Sinnvollsten ist und entschieden, dass das LKA Berlin den Kontakt zu mir halten soll. Am nächsten Tag traf ich mich mit diversen LKA Mitarbeitern welche für Cybercrime und für verschiedene politische Straftaten zuständig sind.

Mehrer Stunden besprachen wir, was eigentlich passiert ist, wie es derzeit in meinem Umfeld aussieht und welche Art von Gefahren von wo drohen. Das ganze Treffen war freundlich, höflich und kompetent. Vor allem war ich von den Cybercrime-Beamten überrascht. Mit diesen konnte ich ganz normal wie unter anderem IT-Leuten sprechen. Sie bauten unser Setup nach, spielten mein letztes Backup ein und spielten den gesamten Angriff nach. Das klappte zunächst nicht. Also mussten wir immer wieder über Details sprechen, bis ganz genau klar war, welchen Weg der Angreifer mit welcher Software nehmen konnte. Das war einiger Aufwand und ich selber hätte mir diese Mühe wohl kaum gemacht.

Parallel hatten wir die gesamte IT neu aufgesetzt, was eine üble Arbeit war und nur wegen sehr guten Leuten klappte, die uns sofort unterstützt haben. Auch dieses neue Setup habe ich mit dem LKA durchgesprochen um eine zweite Meinung zu haben. Sah alles gut aus und hat sich bisher bewährt.

Die Schmähkritik an den Behörden, wenn es um die Verfolgung solcher Straftaten geht kann ich schon lange nicht mehr nachvollziehen. Ich werde immer ernst genommen, gut geschützt, freundlich behandelt und eben immer wieder positiv überrascht.

Eine häufige Frage ist: Was bringt das alles?

Zum einen leben wir in einem Rechtsstaat. Dort macht es schon Sinn, alles von Belang anzuzeigen. Bleiben zu viele Fälle liegen oder gehen Zahlen in bestimmten Bereichen hoch, dann kann die jeweilige Behörde besser argumentieren, dass sie mehr Geld für die jeweilige Verfolgung braucht.

Persönlich bringt es mir sehr viel. Ich gehe sehr offen damit um, poste immer wieder Drohungen gegen mich, die ausgefertigten Anzeigen, Antworten von der Staatsanwaltschaft usw. die Drohungen gegen mich sind dadurch um rund 90% zurückgegangen. Es macht wohl keinen Spaß, wenn man Sorge hat, dafür belangt zu werden. Auf der anderen Seite werden meine Sachen scheinbar schneller in wichtig/unwichtig eingestuft, seitdem ich die ersten ernstzunehmende Bedrohungen hatte.

Negative Effekte hatte ich dadurch nie. Andere Leute haben oft Sorge, man könne “Gegenanzeigen” erhalten. Das ist etwas schwierig, weil man Niemanden dafür anzeigen kann, dass er einen angezeigt hat. Die nächste Sorge ist, dass man seine Identität preisgeben muss, wenn man jemanden anzeigt. Da die Leute mich aber bedrohen wissen sie ja eh, wer ich bin.

Ich selber haben mich daran gewöhnt – gehört einfach zu meinem Leben. Auf komplizierten Veranstaltungen habe ich im Zweifel Personenschutz dabei, Wohnung und Büro sind entsprechend gesichert und ab und zu nutze ich sondergeschütze Fahrzeuge. Das ist super, weil mich Waffen und Technik eh interessieren und ich so das Nützliche mit dem Praktischen verbinden kann.

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