Was umsonst ist wird nicht wertgeschätzt

Du brauchst mal eben was umsonst? Hier eher nicht. Immer wieder melden sich Leute bei mir, von denen ich seit Jahren nichts gehört habe. Wenn sie sich über-freundlich melden ist direkt klar: Sie wollen etwas umsonst. Die Frage ist nur noch, was es genau ist. Im Details klärt sich dann, ob ich da gerade Lust drauf habe, oder eben nicht. Bei mir kann das viel sein: Bücher, Eintritt in den Bunker, eine Tour durch Berlin, Kontakte zu Politikern oder Wirtschaftsleuten. Es ist nicht so, als würde ich da Grundsätzlich ein Problem mit haben. Aber oft nehmen Leute einfach nicht für voll, dass sie mir Arbeit machen oder dass ich auch noch andere Dinge zu tun haben. Ich bin Verleger, habe also einen vollen Terminkalender und einen anstrengenden, aber guten Job. Dazu mache ich diverse Ehrenämter. Unter anderem manage ich die Dokumentation „Hitler- Wie konnte es geschehen“ und das Berlin Story Museum. Wenn ich Urlaub habe fliege ich nach Kurdistan (Irak) und berichte von da.

So wollte ein Freund zum Beispiel Kontakt zum kurdischen Präsidenten, um ihm Notebooks zu verkaufen „Na der braucht doch auch welche!“ – Keine Ahnung, mag sein, aber ich spreche mit ihm nur über Politik. Ich vermittele ihm keine Elektroware. Im Ergebnis war der Freund von mir dann auch noch sauer, weil ich ihm nicht mal eben die Nummer geben wollte. Am häufigsten wollen Leute jedoch meine Zeit – und das ist das kostbarste, was ich habe. Regelmäßig fragen Leute, ob sie sich meinen Bunker ansehen können, aber eher zum Zeitvertreib und ohne die Arbeit wert zuschätzen, die da drin steckt. In der Praxis sieht das so aus:

Der Bunker hat 365 Tage im Jahr geöffnet. Freunden gebe ich gerne Freikarten und dann sollen sie selber hin gehen. „Wo ist das eigentlich?“, „wann hat das auf?“ und „Und was kann ich da sehen?“ sind die häufigsten Fragen. Da frage ich mich dann: Warum wolltest du die Freikarten? Hättest du das Kombiticket für 13.50€ auch gekauft, ohne zu wissen, worum es geht? Wenn man alles erklärt folgt nicht selten ein „Achso, selber angucken….. ich dachte, du kannst mir das einfach mal zeigen…ich wollte mich da jetzt nicht hin stellen und ewig was lesen“. Die Dokumentation, das Museum und den Rest zu zeigen dauert vier bis sechs Stunden. So viel Zeit habe ich einfach nicht. Früher habe ich das noch gemacht. Ich habe zum Beispiel alle meine Freunde, die es mal sehen wollten, abends eingeladen. Oft wollten zwanzig bis dreißig kommen und auch ihre jeweiligen Partner mitbringen, erschienen sind fünf bis zehn. Auch da frage ich mich: Macht ihr das Mit Kino- oder Konzertkarten auch so, wenn ihr die bezahlt habt? Oder nur hier, weil es eben nichts kostet. Ich bin also dazu übergegangen, die Leute nur noch eine halbe Stunde zu begrüßen, ihnen ein bis zwei Specials zu zeigen und sie dann selber in die Ausstellungen zu schicken. Da kann ich auch nicht viel helfen – die muss man sich halt selber angucken. Um wenn niemand kommt, habe ich nicht zu viel Zeit verschenkt. Doch da kommt das nächste Problem auf: Pünktlich sein. „Ich habe ein paar Freunde bei, können wir vorbei kommen und dich treffen? Wir kommen um 12“ – Ja klar geht das. Wenn ich dann aber um 12:10 Uhr eine Nachricht bekomme „Wir sind noch was Essen und kommen dann rüber“, dann verstehen die Leute oft nicht, dass ich sauer bin. „Bist du jetzt extra für uns hin gefahren?“ oder „Hast du da jetzt auf uns gewartet“ höre ich häufiger. Nein, wisst ihr, ich sitze immer bei meinem Ehrenamt rum und warte nur auf Leute, die mich mal treffen wollen. Ich habe ja sonst nichts zu tun. Auch hier frage mich mich: Wenn ihr 200€ für eine Tour bezahlt hättet, währt ihr dann auch einfach nicht gekommen?

Der letzte Punkt ist die Wertschätzung der eigenen, ehrenamtlichen Arbeit. Ich habe einen Freund, der eine KFZ-Werkstatt hat. Selber erarbeitet, selber bezahlt, immer selber da. Er hat sich die 80% fertige Baustelle meiner neuen Ausstellung zwei Stunden lang angesehen und an vielen kleinen Punkten die Arbeit gesehen, die da drin steckt. Später hatte erdiverse Fragen zu DIngen, die ihm aufgefallen sind. Er kam wieder um es fertig zu sehen. Umgekehrt kenne ich seine Werkstatt auswendig. Ich finde es einfach spannend zu sehen, was andere Leute aufbauen und was sie begeistert. Andere Freunde von mir sind in einer Stunde durch alle Etagen und Ausstellungen des Bunkers  durch „Puh, das war mir zu viel Text. Naja… wir haben nur die Hälfte angeguckt, aber da haben wir ja nichts verpasst, oder? Wir gehen jetzt lieber was trinken.“ – Natürlich gibt es genug Leute, die meine Themen nicht interessieren. Aber dann fragt doch nicht nach meiner Zeit und kostenlosem Eintritt. Oft sage ich auch „klar, du kannst Freikarten haben, dafür brauche ich aber eine Bewertung auf Facebook oder Google“. Ratet mal – die bekomme ich fast nie. Ich überlege einfach den Eintritt zu nehmen und das Geld zurück zu zahlen, wenn die Bewertung kommt.

Es ist auch spannend wenn man sagt „Klar und morgen komme ich zu dir zur Arbeit und zeigst mir, was du so machst“ – „Ähh… ne ich muss ja arbeiten, so geht das nicht…„.

Anfragen in dieser Art bekomme ich circa zehn pro Woche. Etwa 25% der Leute sind nie erschienen und weniger als 50% der Leute waren annähernd pünktlich. Daher mache ich all das nur noch im sehr begrenzten Rahmen für Leute, die sich auch melden, wenn sie gerade nichts brauchen.

Diesen Blogpost schicke ich nun auch erst mal allen Leuten, die mich um etwas bitten – wenn alles beachtet wird, bin ich gerne weiterhin großzügig. Ich vermute aber, dass die meisten nicht bis zu dieser Zeile lesen, da der Text zu lang ist und es ja eigentlich um schnell&umsonst ging.

Muss ich nun also Sorge haben, dass Freunde sauer sind, weil ich „nein“ sage? Nope. Freunde verstehen das, die anderen halt nicht.

5 Kommentare zu "Was umsonst ist wird nicht wertgeschätzt"

  1. Tja, leider hast du ja so recht. Traurig ist das Verhalten mancher Mitmenschen schon. Ich glaube aber du verhältst dich schon richtig.

  2. Du hast Recht, was Freunde angeht. Das andere sind Leute die das mit dem Netzwerk, zu dem sie gehören, mit Hängematte verwechseln.
    Und wenn du noch mal LED’s brauchst – melde dich, die bekommst du kostenlos. Weil bei dir sind sie nicht umsonst. Ich habe dein Projekt Bunker vor erinnern Jahr besucht, und war begeistert.

  3. Ist das ein typisches Berlin-Problem?

  4. Nicht ärgern lassen…Du nimmst sie die Freundschaften ernster als sie und sie haben es nicht verdient.

  5. Manche Menschen haben keine Freunde, sondern nur Interessen.

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